Gutes Gefühl

EC Bad Nauheim mit Begeisterung und Baustellen

  • Michael Nickolaus
    VonMichael Nickolaus
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Sieben Punkte aus vier Spielen, dazu viel Lob für die Fans. Eishockey-Zweitligist EC Bad Nauheim zeigte Begeisterung, offenbarte aber auch Baustellen.

Nur einmal seit dem Wiederaufstieg in die Deutsche Eishockey-Liga 2, gleich im September 2013, ist der EC Bad Nauheim noch besser in die Hauptrunde gestartet; damals mit drei Siegen. Mit Heilbronn und Bad Tölz haben die Roten Teufel nun zwei vermeintlich direkte Konkurrenten um Rang zehn geschlagen, quasi die eigene Vorgabe erfüllt, und gegen Ravensburg und Bietigheim eine über weite Strecken gute Leistung mit zumindest einem Punkt belohnt. Die Lust auf das Kerb-Freitag-Heimspiel gegen Bayreuth ist geweckt. »Ja, die Ausbeute ist okay«, sagt Petri Kujala, der Trainer, gewohnt nüchtern und will sich nicht allein von den positiven Eindrücken leiten lassen. »Die Spiele haben auch gezeigt, dass wir noch einiges tun müssen.« Dem Ausflug auf das Oktoberfest am Montag hat der Coach, der selbst nicht dabei war, zugestimmt. »Dienstag um 9 Uhr ist Training. Da kommt die Wahrheit heraus«, sagt er augenzwinkernd. Lob aus Bietigheim

Kevin Gaudet, der Erfolgs-Coach der Bietigheim Steelers, hatte am Freitagabend zunächst einmal ein Kompliment an das Publikum im Colonel-Knight-Stadion zu richten. »Wow! Unglaublich. Das war so laut. Das habe ich lange nicht mehr so erlebt.« Alle drei hessischen Mannschaften hatte er bis dahin bereits gesehen und ist - nach dreimaliger Verlängerung - überzeugt: »Alle drei Klubs sind besser als im Vorjahr. In den Derbys wird die Hölle los sein.«

Mit dem Resultat an sich, aber auch mit einem mitreißenden Auftritt hatten die Roten Teufel Emotionen geweckt und das Publikum begeistert; auch ohne sportliches Happyend. Mit dem Selbstbewusstsein, Bietigheim an den Rand einer Niederlage gebracht zu haben, während Bad Tölz zeitgleich im Derby im Garmisch abgewatscht worden war, reisten die Hessen am Sonntag nach Bad Tölz. Mit Übermut, zu lässig. Seltener Superlativ Und ebensolche Spiele waren in der Vergangenheit gerne einmal leichtfertig abgeschenkt worden. »Einige haben das wohl zu locker genommen«, sagt Kujala, der in Analysen höchstselten den Superlativ nutzt, dennoch glaubt: »Das waren wohl die schlechtesten 20 Minuten seit ich in Bad Nauheim Trainer bin.« Seine Mannschaft fand aber Zugriff und drehte das Spiel vor 1250 Zuschauern, einer für den Aufsteiger enttäuschenden Kulisse. Drei Niederlagen zum DEL2-Einstand, darunter das deprimierende 4:9 in Garmisch, haben die Euphorie im Isarwinkel rasch verfliegen lassen.

Tabelle

Nr.ClubSpielePkt
1\n\t\t\tEispiraten Crimmitschau411
2\n\t\t\tLöwen Frankfurt410
3\n\t\t\tBietigheim Steelers48
4\n\t\t\tEC Bad Nauheim47
5\n\t\t\tEC Kassel Huskies47
6\n\t\t\tSC Riessersee46
7\n\t\t\tBayreuth Tigers36
8\n\t\t\tDresdner Eislöwen46
9\n\t\t\tLausitzer Füchse35
10\n\t\t\tRavensburg Towerstars44
11\n\t\t\tESV Kaufbeuren23
12\n\t\t\tEHC Freiburg43
13\n\t\t\tHeilbronner Falken42
14\n\t\t\tTölzer Löwen40

Im Powerplay klemmt’s

Auffällig: die Verteilung der Tore. Mit vier Treffern, die allesamt Andreas Pauli erzielen konnte, ist die nominell dritte Angriffsreihe mit Max Brandl und Dominik Meisinger als weiteren Stürmern die aktuell torgefährlichste Formation. Die vorderen beiden Blöcke haben je drei Treffer erzielt, hinzu kommen zwei Verteidiger-Tore. Die Mannschaft ist in diesen Tagen, da man in Bestbesetzung spielen kann, schwer auszurechnen.

Demgegenüber steht eine bislang desaströse, wenngleich sicher noch nicht aussagekräftige Powerplay-Bilanz: ein Treffer aus 19 Überzahl-Situationen. Das ist zu wenig. »Da haben wir sicher noch Luft nach oben«, weiß Kujala. Gerade im Spiel gegen Bietigheim hat die fehlende Powerplay-Effizienz einen, womöglich gar zwei Punkte gekostet. Sieben Mal standen die Roten Teufel mit einem Spieler mehr auf dem Eis (nur ein Tor), leisteten sich andererseits gegen die Topmannschaft keine Hinausstellung. Was den Hessen ganz offenkundig fehlt, ist ein klassischer Powerplay-Spielmacher, ein Puckverteiler. Mannes erhöht Konkurrenzdruck

In dieser Woche wird Niklas Mannes den Konkurrenzdruck erhöhen. Seit vergangenen Dienstag ist der 19-jährige Förderlizenzspieler in Bad Nauheim, wo er vor seinem Beinbruch Ende Januar eine tolle Entwicklung genommen hatte. In Bad Tölz - ein Platz im Kader war durch den kurzfristigen Ausfall von Esa Lehikoinen frei geworden - war Mannes nach Rücksprache mit Nicki Mondt, dem Sportlichen Leiter der Düsseldorfer EG, noch nicht dabei. Er soll am Freitag einsteigen. Dass Kujala dann zu Gunsten eines achten (!) Verteidigers auf den 13. Stürmer verzichtet, erscheint unwahrscheinlich.

Abseits des Eis war die neue LED-Videowand das Thema in Fan-Kreisen. 15 Quadratmeter ist die Anzeigetafel groß und eröffnet neue Möglichkeit in Sachen Entertainment und Werbung, die nach und nach in den Ablauf integriert werden sollen. Bis zu zehn Mitarbeiter seien jeden Spieltag in den Bereichen Sprade TV, Videobeweis und Leinwand-Regie involviert - da müssen sich die Abläufe erst einspielen.

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