Für Marc El-Sayed ist die Saison 2020/21 beendet. Der Kapitän des EC Bad Nauheim fällt aufgrund einer Herzmuskelentzündung mindestes drei Monate aus. FOTO: CHUC
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Für Marc El-Sayed ist die Saison 2020/21 beendet. Der Kapitän des EC Bad Nauheim fällt aufgrund einer Herzmuskelentzündung mindestes drei Monate aus. FOTO: CHUC

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Nach dem Schock - Wie Marc El-Sayed mit seiner Diagnose umgeht

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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30 Jahre jung, Berufssportler. Bei Marc El-Sayed vom EC Bad Nauheim wurde eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert. Im Interview spricht er über diese Erkrankung, über einen Corona-Test und seine Gefühlslage.

Diagnose: Herzmuskelentzündung. Ein Schock! »Das dauert schon einige Tage, ehe man das verdaut hat«, sagt Marc El-Sayed. Am Wochenende, wenige Tage nach dem 30. Geburtstag des Profi-Sportlers vom EC Bad Nauheim, hatten sich die Befürchtungen bestätigt. Der Stürmer der Roten Teufel zählte - wie er jetzt gegenüber unserer Redaktion einräumt - zu den positiv auf das CoVid 19-Virus getesteten Spielern des Eishockey-Zweitligisten. Ob die Herzmuskelentzündung eine Folge der Infektion ist, diese begünstigt hat, oder ob sich der Kapitän der Kurstädter aufgrund einer verschleppten Grippe die Erkrankung zuvor bereits hatte, ist nicht gesichert nachzuvollziehen. Wie es ihm geht, wie er als Berufssportler mit der Diagnose umgeht und wie die Corona-Pandemie in der Kabine thematisiert wird, erzählt Marc El-Sayed im Interview.

Marc El-Sayed, wie geht es Ihnen?

Den Umständen entsprechend. Ich bin, was die Gefühlslage angeht, noch immer ein bisschen geschockt von der Diagnose.

Sie sind gerade 30 Jahre jung geworden, austrainiert. Hatte sich die Diagnose angedeutet?

Nein. Ich habe körperlich keine Veränderungen gespürt. Auch ging es mir in der zweiten Woche nach dem positiven CoVid 19-Test wieder besser. Wenn der Arzt Grünes Licht gegeben hätte, hätte ich wenige Stunden nach dem kardiologischen Test wieder auf dem Eis gestanden.

Stattdessen sind Sie vermutlich aus allen Wolken gefallen . . .

Ja, absolut. Der Arzt hatte mir noch viel Spaß im Training gewünscht, sofern er sich nicht mehr melde. Und wenn dann der Anruf kommt, dass man doch noch einmal vorbeikommen müsse, rutscht einem das Herz natürlich in die Hose.

Wie haben Sie sich in den letzten Wochen gesundheitlich gefühlt?

Im Dezember hatte ich mich schlecht gefühlt. Bis zum Corona-Test Anfang Januar ging es mir wieder gut. Dann kamen drei bis vier Tage Kopf- und Gliederschmerzen. Einen Tag lang hatte ich Fieber, aber alles im Rahmen. In der zweiten Quarantäne-Woche ging es mir wieder gut. Ja, und dann kam die Überraschung beim Return-to-play-Test.

Im Nachhinein betrachtet, müssen Sie froh sein, dass Sie aufgrund des Return-to-play-Konzepts noch einmal durchgecheckt worden sind . . .

Wenn ich es davor schon hatte, ja. Sonst wäre es wohl nicht so rasch entdeckt worden. Vielleicht ist aber auch eine Folge der Corona-Erkrankung.

Was dürfen Sie, und was dürfen Sie nicht?

Wenn ich Sport treibe, kann es gefährlich werden. Ich darf weder leicht joggen noch mit Gewichten arbeiten, sondern muss strikt Ruhe halten. Klar, ich gehe mal spazieren oder laufe mal eine Treppe hoch - das darf ich auch und sollte ungefährlich sein.

Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Der erste ganz große Schock ist weg. Aber ich muss das erstmal verarbeiten. Momentan fällt es mir nicht schwer, nichts zu tun, weil man das immer im Kopf hat. Ich muss lernen, Vertrauen in den Körper zu bekommen.

Wie sind die Reaktionen und der Kontakt der Mannschaft?

Ich habe viele Anrufe, Nachrichten und Zuspruch bekommen, auch über die sozialen Medien. All das aber ist nicht selbstverständlich, ebenso das Banner mit den Genesungswünschen der Fans beim Heimspiel - all das kommt bei mir an. Dafür möchte ich mich bedanken. Die Jungs in der Kabine waren natürlich auch geschockt. Die machen sich einerseits Gedanken um mich, andererseits auch um sich. Wenn Dinge im direkten Umfeld passieren, beschäftigt man sich doch anders damit. Ich will versuchen, bei den Spielen und auch regelmäßig im Training vorbeizuschauen.

Wenige Tage nach Weihnachten 2020 gab’s bei den Roten Teufel mit Tomas Schmidt den ersten Corona-Fall. Inwiefern wurde das in der Kabine thematisiert?

Man ist schon unruhig. Ich bin ein Freund von Transparenz. Wir haben in der Gruppe darüber gesprochen, uns ausgetauscht und über Konsequenzen unterhalten. Und ich glaube, dass dies dem einzelnen schon geholfen hat. Auch in der sportlichen Leitung hatte man Verständnis, dass wir die Köpfe nicht frei hatten.

Macht man sich Gedanken, wo das Virus übertragen wurde?

Nein, eher nicht. Ob’s vom Sport kommt, oder doch aus Alltagssituationen heraus, wird sich nicht herausfinden lassen. Im Trainings- und Spielbetrieb wird viel getestet, aber Eishockey ist eben auch eine Kontaktsportart. Ich glaube, es gibt keine Mannschaft, in der nach einem positiven Test wirklich nur ein einzelner Spieler betroffen ist.

Junge Menschen seien oft nicht so hart betroffen wie ältere, ist immer wieder zu hören. Was entgegnen Sie diesen Menschen?

Zum größten Teil haben jüngere Menschen vielleicht mildere Verläufe. Treffen kann es aber jeden. Im Zusammenhang mit dem Sport appelliere ich, auf den Körper zu hören. Das Return-to-play-Konzept mit all seinen Untersuchungen hat seinen Sinn. Ich bin dankbar, dass dies umgesetzt wird - und in Bad Nauheim noch über das vereinbarte Procedere hinaus; nicht nur im Interesse des Sportlers, sondern im Sinne des Menschen. Hier in Bad Nauheim wird das Thema Corona gewiss nichts unterschätzt.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich bin regelmäßig in der Uniklinik Gießen, um meine Werte kontrollieren zu lassen. Eine medikamentöse Behandlung gibt es nicht. Ich muss Ruhe halten, damit sich der Muskel regenerieren kann. Eine Sportpause von drei Monaten ist hier ein Richtwert.

Das ist gleichbedeutend mit dem Saisonende.

Ja, die Saison habe ich abgehakt. Mit den Gedanken im Kopf nach der Diagnose rückt der Sport auch erstmal in den Hintergrund.

Eine Herzmuskelerkrankung ist für einen Profisportler anders als eine knöcherne Verletzung schwer greifbar.

Ja. Ein Knochen heilt nach einigen Wochen wieder. Bei dieser Geschichte ist aber auch der Kopf betroffen. Man muss wieder Vertrauen gewinnen. Was geht? Was geht nicht? Die Genesungschancen sind groß, sofern man sich an die Vorgaben hält. Das werde ich tun. Die Beispiele von Jannik Möser und Jere Laaksonen (die DEL- und DEL2-Profis haben kürzlich nach Herzmuskelentzündung ihr Comeback gefeiert/Anm. d. Red.) stimmen mich zuversichtlich.

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