Handball

Mitfiebern mit Gensheimer und Co.

Schafft es das deutsche Handball-Nationalteam bei der WM heute Abend in Hamburg gegen Norwegen ins Finale? Selbst wenn nicht: Die DHB-Auswahl hat mit leidenschaftlichen Auftritten überzeugt, die deutschen Fans haben die Hallen in Tollhäuser verwandelt und der Handball-Virus hat sich ausgebreitet – auch in der Wetterau.

Von Aus der Redaktion

Die Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark elektrisiert die Massen. Die Hallen sind – auch bei Spielen ohne deutsche Beteiligung – voll, die Stimmung ist prächtig, die Top-Teams des Planeten und ihre Superstars fühlen sich sichtlich wohl. Kurzum: Nach dem Wintermärchen 2007 wird zumindest in organisatorischer Hinsicht schon jetzt der nächste Erfolg des Deutschen Handball-Bundes gefeiert. Ob es auch für den Titel reicht, klärt sich allerdings erst im Finale am Sonntag, wenn denn das Halbfinale gegen Norwegen am heutigen Freitagabend (20.30 Uhr) gewonnen wird. Fest steht aber bereits jetzt: Auch abseits der Handballszene wird kräftig mitgefiebert – auch in der Wetterau, wie unsere Umfrage zeigt.

Marco Walter, Fußballtrainer der SG Wohnbach/Berstadt:

"Ich war in der Vorrunde in Berlin beim Eröffnungsspiel gegen Korea und in Köln beim ersten Hauptrundenspiel gegen Island. Das erste Spiel war ein Zufall, da jemand krankheitsbedingt Karten übrig hatte, aber das zweite Spiel war schon seit vergangenem Jahr geplant. Ich bin kein Handball-Fan, verfolge zwar immer die Turniere, aber nicht die Bundesliga oder so. Aber ich wollte einfach dabei sein, wenn die WM schon mal im eigenen Land ist. Das bereue ich nicht. Es war ein cooles Erlebnis. Die Stimmung war extrem gut, sogar noch besser als man es im Fernsehen mitbekommt. Man hat im Stadion auch gemerkt, dass die WM viele Menschen anzieht, die nicht unbedingt Hardcore-Fans sind. Ich würde es den Handballern gönnen, wenn ein paar dieser Menschen dem Sport verbunden bleiben, denn man muss einfach anerkennen, was die Jungs auf dem Parkett leisten. Diese Intensität, dieser Einsatz und der Umgang miteinander – das verdient einfach Respekt."

Kevin Richter, Spielertrainer des Football-Vereins Wetterau Bulls

"Ehrlich gesagt habe ich am Mittwochmorgen erst zufällig etwas von der Handball-WM im Radio gehört. Ich kenne mich da überhaupt nicht aus. Ich bin auf eine Sportart fixiert – und das ist Football. Das war bei mir schon immer so. Selbst bei der Fußball-WM, wo alle gucken, interessiert mich das maximal am Rande. Daher bin ich momentan viel eher im Super-Bowl-Fieber, auch wenn mein favorisiertes Team schon ausgeschieden ist. Die Finalisten mag ich eigentlich beide nicht, aber wir werden den Hype wie jedes Jahr mit einem offenen Training für uns nutzen, denn wir sind bereits in der Vorbereitung auf unsere erste Saison in der Landesliga. Wenn noch ein paar Spieler hängen bleiben, dann wäre das super."

Jörg K. Wulf (Sportkreisvorsitzender)

"Ich bin beim TV Petterweil Stammgast, also durchaus handballaffin. Bei den Spielen der deutschen Mannschaft bin ich emotional dabei und kann die spannenden Schlussphasen oft nur im Stehen ertragen. Wir haben eine gute Möglichkeit, ins Endspiel zu kommen. Das Kroatien-Spiel hat aber gezeigt, wie eng alles beisammen ist und das Kleinigkeiten entscheiden. Der aktuelle Hype um den Handball ist natürlich schön, ich bin ohnehin der Meinung, dass Handballer physisch und psychisch mehr leisten als Fußballer. Zudem ist das Erlebnis für Fans in der Halle natürlich viel intensiver, man ist sehr nah am Spiel dran. Für den Handball-Alltag wird sich aber vermutlich nichts ändern, Zuschauer und Sponsoren werden auch weiterhin ihr Geld vorrangig für den Fußball ausgeben."

Matthias Baldys, Sportlicher Leiter des EC Bad Nauheim

"Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bislang lediglich von dem Kroatien-Spiel 20 Minuten gesehen habe. Früher, als ich selbst noch aktiver Spieler war, habe ich mich für fast alle Sportarten interessiert und das meist auch intensiv verfolgt, da wusste ich noch besser Bescheid. Heute kriege ich meist nur die Scharmützel zwischen unserem handballinteressierten Co-Trainer Harry Lange und unserem handballbesessenen Teamarzt Marco Kettrukat mit. Ich bezweifle, dass ich das Halbfinale und das Finale am Freitag und Sonntag komplett schauen kann, denn wir spielen ebenfalls. Aber vielleicht lasse ich es parallel im Livestream wenigstens auf dem PC laufen. Wenn Deutschland spielt, halte ich natürlich auch zu unserem Team, aber richtig emotional bin ich beim Handball nicht. Ich hatte in meinem Sportstudium eben Fußball als Teamsportart (lacht)."

Thorsten Bastian ("Friedberger" Kreisfußballwart)

"Der Fußball kann sich am Handball in mancherlei Hinsicht ein Beispiel nehmen. Da werden keine Bälle weggedroschen, da werden sich nach einem Spiel die Hände geschüttelt und da werden – bei aller Emotionalität – auch Schiedsrichterentscheidungen ohne ewige Diskussionen akzeptiert. Da wird sich kurz echauffiert, dann ist aber auch wieder Ruhe. Auch im Fußball würde ich mir an vielen Stellen ein solches Miteinander wünschen. Ich bin vor rund 25 Jahren erstmals durch den Umzug von Frankfurt in die Wetterau mit dem Sport in Berührung gekommen. In Oppershofen wurde damals höherklassig gespielt, unsere Tochter spielt heute noch Handball, und wir schauen auch gerne mal in Wetzlar oder Hüttenberg vorbei. Die Atmosphäre dort ist immer sehr angenehm. Natürlich schauen wir zu Hause die deutschen Spiele, und ich traue der Mannschaft zu, sich auf der Welle der Begeisterung zum Titelgewinn tragen zu lassen. (Fotos: Nici Merz (2), pv (3))

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