EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim mit Disziplin, langem Atem und Planungssicherheit

  • Michael Nickolaus
    VonMichael Nickolaus
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Selbstbewusst, ehrgeizig und noch lange nicht satt. Der EC Bad Nauheim hat den DEL2-Klassenerhalt sicher. Das erleichtert die Planung für die Saison 18/19, die nun konkretisiert wurde.

Zum Spielende hin, wenn die Führung nicht mehr zu nehmen ist, werden in der Fankurve feierlaunig die Evergreens angestimmt. Von »Nauheimer Nächten«, die bekanntlich langsam anfangen und sehr lang werden können, wird gerne gesungen, ebenso von »Hessens wahrer Liebe«, den Roten Teufeln. Die ganz besonderen sportlichen Momente einer Saison werden derweil feinfühlig wie fachkundig noch einmal auf einer anderen emotionalen Stufe gewürdigt. »Wir sind stolz auf unser Team«-Sprechchöre sind dann bis hinaus in den Kurpark zu hören. Die höchste Weihe für die Mannschaft. Der Sonntag war einer dieser außergewöhnlichen Tage. Mit dem Erfolg gegen den Tabellenzweiten SC Riessersee hat der EC Bad Nauheim seine Serie auf acht Siege aus den letzten neun Spielen ausgebaut und die Anhänger ins Schwärmen gebracht.

Stark im Schlussdrittel

Ehrenrunden-Videos machten in den sozialen Medien rasch die Runde. Eine der stärksten Saisonleistungen, da war man sich in den vielen Fan-Foren schnell einig, hatte die Mannschaft gezeigt. Petri Kujala, der Trainer, sprach gewohnt sachlich von einem »sehr guten Spiel« und einem »sehr disziplinierten Auftreten«. Zunehmend befreit von einem Playdown-Szenario tritt die Mannschaft auf; und dies seit Wochen - entgegen dem Trend - mit nur drei Kontingentspielern. Selbstbewusst, ehrgeizig, überzeugend als kollektiv und ganz offenkundig noch lange nicht satt. In sieben der letzten neun Spiele hatten die Roten Teufel den längeren Atem, haben das Schlussdrittel gewonnen; zuletzt wurde dreimal in Folge in den letzten 20 Minuten mit vier Reihen agierend die Entscheidung erzwungen.

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Der Klassenerhalt auf direktem Weg - in drei von nun fünf Zweitliga-Jahren musste in den Playdowns gezittert werden - erleichtert natürlich den Blick in die Saison 2018/19. In Crimmitschau waren Geschäftsführung, Gesellschafter und Mitglieder des Beirats der EC Bad Nauheim Spielbetriebs GmbH im Rahmen der Auswärtspartie zur jährlichen Klausurtagung zusammengekommen. Mehr als sieben Stunden lang wurden am Samstag in einem dortigen Hotel die sportlichen und strukturellen Leitplanken gesteckt, Meinungen ausgetauscht, Missstände angesprochen und Optimierungspotenziale erarbeitet. »Marketing/Sponsoring/VIP«, »Ticketing/Preisgestaltung« und »Budget 18/19« waren die Kernthemen auf der Agenda der Entscheidungsträger.

»Klubs wie Riessersee, Kaufbeuren und Weißwasser - die letzten beiden aufgrund ihrer modernen Stadien - arbeiten im Vergleich zu uns beispielsweise längst unter verbesserten Rahmenbedingungen als noch vor wenigen Jahren. Wir müssen uns fragen, welche Entwicklungsschritte unter den bestehenden Rahmenbedingungen möglich sind«, sagt Geschäftsführer Andreas Ortwein, der von den Gesellschaftern ebenso wie Marketingleiter Dirk Schäfer einen umfangreichen Aufgabenkatalog erhalten hat, den es in den kommenden Wochen abzuarbeiten gilt, um eine endgültige Budgetplanung bis Mitte Mai erstellen zu können.

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Mit Blick die aktuellen Zuschauerzahlen, die nur durch Aktionen mit vergünstigten Tickets auf dem kalkulierten Level gehalten werden können, gelte es nun die Kostenstrukturen zu durchleuchten. Man müsse straffen. »Im Bereich der zahlenden Tagesgäste liegen wir unter Plan«, sagt Ortwein. Und bei rund 30 Heimspielen - das lässt sich leicht hochrechnen - fehlen (entgangenes Catering on top) schnell mal Einnahmen im mittleren bis hohen fünfstelligen Bereich, die - je nach Zahl der (Pre-)Playoff-Heimspiele - ausgeglichen werden müssen und in künftigen Planungen zu berücksichtigen sind.

Kommt ein vierter Ausländer?

Die Frage, ob der EC vor Transferschluss (28. Februar) einen vierten Ausländer verpflichtet, beantwortet sich - sofern sich auf der Torwart- und den Kontingentspielerposition niemand verletzt - damit von selbst. »Wir haben eine Mannschaft, die funktioniert, in der junge Spieler das Vertrauen bekommen und sich ihre Tabellenposition erarbeitet haben. Warum sollen wir bei aktuell vollem Kader gegebenenfalls einen Spieler auf die Tribüne setzen?«

Während die Roten Teufel frei von Abstiegssorgen planen können und ein Aufstieg für den DEL2-Meister sportlich nicht möglich ist, haben zum Stichtag am 15. Februar die Oberliga-Klubs ihr Aufstiegsinteresse signalisieren müssen. Aus dem Norden sind dies Duisburg, Essen, Halle sowie die Hannover Scorpions. Aus dem Süden haben Regensburg, Landshut und Selb öffentlich dokumentiert, ihre Unterlagen eingereicht und eine Bürgschaft in Höhe von 25000 Euro hinterlegt zu haben. Zudem sollen auch Rosenheim und Deggendorf diesbezüglich aktiv gewesen sein. Eine Bestätigung hierfür gibt es nicht.

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