Das Spiel mit der Hartgummischeibe war vor dem Playoff-Start unterbrochen worden. Die Eishockey-Profiklubs kämpfen mit den Folgen der Corona-Krise. FOTOS: IMAGO/ECN
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Das Spiel mit der Hartgummischeibe war vor dem Playoff-Start unterbrochen worden. Die Eishockey-Profiklubs kämpfen mit den Folgen der Corona-Krise. FOTOS: IMAGO/ECN

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Im Corona-Modus

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Ein Saison-Ende bevor der Spielbetrieb eingestellt wurde. Ein Zusatz-Heimspiel mitgenommen, Löhne und Prämien für die Playoff-Teilnahme aber gespart. Glück gehabt also! Denkste: Der EC Bad Nauheim ist von der Corona-Krise ebenso betroffen wie alle anderen Klubs der Liga.

Andreas Ortwein, der Geschäftsführer, legt das Handy in diesen Tagen kaum noch aus der Hand. Konferenzschaltungen mit der DEL 2, Absprachen mit Kooperationspartner Köln und Behörden, interner Austausch mit Mitarbeitern und Aufsichtsratsmitgliedern, Dialoge mit Werbepartnern - klassisches Krisenmanagement. Die Roten Teufel spüren - wie alle anderen Klubs - die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epedemie. Von einer Summe im mittleren fünfstelligen Bereich, die auf der Einnahmen-Seite fehle, ist nach der abrupten Schließung des Colonel-Knight-Stadions die Rede, dazu ist eine seriöse Planung für die Saison 2020/21 angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit in diesen Tagen schwer möglich. Schon jetzt wurde durch den Aufsichtsrat Geld zur Verfügung gestellt, um entstehende Defizite abzufangen.

Prognosen, wie Werbepartner (rund 180) und Dauerkarten-Kunden (rund 800) den Roten Teufeln die Treue halten (können), gestalten sich jetzt extrem schwierig. "Natürlich: Wir müssen Vorsicht walten lassen", sagt Ortwein. Zwei Budgets, ein "Normales" und ein Etat mit Corona-Restriktionen, will der Geschäftsführer in den kommenden Tagen erarbeiten und dem Aufsichtsrat vorlegen. Klar ist auch: Verträge werden künftig entsprechend anpasst, erhalte quasi eine "Corona-Klausel". Das wird ligaweit so kommen.

Die Werbepartner, darunter viele Mittelständler, haben in Krisenzeiten naturgemäß erstmal andere Prioritäten. Und manche Raten steht - auch das gehört zum Geschäft - aktuell noch aus. Mit Verzögerungen ist zu rechnen. Ausfalle nicht auszuschließen. "Wir suchen unsererseits den Schulterschluss, wollen das Umfeld mitnehmen. Wir sind auch mit allen Partnern im Austausch. Und wir müssen sehen, wie sich die Dinge im Sponsoring- und Dauerkartenverkauf entwickeln, ob sich nachhaltige Auswirkungen zeigen, oder Dinge funktionieren, wie dies geplant ist", sagt Ortwein.

Aktuell gehe die DEL2 auch von einem geplanten Saisonstart im September aus. "Wir planen momentan im Jetzt und Hier, teils mit angezogener Handbremse", sagt der Geschäftsführer. Vorrangig kurzfristige Themen gehe man an. Zuvor schwebt unter den gegebenen Umständen die Rate an die Verwaltungsberufsgenossenschaft wie an Damoklesschwert über dem Profisport. Hier bemühen sich DEL und DEL 2 gemeinsam mit anderen Sportarten um ein Stundungsmodell.

Ob ursprünglich für diesen Sommer angedachte Projekte und Investitionen (eine neue Schleifmaschine oder der Umbau der Verkaufsbuden hinter Block C seien an dieser Stelle exemplarisch genannt) getätigt und umgesetzt oder geschoben werden, werde man sehen. "Zahlreiche Schrauben sind zum jetzigen Zeitpunkt auch noch steuerbar. In einigen Fragen braucht man jetzt eben etwas Geduld."

Bis 24. Mai müssen die Zweitligisten ihre Lizenzunterlagen eingereicht haben. Vieles war im Laufe der Jahre Routine geworden. "Jetzt ist das eine deutlich umfangreichere Arbeit", sagt Ortwein, quasi im Gleichklang mit anderen Klubs.

Rene Rudorisch, der Geschäftsführer der DEL 2, sagt gegenüber der Fachzeitung Eishockey News: "Die Rückmeldungen in Sachen Sponsoring fallen an den Standorten unterschiedlich aus." Während kleinere Unternehmen auch emotional mit ihren Klubs verbunden seien, hielten sich größere Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Lage zurück. "Ich habe aber die Hoffnung, dass man den Sport am Ende nicht vergisst", sagt Rudorisch. Wie allerorts haben auch die Roten Teufel für ihre Angestellten Kurzarbeit beantragt. Ob, wann und wie viel kommt - das ist offen.

In den Hintergrund gerückt ist angesichts der Corona-Entwicklung zwangsläufig das Thema Multifunktionshalle. "Die jetzige Lage bringt natürlich Verzögerungen mit sich. Aber das Thema ist deshalb nicht beiseite gelegt", sagt er.

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