EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: In der Liga weht ein anderer Wind

  • Michael Nickolaus
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Der EC Bad Nauheim ist mit einem Null-Punkte-Wochenende in die Deutsche Eishockey-Liga 2 gestartet. Diskutiert wird vor allem über die Torwart-Position und die Über- und Unterzahl-Formationen.

Kassel. Das Derby. Ein Spiel, das man schon mal verlieren kann. Auch zu Hause, keine Frage. Eine Niederlage in Kaufbeuren kommt ebenfalls nicht überraschend. Seit dreieinhalb Jahren haben die Roten Teufel dort schließlich nicht mehr gewonnen. Die Huskies wie auch die Buron Joker aus dem Allgäu zählen zudem bekanntlich zu den Top-Sechs-Kandidaten. Das Null-Punkte-Wochenende des EC Bad Nauheim zeigt: In der Deutschen Eishockey-Liga 2 weht ein anderer Wind als in der Vorbereitung. Und inmitten der Saison wären die Niederlagen vielleicht rasch abgehakt worden. Jetzt, in der Freude auf den Saisonstart, wird den Spielen aber eine erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt, wird noch genau hingeschaut. Dabei im Fokus: Jonathan Boutin, der Torwart, dem es mit Schuhgröße 48 im übertragenen Sinne noch nicht gelungen ist, in die Fußstapfen von Felix Bick zu treten.

"Ich denke, jeder weiß, was Jonathan Boutin kann. Noch hat er seine Stärken, so wie wir uns das wünschen, nicht zeigen können", sagt Christof Kreutzer, der Trainer. Boutin wirkt aktuell verunsichert. Er hält keine sogenannten Unhaltbaren, um die Defizite der Vorderleute auszubügeln und Sicherheit zu geben. Obendrein kassiert er noch vermeintlich Haltbare und macht oftmals eine recht unglückliche Figur. Die Torwart-Position als erste Baustelle war nicht zu prognostizieren; eine sensible Personalie, die von Kreutzer viel Fingerspitzengefühl erfordert. Käme ein (kurzfristiger?) Torwart-Tausch angesichts der klaren Rollenverteilung zu einem solch frühen Zeitpunkt einer Demontage gleich? Oder muss angesichts der Eindrücke rasch reagiert werden? Boutin war seit Januar zumeist Zuschauer, ihm fehlt die Spielpraxis. Dies ist im Falle seines Stellvertreters allerdings nicht anders. Die komplette Vorsaison hatte Jan Guryca aufgrund seiner Knieverletzung verpasst und nun nur zwei Testspiele gegen unterklassige Klubs bestritten.

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Der Fehlgriff von Boutin hatte am Sonntag in Kaufbeuren die Entscheidung eingeleitet. Von einem Schlenzer aus der neutraler Zone ließ sich der Schlussmann düpieren. Bad Nauheim hatte in Überzahl auf dem Eis gestanden: 3:4 statt 4:3 hieß es aus Sicht der Roten Teufel, die Sekunden später - noch immer mit einem Mann mehr - gar ein Break zum 3:5 zuließen, was selbst im Twitter-Account des Zweitligisten für Konfusion gesorgt hatte. "Bad Nauheim nach einem verkorksten Powerplay wieder komplett" war da zu lesen. Mit einem Spieler mehr hatte das Team wahrlich einen Eindruck der numerischen Unterlegenheit hinterlassen.

EC Bad Nauheim: Über- und Unterzahlspiel als Baustelle

Die Niederlage dem Torwart in die Schuhe zu schieben, ist allerdings unangebracht und ungerechtfertigt. Fehler haben auch andere gemacht; auch Schlüsselspieler, wie beispielsweise Mike Dalhuisen vor dem 1:1-Ausgleich, als er zu lässig den Puck aus dem eigenen Drittel zu chippen versuchte. Andere wiederum hat man im Spiel überhaupt nicht wahrgenommen. Cody Sylvester beispielsweise. Am Freitag noch schmerzlich als Gestalter und Vollstrecker vermisst, war der Vorjahres-Topscorer am Sonntag quasi untergetaucht, und das gleich zusammen mit seinem Bruder Dustin. Der Reihe um Mittelstürmer Max Hadraschek fehlte damit in der Offensive die Entlastung. "Kaufbeuren war an diesem Abend schlagbar. Allerdings sind Dinge passiert, die einfach nicht passieren dürfen", sagt Kreutzer rückblickend.

Wie schon im Heimspiel am Freitag gegen Kassel waren die Roten Teufel auch zwei Tage später in Kaufbeuren zu Beginn erstmal mächtig unter Druck geraten. Das war man aus der Vorbereitung gegen vorwiegend unterklassige Klubs in dieser Weise überhaupt nicht gewohnt.

Die zweite größere Baustelle: das Über- und Unterzahl; letztlich ein Knackpunkt in beiden Spielen. Gleich neun Stürmer hatte Kreutzer am Wochenende in seine beiden Powerplay-Reihen gestellt. Vier Gegentore in neun Unterzahl-Situationen haben die Roten Teufel bekommen, nur einen Treffer bei acht Powerplay-Möglichkeiten selbst erzielt. "Die Special-Teams können eine Waffe sein. Unsere Gegner haben das unterstrichen. Da werden wir in dieser Woche ansetzen", sagt Kreutzer.

Dass im Derby Daniel Ketter (33) plötzlich mit Nicklas Mannes (20), Nicolas Strodel (19) und Marvin Ratmann (19), seinen jüngsten Mitspielern, als Unterzahl-Quartett auf dem Eis gestanden hatte, war durchaus gewollt, sagt Kreutzer. Das beweist Mut und Vertrauen in die jungen Spieler. "Natürlich ist da auch mal Lehrgeld zu zahlen. Aber die Jungs werden durch diese schwierigen Phasen lernen", sagt Kreutzer, der auch in Düsseldorf personell vergleichbar taktiert hatte.

Mit Dresdener Eislöwen im Duell der Fehlstarter

Am Freitag kommen die Dresdner Eislöwen nach Bad Nauheim; der zweite prominente Null-Punkte-Fehlstarter (1:8 in Ravensburg/3:6 gegen Heilbronn). Und wieder werden die Fans, die ihre Mannschaft am Freitag in bemerkenswerter Art und Weise unterstützt und nach der Niederlage noch einmal zurück auf das Eis "gesungen" haben, ganz genau hinschauen.

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