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Enttäuscht: Dustin Sylvester. Rechts im Hintergrund: Cody Sylvester und Nico Geitner.. Links: Daniel Stiefenhofer. (Foto: Chuc)

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Den nächsten Schritt verpasst

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Der EC Bad Nauheim ist von Wolke sieben nach der Hauptrunde abgestützt. Nach nur vier Playoff-Spielen ist die Saison beendet. Woran hat's gelegen? Was bleibt hängen vom Winter 2018/19?

Das Ende kam dann doch irgendwie viel zu früh. Viel zu schnell angesichts der Begeisterung, der Erwartungen, die die Hauptrunde geweckt hatte. Zwei Viertelfinal-Heimspiele – und das war’s auch schon. Man kennt das aus den Jahren 2016 und 2018. Den nächsten Schritt, sportlich, wie wirtschaftlich, hat der EC Bad Nauheim verpasst. Der plötzliche Tod, wie es im Sport-Jargon heißt, kam für die Roten Teufel wie bereits im Vorjahr in der Verlängerung. Einmal zu viel nicht aufgepasst, einmal zu wenig Glück gehabt. Am Ende glatt mit 0:4 unterlag Eishockey-Zweitligist aus der Wetterau in der Playoff-Serie den Ravensburg Towerstars. "Die Enttäuschung über das Aus haben wir uns letztlich über die gesamte Saison selbst erarbeitet", sagt Matthias Baldys, der Sportliche Leiter, angesichts der Leistungen von August bis März.

EC Bad Nauheim: Wichtige Schritte zur Entwicklung des Standorts gemacht

Platz sechs, ein Rückstand von nur sieben Zählern auf den Tabellenführer, ein Punkterekord, die Heimstärke und eine beeindruckende Powerplay-Quote zeugen nämlich von einer starken Saison, die in der Wetterau den Glauben an eine Halbfinal-Teilnahme (oder gar mehr) gestärkt hatte. In der sogenannten "Crunchtime" wurden die Unterschiede zu einer Top-Mannschaft dann aber aufgezeigt. "Die Enttäuschung ist natürlich erstmal groß. Wir haben über eine lange Zeit am Limit und phasenweise vielleicht darüberhinaus gespielt, um dorthin zu kommen, wo wir waren. Letztlich muss man auch die Unterschiede anerkennen", sagt Christof Kreutzer, der Trainer der Roten Teufel, der den Klub zur dritten Viertelfinal-Teilnahme in den letzten vier Jahren geführt hatte. Da gibt’s in der Liga nur wenige Klubs, die mit ähnlichen Mitteln so erfolgreich arbeiten.

"Ein drittes Heimspiel hätte uns gut getan. Bei aller Enttäuschung muss man aber auch festhalten, dass wir uns als GmbH, als Standort in die richtige Richtung entwickeln", sagt Michael Richly, der GmbH-Beiratssprecher, in Bezug auf die angestoßene Arenabau-Thematik, die Bewerbung für das imageträchtige DEL2-Event-Game oder die Eigenkapital-Entwicklung der GmbH.

EC Bad Nauheim: Minutenlanger Abschied von den Fans im Colonel-Knight-Stadion

Noch minutenlang hatten die Spieler am Sonntagabend vor der Fankurve gestanden. Viele mit gesenktem Kopf, mit leerem Blick, bevor es auf die letzte Ehrenrunde ging. Der Stolz auf die Mannschaft, den die Zuschauer noch rund eine Viertelstunde nach Spielende mit ihren Sprechchören zum Ausdruck brachten, mit dem noch einmal die Begeisterungsfähigkeit des Publikums gezeigt wurde, konnte nicht trösten. 23 Sekunden nur hatten in der regulären Spielzeit gefehlt, um irgendwie Spiel fünf zu erzwingen und die Serie zu verlängern. Der letzte Auftritt der Teufel war der beste der Serie – und er war dennoch nicht gut genug.

Sportlich fehlte den Roten Teufeln die Leichtigkeit, die Selbstverständlichkeit, die die Mannschaft durch die Monate Dezember und Januar und unter anderem zu sechs Derby-Siegen (vier auf fremdem Eis) getragen hatten. Nach der direkten Playoff-Qualifikation war schon Mitte Februar ein gewisser Knick im Spiel erkennbar. Zu früh hatten die Roten Teufel auf Topniveau gespielt, konnten dort nun aber nicht anknüpfen. Die Unterschiede in der Serie waren deutlich größer als im Vorjahr (drei Niederlagen mit einem Tor Unterschied). Dem über lange Zeit sehr kleinen Kader fehlten schlichtweg auch Frische und Energie.

? @del2 -Goalie des Jahres. Im Rahmen des vierten Playoff-Viertelfinalspiels des EC Bad Nauheim gegen die Ravensburg Towerstars wurde der DEL2-Goalie des Jahres geehrt. Teufel Felix Bick nahm seine Auszeichnung von Michael Nickolaus (Eishockey NEWS) entgegen. #del2 #BadNauheim #OriginalEishockey #ecbn #2019

Ein Beitrag geteilt von EC Bad Nauheim (@ecbadnauheim_offiziell) am Mär 25, 2019 um 6:56 PDT

EC Bad Nauheim: Die Planungen für die neue Saison haben längst begonnen

Dustin Sylvester, interner Torschützenkönig, konnte gerade einmal einen Scorerpunkt verbuchen. Dass er gesundheitlich am ersten Wochenende eigentlich gar nicht hätte spielen dürfen, mag dies erklären. Mit Andrej Bires fehlte dann zudem der drittbeste Hauptrundentorschütze (Muskelfaserriss). Towerstars-Coach Rich Chernomaz hatte obendrein das Powerplay der Roten Teufel entschlüsselt und Bad Nauheim damit seiner gefährlichsten Waffe beraubt. Nur einmal trafen die Roten Teufel im Powerplay – bei 20 Überzahl-Situationen.

Bilder sagen mehr als 1.000 Worte... #BadNauheim #DEL2 #Fans #Diebesten pic.twitter.com/vYUziMh7nD

— EC Bad Nauheim (@ec_bn)

24. März 2019

Mit dem gestrigen Montag hat im Colonel-Knight-Stadion die Aufarbeitung der Saison begonnen; kaufmännisch wie sportlich. Wer soll gehalten werden? Wen zieht es weg? Und auf welcher Position besteht Potenzial? In den kommenden drei Tagen werden Kreutzer und Baldys die Saisonabschluss-Gespräche mit den Spielern führen. Max Hadraschek soll Gerüchten zu Folge auf dem Wunschzettel von DEL-Klub Schwenningen stehen, unter anderem auch Andrej Bires soll mit Erstliga-Offerten liebäugeln, auch junge Verteidiger wie Garret Pruden oder Nico Geitner könnten sich als Förderlizenzkandidaten interessant gemacht haben. Beeinflusst wird die Kaderplanung auch vom künftigen Kooperationspartner. Die Vereinbarung mit Düsseldorf läuft aus, insgesamt vier DEL-Klubs sollen Interesse an einer Zusammenarbeit mit den Roten Teufeln geäußert haben. Das Puzzlespiel wird damit auf’s Neue beginnen.

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