Kelsey Tessier (Mitte) war mit sechs Treffern der erfolgreichste Torschütze während der Saisonvorbereitung des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim. FOTO: CHUC
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Kelsey Tessier (Mitte) war mit sechs Treffern der erfolgreichste Torschütze während der Saisonvorbereitung des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim. FOTO: CHUC

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim nach den Testspielen: Was läuft gut? - Wo klemmt’s noch?

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Der EC Bad Nauheim hat zum Testspiel-Abschluss ein Ausrufezeichen gesetzt. Mit den Eisbären Berlin wurde ein DEL-Top-Klub geschlagen. Das gibt dem Eishockey-Zweitligisten vorm Start Selbstvertrauen.

Was läuft gut? Wo klemmt es vorm Bietigheim-Spiel? Der Vorbereitungs-Check

?Wie ist der Gesamteindruck nach den Testspielen?

Neun Spiele wurden absolviert. Einmal ging es gegen einen DEL-Klub. In fünf Spielen wurde gegen vier (im Vorjahr zumeist besser platzierte) Zweitliga-Konkurrenten gespielt. Zudem standen drei Begegnungen mit Oberligisten, in denen vorwiegend die jungen Spieler Bewährungschancen erhielten, an. Das Tempo war in den Spielen gegen die Erst- und Zweitligisten für die Vorbereitungsphase unerwartet hoch, hatte nichts mit dem typischen "Sommer-Hockey" vergangener Jahre zu tun. Mit den fünf personellen Wechsel in den vorderen beiden Angriffsreihen wurde die sportliche Qualität erhöht. Der Erfolg gegen die Eisbären überstrahlt abschließend die Vorbereitung, die einen positiven Gesamteindruck hinterlassen hat. "Es kommt nicht oft vor, dass man einen DEL-Top-Klub im eigenen Stadion hat. Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns vor Publikum hätten zeigen können", sagt Hannu Järvenpää, der Trainer. Seine Mannschaft sieht er "bereit, wenn der Schiedsrichter am Freitag den Puck zum ersten Bully einwirft".

?Wie haben sich die Neuzugänge präsentiert?

Der erste Eindruck passt; gerade auf den Schlüsselpositionen. Dort wird erfahrungsgemäß genauer hingeschaut. In der Wetterau hatte man sich zum Austausch der vier Importstellen entschlossen. Als Anführer geht Kelsey Tessier vorneweg; mit Händchen, Auge und Spielintelligenz. Das war von dem Kanadier auch erwartet worden. Jamie Arniel - anfangs unauffällig - kommt als Mittelstürmer mehr und mehr auf Touren, und auch Cason Hohmann hat seine Klasse angedeutet. In der Verteidigung übernimmt Mark Richardson die ihm zugedachte Aufgabe; mit Ruhe, Erfahrung mit minimaler Fehlerquote. Einen glänzenden Eindruck hat Frederik Cabana hinterlassen; stabil und torgefährlich. Zudem ist Stefan Reiter heute ein ganz anderer Spieler, als der, der Bad Nauheim in der Saison 2018/19 als Förderlizenzspieler nach zehn Spiele in Richtung Bad Tölz verlassen hatte. Aus dem Vorjahres-Kader ergänzt Andreas Pauli dieses Quintett an Neuzugängen in den vorderen beiden Reihen, den Scoring-Linien, die Spiele entscheiden sollen. Christoph Körner versucht dahinter, immer etwas zu bewegen, sich für die ersten beiden Reihen anzubieten. Mittlerweile fest in Bad Nauheim unter Vertrag stehen Luis Üffing und Jan Luca Sennhenn. Gerade Verteidiger Sennhenn (zwei Einsätze im Vorjahr) hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Das Powerplay als Quarterback leitet Tomas Schmidt. Neben ihm und Richardson ist Aaron Reinig nach einjähriger Verletzungspause gefühlt ein Neuzugang. Die Abwehr wirkt technisch und läuferisch verbessert und beweglicher. Mit Leon Köhler ist ein Eigengewächs nach drei Nachwuchsjahren in Köln zurückgekehrt und kämpft um Eiszeiten.

?Was läuft bislang gut bei den Roten Teufeln?

Hannu Järvenpää bringt bei dieser Fragestellung seinen kompletten Kader ins Spiel. "Die Mannschaft hört zu, zeigt die richtige Einstellung und ist bestrebt, die Vorgaben umzusetzen", sagt der Trainer und schiebt eine Floskel hinterher: "Die Chemie stimmt." Den Wechsel von 25-Tore-Stürmer Andrej Bires in die DEL (Nürnberg) scheinen die Roten Teufel im Kollektiv lösen zu können, sind dadurch schwerer auszurechnen als im Vorjahr; 24 der 33 Testspiel-Treffer haben die ersten beiden Reihen erzielt. Vier Tore gehen auf Konten von Verteidigern.

?Was ist während der Vorbereitungsphase aufgefallen?

Mit dem Trainerwechsel hat sich auch die Spielphilosophie verändert. Järvenpää setzt auf Puckkontrolle, auch unter Druck im eigenen Drittel; eine deutliche Umstellung, nachdem die Scheiben zuletzt in Bedrängnis oftmals rausgechipt worden war. "Wenn wir den Puck auf diese Weise abgeben haben wir nichts gewonnen, sondern nehmen uns die Möglichkeit, selbst eine Torchance zu kreieren", sagt der finnische Übungsleiter, wohlwissend, dass bei diesem anspruchsvolleren taktischen Agieren im eigenen Verteidigungsdrittel auch die nötige Balance in der Risikobewertung gefunden werden muss, um nicht zu verspielt zu sein.

?Was muss Coach Hannu Järvenpää noch verbessern?

Viele Neue, ein anderes System - da kann trotz langer Trainingswochen noch nicht jedes Rädchen ins andere greifen. "Die Jungs müssen erst einmal Vertrauen in ihr Spiel finden. Die Saison ist lang. Das kommt mit der Zeit", sagt Järvenpää.

?Was ist wichtig mit Blick auf den Start am Freitag?

Die Zahl der Verteidiger reduziert sich auf sechs. Huba Sekesi wurde inzwischen operiert und fällt voraussichtlich sechs Wochen aus. Simon Gnyp, der Förderlizenzspieler, wurde für das "Team Peking" nominiert, das beim Deutschland-Cup in Krefeld gegen die A-Nationalmannschaft sowie Lettland antritt.

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