Cason Hohmann vom EC Bad Nauheim ist im Zweikampf (hier mit C.J. Stretch von den Bietigheim Steelers) nur schwer vom Puck zu trennen. Mit drei Punkten führt der US-Amerikaner die teaminterne Scorerwertung nach dem ersten DEL2-Hauptrunden-Wochenende an. FOTO: CHUC
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Cason Hohmann vom EC Bad Nauheim ist im Zweikampf (hier mit C.J. Stretch von den Bietigheim Steelers) nur schwer vom Puck zu trennen. Mit drei Punkten führt der US-Amerikaner die teaminterne Scorerwertung nach dem ersten DEL2-Hauptrunden-Wochenende an. FOTO: CHUC

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Wie der Trainer die zwei Extreme binnen 48 Stunden erklärt

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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6:3 gegen Bietigheim. 1:7 in Ravenbsburg. Dass in beiden Spielen die gleichen Profis für den EC Bad Nauheim aufgelaufen waren, ist kaum zu glauben.

Hatte da wirklich die gleiche Mannschaft auf dem Eis gestanden? Waren das die Profis, die am Freitag die Bietigheim Steelers mit 6:3 geschlagen hatten? Das ist nach dem 1:7 am Sonntag in Ravensburg kaum zu glauben. Binnen 48 Stunden hat der EC Bad Nauheim zum Start der Deutschen Eishockey-Liga 2 zwei Extreme in seinen Leistungen aufgezeigt.

Hannu Järvenpää, der Trainer, sprach am Montagmorgen von einem "Mental-Breakdown", einem geistigen Zusammenbruch, den seine Mannschaft im zweiten Spiel erlebt habe. "Ich bin natürlich alles andere als glücklich. Das müssen wir aufarbeiten, dürfen uns aber auch nicht zu lange davon runterziehen lassen", sagt der Coach. Für die Roten Teufel war’s die höchste Niederlage seit 17. Januar 2020 (0:7 in Bietigheim). Auf der sportlichen Achterbahn sind die Hessen nicht allein. Kaufbeuren beispielsweise gewann mit 8:1 gegen Dresden, unterlag dann aber (ohne die Topscorer Brandon Gracel und Sami Blomqvist) in Bietigheim mit 2:7.

Was war das doch schön gewesen am Freitag. Ein Sieg gegen einen DEL-Aspiranten, ein sportlicher Vergleich auf einem Level, das man in der Vergangenheit in Bad Nauheim nur selten gesehen hatte, mitreißende 60 Minuten mit einer spannenden Schlussphase samt Happyend. Da stimmten Laufwege, Passspiel und Einsatz. Fans hätten ihren Spaß gehabt. So wurden stattdessen rund 1500 Sprade TV-Buchungen registriert. Im Colonel-Knight-Stadion selbst hatte die Fan-Gruppierung "Fanatics" ein Spruchbanner ("Alles für Rot und Weiss") platziert.

Man habe während der langen Vorbereitung dieses Spiel sehr in den Fokus gerückt, sagt Järvenpää rückblickend. Vielleicht zu sehr? Bad Nauheim stand konzentriert wie kompakt in der eigenen Zone, überzeugte bei Fünf-gegen-fünf wie im Powerplay, hielt die Fehlerquote gering, blockte Schüsse.

Von all dem war am Sonntag nichts zu sehen. Zwei Hinausstellungen in den ersten fünf Minuten (zweimal traf einen der jungen Spieler/"Das ist ein Lernprozess", sagt Järvenpää) und zwei Gegentore in den ersten zehn Minuten - das Spiel war vorbei, ehe es für Bad Nauheim überhaupt begonnen hatte. Ja, Ravensburg hatte eine starke Leistung gezeigt. Dass die Gäste aus Hessen aber auch auf den Schlüsselpositionen überhaupt keinen Akzent hatten setzen können, irritiert dann doch. Die Gäste waren regelrecht vorgeführt wurden. Torwart Felix Bick fehlte die Unterstützung. Viel zu viel Raum im "Hot-Spot" im eigenen Verteidigungsdrittel wurde gewährt - und wie schon Bietigheim gehört nunmal auch Ravensburg zu den Mannschaften, die nicht viele Chancen benötigen. "Ravensburg hatte schon früh das Momentum auf seiner Seite. Es lief schon sehr früh sehr viel gegen uns", sagt der Trainer. Vielleicht müssen auch Auswärtsspiele geübt wurden. Nur einmal hatte der EC Bad Nauheim während der Vorbereitung eine lange Busfahrt (nach Freiburg) zu bestreiten. Abhaken. Am Freitag kommt Bayreuth.

Rene Rudorisch, der DEL2-Geschäftsführer, hatte dem Geisterspiel-Wochenende einen insgesamt "positiven Eindruck" abgewinnen können. "Auch wenn die Zuschauer extrem fehlen. Eishockey ohne Fans und die einzigartige Atmosphäre ist schon etwas anderes. Sportlich hat das Wochenende aber alles geboten, was die Sportart auf dem Eis ausmacht."

Für Diskussionsstoff - bei manchem Klub, aber auch in den sozialen Medien - hatte die Partie am Freitag in Frankfurt gesorgt. Fotos von "Zuschauern" auf der Tribüne hatten rasch die Runde gemacht. Trommler waren während der TV-Übertragung zu hören. "Grundlegend sind die Ausrichterclubs für die Umsetzung der Spiele verantwortlich. Die Vorgaben in Bezug auf Zuschauer macht nicht die Liga. Das machen die Behörden. Die Menge an Personen in Frankfurt war wohl mit den Gesundheitsbehörden abgesprochen", sagt Rudorisch auf Nachfrage unsere Redaktion. Der Liga-Chef war selbst am Ratsweg und hatte dort die Löwen Frankfurt nachträglich als Hauptrunden der Saison 19/20 ausgezeichnet.

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