Ex-Teufel Geoff Ward - im grauen Anzug - ist Cheftrainer der Calgary Flames in der National Hockey League. FOTO: IMAGO
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Ex-Teufel Geoff Ward - im grauen Anzug - ist Cheftrainer der Calgary Flames in der National Hockey League. FOTO: IMAGO

EC bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Ex-Teufel in den NHL-Playoffs

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Geoff Ward wurde in der Eishockey-Saison 2000/01 beim EC Bad Nauheim als Trainer entlassen. Jetzt führt der Kanadier als Chef-Coach die Calgary Flames in der NHL durch die Playoffs.

Andrea Carpano, der National-Torwart von Italien, stand in dieser Zeit bei den Roten Teufeln zwischen den Pfosten; allerdings außer Form. Vor ihm leitete Marco Rentzsch Leute wie Christoph Decker und Marek Sebek an, junge und gepriesene Talente von denen man später nie mehr etwas hören sollte. Und ganz vorne versprühten Marc West und Dino Felicetti nicht den Glanz vergangener Jahre, aus wirtschaftlichen Gründe ließ man sie ziehen. Die Eishockey-Saison 2000/01 endete für den EC Bad Nauheim schließlich mit dem sportlichem Abstieg aus der 2. Bundesliga, mit Kompetenzgerangel zwischen dem Vorsitzenden Peter Weissermel und Manager Jörg Hiemer sowie finanziellen Sorgen. Geoff Ward war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.

Nach nur 16 Pflichtspielen - und damit so früh wie nur wenige andere Trainer, mit denen die Roten Teufel je in die Saison gestartet waren - wurde der Kanadier entlassen. Mit Mannheim feierte Ward Jahre später den Titelgewinn in der Deutschen Eishockey-Liga (2015). Der heute 58-Jährige gewann als Assistenz-Coach mit den Boston Bruins den Stanley-Cup (2011) und führte aktuell als Chef-Trainer die Calgary Flames durch die Playoffs der National Hockey League, die am Wochenende ihren Spielbetrieb wieder aufgenommen hat.

Rückblick: Im Frühjahr 2000 hatte Trainer Harold Kreis, der zuvor mit Bad Nauheim überraschend das Playoff-Halbfinale erreicht hatte, seine DEL-Ausstiegsklausel gezogen. Auf den Ex-Nationalspieler folgte bei den Roten Teufeln mit Geoff Ward ein No-Name. In der Ontario Hockey-League, einer Nachwuchs-Liga, hatte der 38-Jährige bis dato gecoacht, in Arkansas zumindest einen Winter lang Profis in der drittklassigen East Coach Hockey League angeleitet. Ward kam, ohne die Liga, die Spieler, das Umfeld der Roten Teufel oder die Sprache zu kennen. Mit einer bewundernswerten Loyalität begnete der Kanadier den Zwängen in Bad Nauheim. Er vertraute der Kaderzusammenstellung von Manager Hiemer, er akzeptierte klaglos das abermals gekürzte Budget, forderte nie, verteidigte seine Vorgesetzten und verfolgte einen langfristigen Plan.

Nach nur 111 Tagen wurde dem Trainer aber gekündigt. Nach 16 Spieltagen und einer peinlichen Darbietung beim 4:12 zuhause gegen den SC Bietigheim-Bissingen. Nur fünf Partien hatten die Roten Teufel gewonnen. Die Mannschaft belegte den vorletzten Platz. Das Stadion war leer gespielt. Die Analysen Wards glichen längst Durchhalteparolen. "Wir können nicht mit jeder Partie leben oder starben, sondern müssen einen langfristigen Plan verfolgen. Ein schlechtes Spiel darf nicht zerstören, was wir uns gerade hier ausbauen", hatte der Kanadier immer wieder betont. Der Faktor Zeit blieb ihm im deutschen Profi-Eishockey anders als in seiner Rolle als Entwickler im nordamerkanischen Junioren-Betrieb allerdings nicht. Seine Entlassung registrierte er entsprechend mit Unverständnis. "Ich dachte, ich sei geholt worden, um eine Mannschaft zu formen, die im März und April ihre Spiele gewinnen, nicht im Oktober und November."

Ward zog es zurück nach Nordamerika. Er reifte als Trainer in der zweitklassigen American Hockey League, wurde 2003 als Trainer des Jahres ausgezeichnet und wagte abermals den Wechsel nach Deutschland. In Iserlohn coachte er 2006/07 und erhielt im Anschluss die Offerte, als Assistenz im Trainerstab von NHL-Klub Bosten Bruins mitzuwirken. Nach sieben Jahren und dem Titelgewinn 2011 zog es Ward zum dritten Mal nach Deutschland, diesmal zu den Adler Mannheim. Er führte die Kurpfälzer zum DEL-Titel, wirkte bei Weltmeisterschaften im Trainerstab des Deutschen Eishockey-Bundes mit und wechselte als Assistent zu den New Jersey Devils. Im November 2019 stieg Ward, inzwischen vierfacher Familienvater, bei den Calgary Flames vom Co- zum Chef-Trainer auf.

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