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Mit Herz und Glück: Warum sich die Roten Teufel spielerisch aktuell schwer tun

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Von: Michael Nickolaus

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Taylor Vause hat in sieben der vergangenen acht Spiele für den EC Bad Nauheim getroffen. © Andreas Chuc

Plötzlich Tabellendritter. Der EC Bad Nauheim rumpelt sich mit Herz und Glück im Klassement nach vorne. Spielerisch läuft vieles derzeit nicht. Eine Ursachenforschung.

(mn). Plötzlich Tabellendritter! Zumindest für 48 Stunden. Der EC Bad Nauheim ist nach der Länderspielpause spielerisch enorm holpernd, mit Herz und Glück zugleich aber auch sportlich erfolgreich (sechs Punkte aus drei Spielen) in die Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga 2 zurückgekehrt. Jetzt warten mit dem ESV Kaufbeuren (Freitag, 19.30 Uhr, Colonel-Knight-Stadion) und den Kassel Huskies (Sonntag, 16.30 Uhr) die beiden Klubs auf die Roten Teufel, die sich im Klassement bereits neun beziehungsweise elf Punkte von ihren Verfolgern abgesetzt haben. »Von den letzten fünf Spielen war nur eines wirklich gut (in Dresden, Anm. d. Red.). Umso wichtiger ist’s, gepunktet zu haben«, sagt Harry Lange, der Trainer.

Die 1:5-Niederlage am Freitag gegen Selb, die bislang höchste Heim-Pleite der Saison, hatten die Fans mit feinem Gespür für solche Abende einfach weggefeiert. Die stimmungsvolle Akustik im Kurpark hatte jedenfalls einen krachenden Erfolg der Heimmannschaft vermuten lassen; sicherlich eine Anerkennung für Leistungen der vergangenen Wochen. »Da war unglaublich. Diesen Applaus hatten wir diesmal gar nicht verdient«, sagte Lange in der anschließenden Pressekonferenz.

Herzlich begrüßt wurde da Lanny Gare. Der Ex-Teufel, von 2008 bis 2012 Kapitän in der Wetterau, assistiert Trainer Sergej Wassmiller an der Bande der Selber Wölfe. Ende Dezember vergangenen Jahres, mit 43 Jahren war Gare der älteste aktive DEL2-Spieler, hatte der Deutsch-Kanadier einen Schlaganfall erlitten, der seine Karriere abrupt beendete. »Ich hätte mein Laufbahnende gerne selbst gewählt, bewusst das Spiel genossen«, sagt Gare. Äußerlich hat sich der Familienvater komplett erholt, Kopfschmerzen plagen ihn heute noch. »Ich hatte in Bad Nauheim eine tolle Zeit. Und ich wäre gerne zu einem Punktspiel, noch einmal zurückgekommen«, sagt er.

Bad Nauheims Trainer Harry Lange kommt auf der Suche nach Gründen für die November-Rumpel-Auftritte schnell auf den fehlenden Kevin Schmidt zu sprechen. Mit dem offensiv ausgerichteten Verteidiger fehlte in exakt diesen fünf November-Spielen eine zentrale Figur im Kader; der Puckverteiler im Powerplay (drei Tore in 16 Überzahl-Situationen ohne hin, zuvor zehn Treffer in 46 Powerplay-Optionen). Mit Schmidt fehlt zudem der Passgeber, der die Teufel gradlinig und schnell aus der eigenen Zone kommen lässt; bekanntlich die große Stärke der Mannschaft. »Ja, diese Spiele lassen erkennen, was wir an ihm haben«, sagt Lange über den verletzten Deutsch-Kanadier, der frühestens zum Ende der kommenden Woche in den Kader zurückkehrt.

In Regensburg verursachte am Sonntag das Tor zum 2:4-Zwischenstand (David Cerny hatte einen Philipp Wachter-Schuss zur Bogenlampe abgefälscht) dann endlich einen Ketchupflaschen-Effekt. Zwar war Bad Nauheim bei Fünf-gegen-fünf besser, aber zu harmlos im Abschluss. Plötzlich lief’s. Und wie! Und das ist ganz sicher gut für den Kopf. Ganze sieben reguläre Treffer hatten die Roten Teufel in den vier Spielen (!) davor erzielt, plötzlich konnte mit fünf Toren binnen 25 Minuten ein Drei-Tore-Rückstand gedreht werden, plötzlich trafen auch Tim Coffman (zuvor ein Tor in sieben Spielen) und Jordan Hickmott (ein Tor in sechs Spielen) wieder, deren Scoring auf den Importpositionen den Unterschied ausmachen muss. Jerry Pollastrone hat in den vergangenen 13 Spielen nur einmal getroffen, aber immerhin sieben Tore aufgelegt. Über allen steht Taylor Vause, der in acht der vergangenen neun Partien getroffen hat.

Schon am Freitag - auch beeinflusst durch den Ausfall von Tobias Wörle nach 40 Minuten - hatten die Roten Teufel ihre Offensiv-Formationen umgestellt. Den Blöcken hatten vielfach das Miteinander und zudem die Torgefahr gefehlt. »Das war keine Einheit. Einer ist gelaufen, vier haben zugeschaut«, legt Lange den Finger in die Wunde. Zumindet einer der beiden Top-Blöcke muss Torgefahr ausstrahlen, weiter hinten schaffen Cerny mit Michael Bartuli sowie im Wechsel Kevin Niedenz und Pascal Steck etwas Luft und beschäftigen als vierte Formation den Gegner laufstark dessen Verteidigungszone. Blass - und dies quasi als Einheit - läuft aktuell der dritte Block mit. Christoph Körner und Andreas Pauli, die eigentlich immer für ein Tor gut sein können, fehlt zusammen mit Marc El-Sayed aktuell jede Offensiv-Gefahr und werden Lange und seinen Assistenten Adam Mitchell mit Blick auf das Wochenende sicherlich über alternative Optionen nachdenken lassen.

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