EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Mit Euphorie und Geschlossenheit

  • Michael Nickolaus
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Die Erwartungen sind groß. Mit Platz fünf in der Vorsaison und der Verpflichtung von Christof Kreutzer als Trainer hat der EC Bad Nauheim Schlagzeilen geschrieben. Die Playoffs sind ist das erneute Ziel.

Die Roten Teufel planen auf dem Level der beiden Vorjahre. Mit einem 2,5 Millionen Euro Budget (rund 930 000 Euro stehen für den Kader samt Trainer und Betreuer zur Verfügung) und rund 2500 Zuschauern (bei über 800 Dauerkarten; Sponsoren-Tickets nicht mitgezählt). 13 Spieler, die in der Vorsaison so unglücklich im Viertelfinale gescheitert waren (drei Overtime-Niederlagen beim Serien-1:4 gegen Kaufbeuren) sind geblieben. Die Team-Hierarchie wird sich dennoch verändern. Persönlichkeiten wie Harry Lange (jetzt Co-Trainer) oder auch Dusan Frosch (Rosenheim) stehen nicht mehr auf dem Eis, Rückhalt Felix Bick, Marius Erk, Dominik Meisinger (alle Frankfurt) und Andreas Pauli (Bad Tölz) sind nicht mehr dabei. Dafür wurden neben aufstrebenden jungen Spielern wie Max Hadraschek, Marcel Kahle und Andrej Bires erfahrene Kontingentspieler wie Dustin Sylvester, Mike Dalhuisen oder auch Jonathan Boutin verpflichtet.

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"Wichtig ist es, zu einem Team zu werden. In unserer Position, als Standort Bad Nauheim, geht es nur über Geschlossenheit. Dazu gehören Mannschaft, Umfeld und natürlich die Fans. Unsere Aufgabe ist, das Publikum mitzunehmen, es zu begeistern", sagt Kreutzer, der Petri Kujala (vier Jahre bei den Teufeln) sportlich beerbt und dessen Verpflichtung aufgrund seiner Vita mit einer hohen Erwartungshaltung verbunden ist. Kreutzers Spielidee: "Hinten kompakt, hart arbeitend, vorne einfach, gradlinig, mit den Freiheiten, die technischen Fähigkeiten auszuspielen."

Tor: Die neue Nummer eins ist Jonathan Boutin. "Ich habe die DEL2 einst als einer der besten Torhüter verlassen. Und so möchte ich auch zurückkehren", sagt der 33-Jährige, der im Vorjahr beim DEL-Klub Augsburg nicht mehr glücklich geworden war. Mit dem dreifachen Zweitliga-Torwart des Jahres sollten die Roten Teufel den Abgang von Felix Bick (Frankfurt) kompensiert haben. Wieder auf dem Eis steht Jan Guryca, der die komplette Vorsaison aufgrund einer Kreuzbandverletzung verpasst hatte und quasi als ein Neuzugang einzuordnen ist. In der Hinterhand hat man Nils Flemming und Förderlizenzler Hendrik Hane.

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Abwehr: Ex-Nationalspieler Marcel Brandt, der den Roten Teufeln in den letzten acht Wochen der Saison seinen Stempel aufgedrückt hatte, ist nicht zu ersetzen. Das ist klar. Mit Mike Dalhuisen hat Kreuzer der Defensive einen gewisse exotischen Anstrich verliehen. Den breitschultrigen Niederländer hat man offenbar aufgrund seiner Staatsangehörigkeit als Eishockey-Funktionär nicht so recht auf dem Schirm. "Ich bin von ihm überzeugt", sagt Kreutzer über Dalhuisen, der das Eishockey-ABC in Nordamerika erlernt hat und zuletzt in Russland unter Vertrag stand. Verlängert wurde mit dem unverwüstlichen Steve Slaton, Daniel Stiefenhofer, Jannick Woidtke (angesichts seiner Verletzung im Januar fast schon ein Neuzugang) sowie Daniel Ketter, dem letzten noch verbliebenen Spieler aus der Oberliga-Meistermannschaft von 2013. In die Fußstapfen von Marius Erk (Frankfurt) soll Eigengewächs Garret Pruden treten. Der hatte bereits als 15-Jähriger Zweitliga-Luft schnuppert und ist nach Weiterbildungsjahren in Köln nun fester Bestand im DEL2-Kader. "Er bringt viel Potenzial mit. Das wollen wir nun auch auf dem Eis sehen", sagt Kreutzer. Inwiefern Nicklas Mannes, der als Förderlizenzspieler einen sehr stabilen Part gespielt hatte, wieder zur Verfügung steht, kann nur spekuliert werden. Eigengewächs Jan Wächtershäuser darf hineinschnuppern. Ein längerfristiger Ausfall dürfte in dieser Besetzung nicht zu kompensieren sein.

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Angriff: Der Top-Scorer blieb – und er brachte diesmal auch seinen Bruder mit in die Wetterau. Die Roten Teufel haben die Sylvester-Brüder Cody und Dustin wiedervereint. Die dritte Kontingentstelle im Angriff besetzt unverändert James Livingston. In der Saison 2016/17 hatten die drei Kanadier noch gemeinsam bei den Dornbirn Bulls in der EBEL unter Vertrag gestanden. "Dustin Sylvester wird die Qualität der Offensive steigern. Er hat den unbedingten Willen und könnte einer der besten DEL2-Spieler sein", ist Kreuzer überzeugt. Das ein oder andere Sylvester-Testspiel-Feuerwerk unterstreicht das. Ziehen ließ man dafür Mike McNamee (Dänemark). Mit Harry Lange (künftig Assistenztrainer), Dusan Frosch (Rosenheim) und Andreas Pauli (Bad Tölz) haben drei prägende Rote Teufel die Wetterau verlassen, auch Dominik Meisinger (Frankfurt) ist nicht mehr dabei. In ihre Fußstapfen treten – mit reichlich Scoring-Qualitäten aus der Oberliga – Maximilian Hadraschek und Andrej Bires. Zudem soll Marcel Kahle nach seiner verletzungsbedingten Pause wieder an die DEL herangeführt werden. "Alle drei wollen den nächsten Schritt machen und können wir eine Überraschung gut sein. Natürlich würden wir uns wünschen, wenn alle drei Jungs den Sprung schaffen", sagt Kreutzer. Der seit Dezember fehlende Max Brandl gilt als halber Neuzugang. Geblieben sind Radek Krestan, Dennis Reimer, Nico Kolb und Marvin Ratmann. Die Überraschung in der Vorbereitung: Nicolas Strodel. Der Tryout-Spieler aus dem U20-Nationalkader hatte schnell überzeugen können und wurde unter Vertrag genommen. Ob Leon Niederberger (es wäre sein viertes Förderlizenzjahr) und Stefan Reiter aus Düsseldorf zur Verfügung stehen, ist offen.

Fazit: Der EC Bad Nauheim zählt zweifellos zu den Top-Ten-Kandidaten. Ob es am Ende erneut zu einer direkten Playoff-Qualifikation, bleibt abzuwarten. In der Vorsaison hatte Ex-Nationalspieler Marcel Brandt den Roten Teufel nach durchwachsener Saison den nötigen Kick für das letzte Hauptrundenviertel gegeben.

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