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Christof Kreutzer verlässt den EC Bad Nauheim zur Saison 2020/21 und wird Sportdirektor beim DEL-Klub Schwenninger Wild Wings. FOTO: CHUC

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Trainer Kreutzer unterschreibt bei einem DEL-Klub

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Trainer Christof Kreutzer verlässt den Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim nach Saisonende. Der 52-Jährige wird in der Spielzeit 2020/21 als Sportdirektor in der Deutschen Eishockey-Liga tätig sein.

Rund um die Weihnachtstage entwickelten sich die losen Gespräche zu einem konkreten Angebot, zum Jahreswechsel fiel die Entscheidung - und am Dienstagabend folgte die offizielle Mitteilung: Christof Kreutzer kehrt nach zweijähriger Tätigkeit beim EC Bad Nauheim zurück in die DEL - als Sportdirektor in Schwenningen. "Man hat sich dort sehr um mich bemüht. Das ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Aber ich liebe ja Herausforderungen", sagt Kreutzer mit Blick auf die Wiedereinführung von Auf- und Abstieg zwischen DEL und DEL2 in der kommenden Saison. Der Schwarzwald-Klub belegt aktuell Rang 13, ist punktgleich mit Schlusslicht Iserlohn.

Den Roten Teufeln, seinem Arbeitgeber, hatte erst stets signalisiert, innerhalb der DEL 2 nicht wechseln zu wollen, sich zugleich aber eine Erstliga-Option zumindest bis Ende Januar offen gehalten. "Die Entscheidung fiel natürlich auch mit einer Träne im Auge", sagt Kreutzer. "Aber die Chance auf einen Job in der DEL eröffnet sich nunmal auch nicht jeden Tag."

Als Verteidiger der Düsseldorfer EG hatte Kreutzer fünfmal die deutsche Meisterschaft gewonnen, war über den Nachwuchs im Rheinland zum Cheftrainer der DEL-Mannschaft aufgestiegen, teilweise auch in Doppelfunktion mit einer Sportdirektoren-Tätigkeit. In der Saison 2015/16 war Kreuter als "Trainer des Jahres" ausgezeichnet worden. Im Schwarzwald tritt er nun in die Fußstapfen von Jürgen Rumrich, der Ende Oktober erklärt hatte, seine Position zur neuen Saison zur Verfügung zu stellen.

Einen Konflikt zwischen Trainer-Tätigkeit in Bad Nauheim und Gedankenspielen rund um einen künftigen Arbeitgeber sieht er nicht. "Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich mit dem bestmöglichen Resultat hier verabschieden möchte. Das ist mein Job", sagt Kreutzer. Dass ihm Spieler zu den Wild Wings folgen, schließt er nicht grundsätzlich aus. Andrej Bires, der 22-Tore-Mann, wird ohnehin kaum noch in Bad Nauheim zu halten sein, Felix Bick, der so starke Rückhalt, ist gar ein gebürtiger Schwenninger. "Die Spieler, die infrage kommen, stehen entweder in Köln unter Vertrag oder werden sich so oder so von den Roten Teufel verabschieden, weil es sie in die erste Liga zieht oder sie höher dotierte Angebote erhalten werden", sagt er offen und ehrlich.

Kreutzer war im April 2018 in Bad Nauheim - ausgestattet mit einem Zweijahresvertrag - als Nachfolger von Petri Kujala (von 2014 bis 2018) vorgestellt worden und hatte die Roten Teufel nach Holperstart direkt in das Playoff-Viertelfinale (0:4 in der Serie gegen Ravensburg) geführt. Aktuell spielt der EC Bad Nauheim die erfolgreichste Hauptrunde seit 2004 und ist seit dem zwölften Spieltag unter den Top Sechs zu finden; trotz einer gehörigen Portion Verletzungspech, gerade auf den Kontingentpositionen.

"Christof hat genau das mitgebracht, was uns hier gefehlt hatte. Er ist selbstbewusst vorneweg marschiert, hat Zug reingebracht, Probleme angesprochen und uns nicht kleiner gemacht als wir sind. Christof passt hierher und hat uns gut getan", sagt Matthias Baldys, der Sportliche Leiter der Roten Teufel. "Natürlich hatten wir gehofft, in der momentanen Konstellation auch weiterarbeiten zu können." Gespräche in diese Richtung waren geführt worden.

Andreas Ortwein, der Geschäftsführer der Roten Teufel, betrachtet das DEL-Angebot als "Wertschätzung für gute Arbeit, die der Trainer in Bad Nauheim leistet. Wir wussten von Anfang an, dass er ihn kaum würden halten können, wenn er ein passendes DEL-Angebot erhält. Ich denke, beide Seiten konnten in den beiden Jahren vieles voneinander lernen."

Mit der Suche nach einem Nachfolger für Kreutzer stehen die Roten Teufel nun vor einer höchst spannenden Aufgabe. Klar ist: Der eingeschlagene Weg, auf eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft zu setzen, soll fortgesetzt werden. "Wir werden eine gute Lösung finden", ist Ortwein überzeugt. Bad Nauheim ist sicher prädestiniert für einen deutschsprachigen Trainer, der mit dem deutschen Eishockey vertraut ist und zudem Strukturen, Grenzen und Gegebenheiten rund um die Roten Teufel akzeptiert.

Unabhängig vom Wechsel Kreutzers ist die Personalie Harry Lange zu betrachten, der Kreutzer seit dessen Amtsantritt in Bad Nauheim assistiert. Ist ihm, einer Identifikationsfigur in Bad Nauheim, im nächsten Schritt schon die Rolle als Cheftrainer zuzutrauen? Traut er sie sich selbst zu? Ist eine erneute Tätigkeit als Assistent denkbar? Baldys lobt seinen Teamkollegen aus der Meistermannschaft von 2013 als "modernen Trainer-Typ, der taktisch und inhaltlich sehr gute Arbeit abliefert". Ortwein erklärt, "in der Trainer-Frage aktuell nichts ausschließen" zu wollen. Als Indiz oder Fingerzeig sind derlei Aussagen zum jetzigen, frühen Zeitpunkt aber sicher noch nicht zu werten. Personalpolitisch mit Blick auf den Kader der kommenden Saison sei man nicht unter Druck oder von einer schnellen Lösung abhängig. Allerdings haben die Roten Teufel zum Tagesgeschäft mit all seinen offenen Fragen nun eine weitere Baustelle zu betreuen.

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