EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Lücken im Stadion

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Unter 2000 Zuschauer. Schon wieder. Zum fünften Mal in Folge. Der EC Bad Nauheim hatte seit dem DEL2-Aufstieg in den ersten Herbst-Wochen nie weniger Fans im Stadion. Eine Ursachenforschung.

In der Summe 14 093 Zuschauer haben die ersten sieben Heimspiele des EC Bad Nauheim gesehen. Das entspricht einem Schnitt von 2013 Fans ("geschönt" durch das Derby mit Kassel). Der Liga-Durchschnitt liegt um die 2300 Zuschauer. Die Gründe für diese negative Entwicklung der Roten Teufel im sechsten Winter nach dem Aufstieg in die Deutsche Eishockey-Liga 2 sind vielschichtig.

Namen wie Christof Kreutzer (einst DEL-Trainer des Jahres), Jonathan Boutin (dreifacher DEL2-Torwart des Jahres) und Dustin Sylvester, dem das Potenzial zu einem der besten Kontingentspieler der Liga nachgesagt wurde, hatten in Kombination mit Rang fünf in der Vorsaison eine Erwartungshaltung geweckt, die – und dafür musste man kein Prophet sein – einfach nicht erfüllt werden konnte. Dass erst ein Marcel Brandt die Monate Februar und März einer bis dahin durchschnittlichen Vorsaison zu denen gemacht hatte, die sie waren, und dass er als Ex-Nationalspieler nicht zu ersetzen ist, hatten viele dabei vergessen.

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Dass der lange, heiße Sommer den Beginn der sportlichen Eiszeit verdrängt, spielt ebenso eine Rolle wie die zunehmende Bedeutung von SpradeTV, dem Internetportal, das die Spiele für kleines Geld ins Wohnzimmer transportiert. Durchschnittlich 550 User zahlen inzwischen für ein Heimspiel (im Vorjahr: 400).

Dass bei den Spielen der Roten Teufel, die obendrein mit drei Niederlagen aus vier Spielen gestartet sind, der Spaßfaktor fehlte, dürfte das wesentliche Kriterium sein. Erst am Sechs-Punkte-Wochenende mit den Siegen in Frankfurt und gegen Ravensburg ist der Funke über die komplette Partie hinweg so richtig übergesprungen. Ansonsten gab’s - bei allem Engagement - auch viel Leerlauf.

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Trotz der Entwicklung: Im Kurpark ist’s (noch) außergewöhnlich ruhig. Und das hat einen guten Grund. Die offizielle Zuschauerzahl sowie die Zahl der tatsächlich verkauften Tickets differiert. Beim Lausitz-Heimspiel Anfang Oktober, das sagt Tim Talhoff, der beim EC Bad Nauheim das Ticketing verantwortet, hatten 400 Zuschauer Karten, waren aber gar nicht im Stadion. "Das war sicherlich zu einem großen Teil den Ferien geschuldet", sagt Talhoff, der noch eine weitere interessante Zahl preisgibt.

Demnach sind durchschnittlich selbst zehn Prozent der Tageskartenkäufer nicht bei den Spielen. Eine Prozentzahl, die sich mit den Erfahrungen von Ticketpartner Eventim decke. "Die DEL 2-Bestimmungen sehen vor, nur die tatsächliche Zuschauerzahl zu melden. Bislang hatten wir aber kein Spiel mit weniger als 2000 zugelassenen Karten", sagt Talhoff. Zu den rund 800 Dauerkarten kommen Tickets für Werbepartner und den Jugendverein, was sich auf rund 1100 Karten summiert.

Überraschen mag die zweistellige Zahl der "No shows" der Tageskartenkäufer. Gerade, da in dieser Saison auch erhöhte Abendkassenpreise und auch Print@Home-Gebühren gerne diskutiert werden. 1,50 Euro werden bei einer Online-Buchung aufgeschlagen. Dafür lassen sich die Tickets bequem zu Hause ausdrucken. Der Bundesgerichtshof hatte im August entschieden, dass die Servicegebühr für die Option "ticketdirect" unzulässig ist. In einer Stellungnahme von der CTS Eventim Sports GmbH heißt es dazu: "Die Angebote der CTS Eventim Sports GmbH, wie etwa der Betrieb von Onlineshops im Auftrag von Sportvereinen, war nicht Gegenstand des Verfahrens. Insofern kommt das BGH-Urteil hier nicht zum Tragen." Man werde die Urteilsbegründung abwarten und prüfen, ob die aktuelle Rechtssprechung Änderungen nach sich zieht, heißt es weiter.

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