EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim vor »14 Endspielen«

  • Michael Nickolaus
    VonMichael Nickolaus
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Der Rückstand bleibt unverändert. Doch die Zahl der Spiele, um den Abstand zu verkürzen und Platz zehn der Deutschen Eishockey-Liga 2 doch noch einzunehmen, wird für den EC Bad Nauheim immer kleiner. Dazu kommt die aktuelle (Ergebnis-)Krise.

Sechs Punkte fehlen den Roten Teufeln alleine schon, um mit Freiburg gleichzuziehen (bei zwei bereits mehr absolvierten Spielen) - und gerade einmal sechs Zähler beträgt aktuell die Ausbeute der vergangenen sechs Partien. Das ist zu wenig! »Ja, ganz nüchtern betrachtet reicht das nicht, wenn man aufholen will«, sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer. Was ihm Mut macht: »Der Geist in der Mannschaft, die Moral und die Stabilität haben sich nach unseren personellen Veränderungen gegenüber vielen Spielen im Dezember positiv verändert.« Es seien auch in Kaufbeuren einmal mehr die berühmten Kleinigkeiten gewesen. »Vorne lassen wir zu viele Chancen liegen. Hinten werden Fehler sofort bestraft.« Ortwein spricht mit Blick auf das letzte Saisonviertel von »14 Endspielen, in denen man es noch immer in den eigenen Händen habe«; beginnend mit dem heutigen Heimspiel gegen Schlusslicht Crimmitschau (19.30 Uhr), dem sich am Sonntag (17 Uhr) die Partie bei den Lausitzer Füchsen in Weißwasser anschließt.

Wie geht’s Andreas Pauli? Der 23-Jährige wird den Roten Teufeln - so die erste vage Einschätzung - mindestens zehn bis 14 Tage fehlen. Der mit 14 Treffern torgefährlichste Stürmer der Saison, der am Dienstagabend in Kaufbeuren nach einem Check verletzt ausgeschieden war, wurde auch gestern noch im Hochwaldkrankenhaus untersucht. Für Pauli ist’s bereits die zweite Gehirnerschütterung binnen zwölf Monaten, was Comeback-Prognosen erschwert. Die Attacke von Sebastian Osterloh, die vom Unparteiischen nicht geahndet worden ist, wird nicht weiter verfolgt. Ein entsprechender Antrag an den DEL2-Disziplinarausschuss würde die GmbH zunächst einmal 1500 Euro kosten. »Am Ende bringt uns eine nachträgliche Sperre nichts. Wir tragen stattdessen das Risiko, auf den Kosten sitzenzubleiben«, begründet Ortwein. Neben Pauli fehlen am Wochenende auch Vitalij Aab und Marcel Pfänder.

Ist ein Zuschauer-Minusrekord zu erwarten? Die Atmosphäre ist frostig. Am und im Colonel-Knight-Stadion. Der erneute Dämpfer in Kaufbeuren hat erheblich auf die Stimmung gedrückt. 1450 Zuschauer hatten das Heimspiel Anfang Oktober gegen Ravensburg gesehen. Das war allerdings an einem Dienstag. Die bislang am schwächsten besuchten Partien an einem regulären Freitag oder Sonntag waren die Partien gegen Freiburg und Weißwasser. Da kamen jeweils 1830 Zuschauer. Eine Zahl, die heute schwer zu erreichen sein wird.

Effekt verpufft: John Tripp hatte die Eispiraten Crimmitschau, für die er in der Vorsaison gespielt hatte, auf dem 13. Tabellenplatz übernommen. Nach nur zwei Spielen unter seiner Regie wurde die Rote Laterne übernommen. Der Ex-Nationalspieler feierte in Bietigheim einen erfolgreichen Einstand, konnte in sieben Spielen aber insgesamt lediglich fünf Punkte gewinnen. Aktuell hat keine Mannschaft weniger Treffer erzielt, ebenso hat kein anderes Team mehr Gegentore zugelassen. Die Frage, ob die Vorbereitungen für die Playdowns inzwischen begonnen haben, beantwortete Tripp am Sonntag nach der Niederlage gegen Kaufbeuren aber entschieden mit einem klaren »Nein«.

Da der einstige Angreifer nicht über die erforderliche Trainer-Lizenz verfügt, haben zuletzt abwechselnd Boris Rousson, Thorsten Heine und Jaroslav Stasny, allesamt im Nachwuchsbereich der Eispiraten beschäftigt, die Mannschaft begleitet und den Spielberichtsbogen abgezeichnet. Abgesehen vom Trainerwechsel haben die Eispiraten bislang noch nicht mit personellen Veränderungen auf die sportliche Misere reagiert - auch nicht auf den Wechsel von Mike Hoeffel nach Bremerhaven. Fehlen wird heute neben den Langzeitverletzten Daniel Bucheli und Christoph Kabitzky auch Danny Pyka. Aus den bisherigen beiden Spielen haben die Roten Teufel vier von sechs Punkten gegen die Eispiraten gewonnen. In der Fremde haben die Sachsen gerade einmal fünf Punkte gewinnen können und sind noch ohne »Dreier«.

Euphorie in der Lausitz: Die Füchse sind aktuell das, was im Vorjahr die Roten Teufel waren: nämlich die Überraschungsmannschaft. Tabellenplatz fünf nach knapp drei Vierteln der Runde - das hatte den Lausitzern niemand zugetraut. Insbesondere aufgrund der mehr als gewagten Besetzung der Torhüterposition mit durchweg jungen deutschen Keepern. Maximilian Franzreb, der zum Stammkeeper avancierte, wurde jüngst gar zum DEL 2-Torwart des Monats gewählt.

Selbst der Abgang des finnischen Topscorers Roope Ranta fiel nicht weiter ins Gewicht. Der Kanadier Jeff Hayes (40 Punkte in nur 26 Spielen), der Tscheche Jakub Svoboda, der nach mehrwöchiger Verletzungspause heute sein Comeback feiern wird, und U24-Spieler Dennis Swinnen bilden die torgefährlichste Reihe der Liga. Diese Namen stehen für schnelles, geradliniges Eishockey. Die direkte Playoff-Qualifikation, sprich: Platz sechs, ist inzwischen das Ziel. In Weißwasser gewann Bad Nauheim zwei Zähler nach Penaltyschießen, zu Hause unterlagen die Roten Teufel knapp.

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