Der Funke zwischen Team und Fans, wie hier beim Sieg gegen die Löwen Frankfurt, ist schon lange nicht mehr übergesprungen. (Foto: Chuch)
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Der Funke zwischen Team und Fans, wie hier beim Sieg gegen die Löwen Frankfurt, ist schon lange nicht mehr übergesprungen. (Foto: Chuch)

EC Bad Nauheim

Nach Kujala-Kritik: So reagieren Fans und Verantwortliche des EC Bad Nauheim

  • Michael Nickolaus
    VonMichael Nickolaus
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Tragen die Fans für die schwachen Heim-Auftritte eine Mitschuld? Die Kritik von EC-Trainer Petri Kujala sorgt für viele Diskussionen. So reagieren Fans und Verantwortliche.

Eishockey in Bad Nauheim bewegt. Das war schon immer so. Seit 1946. Die Roten Teufel stehen aktuell auf Platz neun der DEL2. Einen Tick besser als erhofft. Doch wirklich zufrieden ist niemand. Das Verhältnis zwischen Geschäftsführung und Trainer auf der einen sowie Teilen der Fans auf der anderen Seite ist stark unterkühlt. Es herrscht Rede-, Erklärungs- und Diskussionsbedarf; auf allen Seiten.

Die Reaktionen der Fans, die auf unserer Homepage sowie auf unserer Facebook-Seite kommentieren, sind unterschiedlich. Einige zeigen Verständis, andere empfinden die Äußerungen als Schlag ins Fan-Gesicht. Es gibt aber auch konstruktive Vorschläge. Ein Auszug:

Johannes Falk: »Ich kann vollkommen nachvollziehen, was da gesagt wird!« Markus Groth: »Für mich schlechter Stil, Herr Ortwein.« Stefan Schneider: »Ich glaube, den meisten Fans geht es in erster Linie nicht um die Ergebnisse, sondern um das Wie! Und teilweise Spiele mit körperlosen Zweikämpfen passen eben nicht nach Bad Nauheim. Wir wollen Nauheim-Hockey sehen! Etat hin oder her.«  

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Marlies Bothe: »Wenn man gekämpft hat und dann verliert, ist es eben so. Aber wenn man auf dem Eis rumläuft, als hätte man gerade die Laufschule absolviert, ist das nicht in Ordnung. Jeder will sein Geld am Monatsende, und da muss man auch seine persönliche Leistung abrufen.« Kathi Eiwanger: Ein 0:3 wurde auswärts zu einem 5:4-Sieg nach Penaltyschießen gedreht, und unsere verbitterten Fans konnten sich nicht freuen, denn für sie sollten wir ganz oben mitspielen.«  

Wie stehen Sie zur Fan-Kritik? Diskutieren Sie auf Facebook mit:

Mo Kawa: »Einfach nur traurig. Da macht man sich alles, was mühsam aufgebaut wurde, kaputt, nur weil man sich die eigenen Fehler nicht eingesteht und die Schuld ständig woanders sucht.«

Andreas Roschel: »Bei den drei letzten Heimpartien gegen Weißwasser, Freiburg und Heilbronn kann man ne Blaupause drüber legen, nach Rückständen funktioniert da einfach gar nix mehr. Da sollte man für aufgebrachte Fans schon etwas mehr Verständnis aufbringen. Es ist einfach – sorry – nicht zum angucken! Damit der Funke von den Rängen überspringt, sollten die Profis in Vorleistung gehen.«  

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Tino Philippi: »Komisch, dass Andreas Ortwein jetzt den Zuschauer wegen den Pfiffen kritisiert. Nach dem Kassel-Spiel am 26. November hat er in das FFH-Mikrofon sinngemäß gesagt, dass die Geschäftsführung sehr unzufrieden mit der Leistung des Teams ist und nun jeder Stein umgedreht wird. Seitdem haben wir vier Heimspiele gehabt und dabei vier mickrige Punkte mit zum Teil erbärmlichen Leistungen geholt. Jetzt dem Fan das in die Schuhe zu schieben, ist nicht wirklich förderlich für das Verhältnis Team/Fans/Geschäftsführung.«

Auch die Verantwortlichen beim EC Bad Nauheim äußerten sich zum Thema:

Homepage EC Bad Nauheim / Andreas Ortwein (Geschäftsführer): »Sport ist nicht 100 Prozent planbar – deswegen ist der Zusammenhalt in Bad Nauheim sehr wichtig. Nur, wenn wir mehr Zusammenhalt zeigen, als die Standorte, die uns sportlich ebenbürtig sind, können wir am Ende über dem Strich stehen« (...) »Gerne würde ich dem Trainer den Wunsch nach einem fünften Ausländer erfüllen – aber es geht leider nicht. Wir haben die Grenzen bereits überschritten und müssen eher den Kader verkleinern« (...) »Kurzfristig fehlen natürlich erst mal einige 10 000 Euro als liquide Mittel. Mittelfristig führt es dazu, dass wir möglicherweise ein negatives Ergebnis am Ende der Saison erwirtschaften, welches dann irgendwie ausgeglichen werden muss. Langfristige Auswirkungen sind, dass wir einen weiteren DEL2-Etat deutlich nach unten fahren müssen, weil es die Lizenz-Regularien so besagen und es wirtschaftlich die einzig vertretbare Lösung ist.«  

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Michael Richly (Beiratssprecher): »Wenn die Zuschauer nicht mehr ins Stadion kommen und alles negativ sehen, wirkt sich das natürlich auch negativ auf Sponsorenebene aus. Ein Sponsor engagiert sich nur, wenn die Außendarstellung des EC’s positiv in der Region wahrgenommen wird« (...) »Der Standort steht vor richtungsweisenden Fragen, die es auch mit der Stadt zu diskutieren gilt, rund um unsere Spielstätte das Colonel-Knight-Stadion. Daher sollten und dürfen wir uns nicht ausschließlich an einem Spielergebnis und dem sportlichen Verlauf orientieren.«  

Matthias Baldys (Sportlicher Leiter): "Die Mannschaft ist charakterlich einwandfrei. Der Trainer und das Team sind immer gut vorbereitet. Es wird keine Spiele mehr geben, die Selbstläufer sind."

Leserbrief von Marc R. Philipp

Funke muss vom Eis auf Zuschauer überspringen

Vorstand und Trainer machen meines Erachtens einen Fehler, wenn sie die Zuschauer des EC Bad Nauheim kritisieren und ein unterkühltes Verhältnis zwischen Verein und Fans unterstellen. Mit solchen Vorhaltungen werden keine weiteren Zuschauer ins Stadion gelockt. Die Fans haben die Mannschaft bisher immer unterstützt, und vereinzelte kritische Zwischenrufe oder Pfiffe gab es auch in der Vergangenheit schon. Soweit es erstmals im letzten Heimspiel lautstarke Pfiffe gab, sollte die Mannschaft und die Führungsetage das auch mal hinnehmen. Mit Pfiffen und kritischen Anmerkungen muss jeder Kreisligafußballer leben. Auch Sportprofis müssen dies »abkönnen«.

Die Fans des EC Bad Nauheim sind wahrlich nicht für eine schlechte Stimmung bekannt. Die Mannschaft wurde zu Beginn der Saison neu zusammengesetzt und mit hohen Vorschusslorbeeren versehen. Eine Platzierung in den Top 8 wurde als angemessene Erwartungshaltung gesehen. Ich bin der Auffassung, dass die DEL 2 für einen Verein wie den EC Bad Nauheim schon ein Maximum bedeutet und die Klassenzugehörigkeit jährlich als Erfolg gefeiert werden kann. Vielleicht hätte man vor der Saison – soweit möglich – die Budgets der einzelnen Vereine bekannt machen müssen, und jede bessere Platzierung als nach dieser Geldrangliste wäre als Erfolg anzusehen.

Man hat aber stattdessen Erwartungen geweckt durch einen Wechsel vom »skandinavischen« zum »nordamerikanischen« Eishockey, eine Rückkehr zum sogenannten »Nauheim-Hockey«. Die Zuschauer des EC erwarten Kampf, Einsatz und Leidenschaft. Die Mannschaft hat in dieser Saison schon öfter gezeigt, dass sie hierzu in der Lage ist.

Die Mannschaft darf verlieren, auch das Verletzungspech wird nicht vergessen. Sie gehört spielerisch nicht zu den stärksten Teams der Liga. Sie muss versuchen, Defizite mit Laufbereitschaft, Kampf und Einsatz wettzumachen. Der Funke muss vom Eis auf die Zuschauer überspringen. Bitte keine Kritik an Zuschauern, die auch bei diesem Wetter ins Stadion pilgern und für Umsatz sorgen.

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