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Chance vertan: Manuel Strodel kann den Puck nicht über die Linie bringen. Im letzten Test unterliegt der EC Bad Nauheim dem EV Landshut mit 4:5 nach Verlängerung.

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EC Bad Nauheim: Was läuft gut? Wo klemmt’s? - Die Testspiel-Analyse

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Am Freitag startet der EC Bad Nauheim in die DEL 2-Saison 2019/20. Was läuft gut? Wo klemmt’s? Und was wird sich vor ersten Spiel noch tun? Die Vorbereitung im WZ-Check.

Ein Turniersieg, enge Duell mit direkten Konkurrenten aus der DEL2 und ein Highlight mit dem Heimspiel gegen DEL-Partner Köln. Die Saisonvorbereitung des EC Bad Nauheim hat viele Facetten geboten. Was läuft gut? Wo gibt es Baustellen? Der WZ-Check vorm Auftakt am Freitag gegen Bietigheim.

Welche Aussagekraft haben die Testspiele?

Die nackten Zahlen: neun Spiele, vier Siege, fünf Niederlagen, 37:32 Tore. Die Pflichtaufgaben gegen den Oberligisten Herne wurden gelöst (6:3/7:1), das Duell mit DEL-Partner Köln (2:4) hatte die Mannschaft erkennbar angestachelt, der Vergleich mit dem österreichischen Klub Dornbirn (3:4) hat rückblickend keine Aussagekraft. Und die insgesamt fünf Vergleiche mit vier DEL 2-Konkurrenten (Crimmitschau, Bayreuth, Freiburg, Landshut) haben gezeigt: Die Liga ist wohl so ausgeglichen wie nie besetzt. Alle fünf Spiele wurden durch lediglich einen Treffer Differenz entschieden.

Wie haben sich die Neuzugänge bislang präsentiert?

Bislang haben für die Roten Teufel gegenüber dem Vorjahr gleich 13 neue Spieler auf dem Eis gestanden; acht Neuzugänge und fünf Förderlizenzspieler. Der Pechvogel heißt Aaron Reinig. Der Deutsch-Amerikaner hatte seine Qualitäten angedeutet, fällt aufgrund einer Kreuzbandverletzung aber bis Saisonende aus. Als zweiter Neuer in der Abwehr konnte der 18-jährige Niklas Heyer in seinen ersten Spielen im Profi-Bereich die Erwartungen an ihn erfüllen, mit klaren Aktionen, ohne Scheu. Einen positiven Eindruck hinterlässt auch Jesper Kokkila; die meist diskutierte Personalie. Der 20-jährige Finne löst beständig und sicher seine Defensivaufgabe, ist zweikampfstark, beweglich und hält die blaue Linie im Powerplay.

Vorne wird in erster Linie auf Tyler Fiddler geschaut; einen soliden, cleveren Handwerker, ohne Fehler, ohne Schnörkel; bislang aber auch ohne die an seine Kontingentstelle geknüpften Ausstrahlung und den Scoring-Touch. Erinnert sei an das Vorjahr: ein Dustin Sylvester ist er nach der Länderspielpause im November aufgeblüht. "Tyler ist ein kompletter Spieler, der seinen Fokus auch auf der Defensive hat. An ihm werden wir nch Freude haben", ist Trainer Christof Kreutzer überzeugt. Einen guten Eindruck hinterlässt Marc El-Sayed, trotz ungewohnter Rolle (vordere Reihe/Powerplay) und Verantwortung als Kapitän. Im dessen Schatten steht noch Manuel Strodel, der Geschwindigkeit ins Spiel bringt, allerdings noch nicht die Akzente setzt, die man sich aufgrund seiner vielen DEL-Jahre erhofft hatte. Huba Sekesi, der nahezu eine komplette Saison pausiert hatte, kommt zunehmend besser in seinen Rhythmus, hat wie auch der anfangs glücklose Andreas Pauli viermal getroffen.

Seit der zweiten Trainingswoche dabei: ein Torwart, ein Verteidiger und ein Stürmer-Trio aus Köln - eine Bereicherung, eine Aufwertung. Bastian Kucis hat angedeutet, mehr als ein klassischer DEL 2-Backup sein zu können. In der Abwehr spielt Simon Gnyp, der am Dienstag seinen 18. Geburtstag feiert und dann sein Helmgitter abschrauben kann, einen überraschend unerschrockenen Part, schaltet sich sogar offensiv immer wieder ein. Erik Betzold, Nicolas Cornett - zuletzt zwei Kontingentspielern zur Seite gestellt - und Dani Bindels (zuletzt verletzt/verfügt über die meiste DEL2-Erfahrung) geben dem Kader Tiefe und schaffen Konkurrenzdruck. Mit allen fünf Kölnern ist zum Saisonstart in Bad Nauheim zu rechnen.

Was läuft gut?

Kreutzer gibt in dieser Fragestellung einen Einblick in das Innenleben. "Die Jungs sind charakterstark, willig und haben eine hohe Moral", sagt der Trainer. Man habe die Vorbereitung "hart gearbeitet", denn wir werden in dieser Saison "nicht alles spielerisch lösen können, sondern müssen über den Willen kommen." Die Jung-Profis aus Köln sind mehr als nur Ergänzungsspieler. Die Mannschaft ist jünger, spitziger, energiegeladener und in der aktuellen Besetzung deutlich ausgeglichener besetzt als der Kader des Vorjahres. Angesichts der Breite hat keiner seinen Platz sicher. Allerdings: Bei jungen Spielern müssen Leistungsschwankungen und eine erhöhte Fehlerquote einkalkuliert werden. Beide Torleute haben mit guten Leistungen überzeugen können.

Wo klemmt’s?

Die Generalprobe hat reichlich Baustellen aufgezeigt. Hier die Position verlassen, dort zu weit weg vom Gegenspieler, auskontern lassen. Dem einen oder anderen fehlte im nun neunten Test am Sonntag die nötige Bereitschaft und Konzentration. Die Defensive ist eine Baustelle; erst recht, da nach Aaron Reinig am Sonntag auch Daniel Ketter und Daniel Stiefenhofer die Partie verletzungsbedingt nicht hatten beenden können und somit nur vier Verteidiger zur Verfügung gestanden haben. In der Schlussphase hatte Huba Sekesi defensiv ausgeholfen. Insgesamt ist die Zahl der individuellen Fehler zu hoch; unabhängig ob jung oder alt. "Klar ist: Hier müssen wir noch Qualität dazubekommen", sagt Kreutzer. Nach vorne wird zu oft die Abstimmung vermisst. Ansätze verpuffen, Lösungen fehlen. Das Spiel wirkt noch recht unrund, nicht harmonisch. "Mit dem Aufbau bin ich zufrieden, sofern alle bereit sind, mitziehen und unterstützen, wie dies beispielsweise gegen Köln der Fall war", sagt Kreutzer.

Was wird sich bis Freitag noch tun?

Pro forma werden zwei Torleute lizenziert werden, um im Falle eines Ausfalls von Felix Bick oder Bastian Kucis reagieren zu können. Zum einen Pierluigi Capo (eigener Nachwuchs), zum anderen David Böttcher (DNL-Team Köln). Die Frage nach dem Umgang mit der Abwehr- und Verletzungsproblematik bietet mehrere Lösungsansätze. Ob Ketter und/oder Stiefenhofer ausfallen (und wie lange) ist offen. Denkbar ist weitere Unterstützung aus Köln, Colin Ugbekile wäre ein Kandidat, ebenso könnte bis Freitag noch ein Neuzugang verpflichtet werden. Mike Card beispielsweise hatte schon in der vergangenen Woche mittrainiert. Er hatte allerdings die komplette Vorsaison verpasst.

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