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Krankenakte EC Bad Nauheim: »So eine Saison habe ich noch nicht erlebt«

  • Michael Nickolaus
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Neun Profis des EC Bad Nauheim haben in der ersten Saisonhälfte länger als drei Wochen pausieren müssen. Der »Medical-Chat« kommt an seine Grenzen. So ist der aktuelle Stand.

Im »Medical-Chat« laufen sämtliche Informationen per WhatsApp zusammen. Diagnosen, Prognosen, Therapien, Termine. Derzeit werden sehr viele Nachrichten zwischen Trainer, Ärzten, Therapeuten und Geschäftsführung beim Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim hin und her geschickt. Aktuell stehen gleich fünf Profis verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Insgesamt haben bereits neun Spieler seit dem Saisonstart länger als drei Wochen pausieren müssen. »So eine Saison habe ich noch nicht erlebt«, sagt Matthias Ott, Fitness-Coach der Roten Teufel.  

Mit drei Verpflichtungen auf die Ausfälle reagiert

Mit drei Nachverpflichtungen (Ansgar Preuß, Esa Lehikoinen, Dennis Reimer) hatten die Badestädter bereits auf die Ausfälle reagiert. Man habe sich damit wirtschaftlich bereits »im Grenzbereich« bewegt. »Weil diese Liga so ausgeglichen besetzt ist und wir reagieren mussten. Aber wir kennen diese Schraube nicht immer weiter drehen und auf jede weitere Verletzung auf’s Neue«, sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer. Reindl-Pool-Abgaben, Wohnungen, Autos, Ausrüstung (für ausländische Profis noch internationale Transferkarten) - da kommt neben dem eigentlichen Salär schnell noch ein ordentlicher Patzen zusammen. Ein Spagat, wenn man die jüngsten Entwicklungen im Bereich der Zuschauer sieht. Dazu kommt: Mit Ausnahme von Jan Guryca und dann auch Maximilian Brandl, der sich am letzten Freitag verletzt hat und länger als sechs Wochen ausfällt, mussten sämtliche Spieler voll bezahlt werden.

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Bad Nauheim sei in punkto Verletzungspech in diesem Jahr kein Einzelfall, sagt Matthias Ott mit Blick auf die beiden professionellen deutschen Eishockey-Ligen. Die zunehmende Intensität des Sport macht er als mögliche Ursache aus. Zugleich sagt Ott, man sei im medizinischen Bereich sehr gut aufgestellt. Die Zusammenarbeit klappt. Da werden Spieler auch samstags zur Behandlung in die Praxen bestellt.

Ausfälle mach sich sportlich bemerkbar

Bei den Roten Teufeln sieht man die lange Liste der Ausfälle natürlich im Zusammenhang mit den sportlichen Ergebnissen. »Wenn ein Spieler zwei, drei Wochen nicht auf dem Eis stand, ist er eben nicht sofort bei 100 Prozent. Das lässt sich mit Off-Ice-Training nicht kompensieren«, sagt Ott. Zur Erinnerung: In Bestbesetzung, gleich zu Saisonbeginn, haben die Roten Teufel ihr besten Ergebnisse erzielt und die Zuschauer mitreißen können. »Wenn man in jeder Woche umstellen muss, wenn vielleicht nur 13 oder Feldspieler im Training zur Verfügung stehen, weil einer fehlt und ein anderer vielleicht mit Trainingsrückstand einsteigt, dann macht sich das schon bemerkbar. Da ist’s schwer, sich einzuspielen und auf einem Level zu agieren«, sagt Ott.

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Ortwein möchte nicht von »Pech« sprechen. »Verletzungen wie unsere entstehen aus Zweikämpfen, aus dem Einsatz heraus. Wir leben vom Kampf. Das ist unser Spiel, und da zählen Verletzungen zum Risiko.« In der bislang erfolgreichsten DEL2-Saison waren die Hessen im übrigen vom Verletzungspech größtenteils verschont geblieben; 2015/16 führte die Hauptrunde den EC Bad Nauheim auf direktem Weg in das Playoff-Viertelfinale.

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