Aus dem Kampf um den Puck wird ein Kampf ums Überleben: Während die Teilnahme an der DEL 2-Saison für Marc El-Sayed (r.) und den EC Bad Nauheim gesichert ist, müssen die Bietigheim Steelers um Lukas Laub (M.) zittern. FOTO: CHUC

Eishockey

EC Bad Nauheim: Lizenz erteilt - Startrecht für Schwergewicht verweigert

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
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Das kommt überraschend: Eigentlich haben die Bietigheim Steelers in Richtung DEL geschaut, nun müssen sie in ihrer sportlichen Heimat um die Lizenz bangen. Das Startrecht für die kommende DEL 2-Saison ist vorerst nicht erteilt. Beim EC Bad Nauheim zeigt der Daumen dagegen nach oben.

Paukenschlag in der Deutschen Eishockey-Liga 2, die gute Nachricht aber vorneweg: Der EC Bad Nauheim hat die Lizenz für die Teilnahme an der Saison 2020/21 in der DEL 2 bekommen. "Wir haben die Lizenz ohne gesonderten Auflagen erhalten", sagte EC-Geschäftsführer Andreas Ortwein am Mittwochmittag. In Zeiten der Coronavirus-Krise ist dies ein starkes Signal für den Eishockey-Standort Bad Nauheim.

Dass die Pandemie für den ein oder anderen Klub durch den Abbruch der vergangenen Saison und dem ungewissen Start in die neue Spielzeit existenzbedrohend sein könne, war immer wieder betont worden. Kaum einer hat aber damit gerechnet, dass mit den Bietigheim Steelers ausgerechnet ein Schwergewicht der DEL 2 ins Schlingern gerät. "Die Lizenz für die Bietigheim Steelers musste durch den Aufsichtsrat mit einstimmigem Beschluss verweigert werden. Die gemäß Lizenzordnung geforderte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit konnte bis zum Abschluss und innerhalb der vorgegeben Fristen des Lizenzprüfungsverfahrens durch den Klub nicht nachgewiesen werden. Den Bietigheim Steelers steht wegen der Verweigerung der Lizenz der Rechtsweg vor das DEL-Schiedsgericht frei", schrieb das Ligabüro am Mittwochvormittag in einer Pressemitteilung. 13 von 14 Klubs wurde die Lizenz erteilt.

DEL-Bürgschaft als Rettungsanker?

Das Verrückte: Noch im Mai inspizierte die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) und deren TV-Produktionsgesellschaft den Standort Bietigheim, um ihn auf die Erstliga-Tauglichkeit zu überprüfen. Die Steelers waren neben den Löwen Frankfurt und den Kassel Huskies einer von drei Zweitliga-Klubs, die ihre Lizenzunterlagen als möglicher Aufsteiger bei der DEL für die Saison 2021/22 einreichten.

Erstmals seit der Saison 2005/06 wird es wieder Auf- und Absteiger zwischen dem Ober- und Unterhaus geben. Die von der DEL geforderte Bürgschaft in Höhe von 816 000 Euro habe ein privater Gönner für den viermaligen Zweitliga-Meister hinterlegt, hieß es im Mai. Für die DEL 2 braucht es im Übrigen "nur" eine Bürgschaft von 25 000 Euro, um am Lizenzprüfungsverfahren teilnehmen zu können. "In diesen schwierigen Zeiten ohne Planungssicherheit eine Saison zu planen und die Unterlagen zur DEL 2 Lizenzprüfung vorzubereiten, war eine Herausforderung", ließ sich Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch nach Einreichung der Unterlagen vor wenigen Wochen auf der Homepage des Vereins zitieren. Die Entscheidung der DEL 2 verwandelt seine stolzen Worte in bittere Ironie.

Laut Stellungnahme der Steelers am Nachmittag sei die Anforderung vom 24. Juni, "200 000 Euro Kapital oder Darlehen mit Rangrücktritt erbringen zu müssen", der Knackpunkt. Am 7. Juli sollte nach Vereinsangaben eine außerordentlichen Aufsichtsratssitzung über die Unterstützung eines "großen Bietigheimer Unternehmens" entscheiden. Weil man den Lizenzausschuss darüber informiert habe, sei man somit von einer Fristverlängerung ausgegangen, die die Liga aber nicht gewährte. 

Offenbar war der Aderlass bei den Sponsoren im Rahmen der Coronavirus-Krise doch größer als vermutet, zudem drücken 650 000 Euro Altlasten (von ursprünglich 1,3 Millionen Euro) die Wirtschaftskraft des Vereins. Die Steelers hoffen nun auf die Entscheidung des Schiedsgerichts, um im zweiten Anlauf an die Lizenz zu kommen. 

Eine weitere Möglichkeit, aus der Bredouille zu kommen: Die DEL-Bürgschaft umwandeln. Dazu müsste der Gönner aber bereit sein und die Ligen ihre Zustimmungen geben. Gleichzeitig würde es bedeuten, dass man auf einen möglichen Aufstieg in die DEL verzichtet. Dass erscheint allerdings derzeit als geringstes Übel.

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