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Keinen Zentimeter zurückstecken: Das müssen Daniel Ketter (l.), hier gegen Manuel Edfelder von den Tölzer Löwen, beherzigen, wenn sie Spiele in der Deutschen Eishockey-Liga 2 gewinnen wollen.

Eishockey

EC-Trainer Kreutzer: "Warnsignal zur richtigen Zeit"

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Nach vier Erfolgen in Serie ist der EC Bad Nauheim am Sonntag gegen Bad Tölz nicht als Sieger vom Eis gegangen. Wirklich ausbaufähig ist derzeit aber nur eine Sache.

Es ist ein beliebtes Spiel während der Spiele im Colonel-Knight-Stadion. Fällt ein Tor, werden flächendeckend die Smartphones gezückt und die Live-Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga 2 aufgerufen. So war es auch am Sonntag, als der EC Bad Nauheim gegen die Tölzer Löwen in Führung gegangen war.

Zu diesem Zeitpunkt standen die Roten Teufel auf Rang drei der Tabelle - vor den Löwen Frankfurt, dem kommenden Gegner am Freitag. Als Stefan Reiter, der vergangene Saison in zehn Spielen ein Tor für den EC erzielte,in der Verlängerung den Tölzer Löwen den Zusatzpunkt sicherte - sein fünftes Tor im sechsten Spiel für Bad Tölz - lag aber der Rivale auf Rang drei, der EC auf Platz sechs.

Live-Tabellen im Oktober waren noch nie besonders aussagekräftig, aber sie machen in dieser ausgeglichenen Liga derzeit viel Spaß. Zwischen dem Zweitplatzierten aus Kassel und dem Rangneunten aus Freiburg liegen acht Punkte. Von bislang 14 Spielen der Roten Teufel endeten nur vier Spiele mit mehr als zwei Toren Unterschied.

Kreutzer: "Keine Minute nachlassen"

Oft entscheiden also Kleinigkeiten. "In dieser Liga ist es schwer, 60 Minuten lang besser als der Gegner zu sein. Am Ende musst du versuchen, ein Tor mehr zu haben", sagte Kevin Gaudet, Trainer der Tölzer Löwen. Christof Kreutzer, Cheftrainer des EC Bad Nauheim, pflichtete seinem Kollegen bei. "Unsere Zweikampfstärke und Laufbereitschaft haben wir im zweiten Drittel nicht gehabt. Das war für uns zur richtigen Zeit ein Warnsignal, dass man keine Minute nachlassen darf, um zu gewinnen", sagte Kreutzer.

Beim 2:0-Sieg in Bietigheim am Freitag gelang das den Roten Teufeln über 60 Minuten, folgerichtig gab es drei Punkte als verdienten Lohn. Vor dem Sonntag-Spiel gegen Bad Tölz waren nicht wenige fest davon überzeugt, dass es das zweite Sechs-Punkte-Wochenende in Serie geben wird. Zumal beim Gegner nur neun Stürmer und fünf Verteidiger auf dem Spielberichtsbogen eingetragen waren. Das Bild der vollen Bank auf der einen und der spärlich besetzten Bank auf der anderen kannten die Stammgäste im Bad Nauheimer Colonel-Knight-Stadion aus der vergangenen Saison, allerdings betraf es da meist die eigene Mannschaft.

EC Bad Nauheim: Wie die drei Neuen das EC-Spiel beeinflussen

Dass ein dünner Kader kein Hinweis auf den Spielausgang ist, wussten Kreutzer und seine Mannschaft also aus eigener Erfahrung. "Natürlich haben wir das vor dem Spiel thematisiert und davor gewarnt, den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Beim Gegner wusste jeder Spieler, dass er einen Gang zulegen muss, damit man eine Chance hat. Deswegen ist es mir lieber, der Gegner kommt mit voller Kapelle. Außerdem war Bad Tölz nur von der Anzahl der Spieler her eine Rumpftruppe. Die Jungs, die auf dem Eis gestanden haben, haben alle Qualität",sagte Kreutzer. Und: "Wir sind in keinem Spiel der Favorit."

Problemzone Powerplay

Als es der EC zuließ, blitzte die Qualität der Gäste auf. Stichwort Powerplay: Zehn Minuten Überzahl ohne Torerfolg bei den Bad Nauheimern. Nur im ersten Überzahlspiel gab es zwei klare Chancen, allerdings hatten Andrej Bires und Kyle Gibbons nicht den Mut für den Direktschuss, den Marco Pfleger, derzeit mit 14 Toren Führender der Torschützenliste, aus identischer Position ansetzte, um seine Mannschaft in deren dritten Powerplay in Führung zu bringen. "Bei uns waren gute Ansätze dabei, aber es fehlte oft der entscheidende Pass", sagte Kreutzer.

Ein effektives Powerplay könnte bei den so oft genannten Kleinigkeiten in dieser Spielzeit in einigen knappe Spielen ein Faktor sein. 82 Mal standen die Roten Teufel in dieser Saison schon in Überzahl auf dem Eis, das ist in der Liga ein Spitzenwert (Bayreuth hatte bei einem Spiel mehr ebenfalls 82 Überzahlsituationen). Daraus resultierten aber nur 14 Tore. Erfolgsquote: 17,1 Prozent, drittschlechtester Wert der Liga. Gegen Bad Tölz sorgten die verpassten Gelegenheiten in numerischer Überzahl für Murren auf den Rängen, dass erst im Schlussdrittel, als der EC auf dem Eis verbissen um den Ausgleich kämpfte, wieder der benötigten Unterstützung wich. Auch am Freitag gegen Bietigheim entsprang das Tor in Überzahl zum 2:0 eher einem Zufall, als Steelers-Verteidiger Eric Stephan vor dem Treffer unglücklich vom Puck im Gesicht getroffen wurde.

Allerdings ist das derzeit Meckern auf höherem Niveau. Manchmal ist es nur ein Puzzleteil, das fehlt, um den Zug wieder zum Rollen zu bringen. Entsprechend dürfte die Rückkehr von Daniel Stiefenhofer als Powerplay-Dampfwalze vor dem gegnerischen Tor bei den EC-Verantwortlichen herbeigesehnt werden.

Außerdem ist der Abstand auf die Play-Down-Zone mit zwölf Punkten komfortabel, aber, so realistisch sollte man in dieser Spielzeit damit umgehen, keineswegs beruhigend. Umso wichtiger ist jeder Zähler - auch als vermeintlicher Favorit gegen Bad Tölz.

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