Marc El-Sayed
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EC Bad Nauheim

Kapitän Marc El-Sayed: "Man muss versuchen, das alles auszublenden"

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Marc El-Sayed ist Kapitän des EC Bad Nauheim. Im Interview spricht er über seine Rolle, seinen Beruf in Zeiten der Corona-Pandemie und über Geisterspiele.

(phk). Bereits im zweiten Jahr führt Marc El-Sayed den Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim als Kapitän aufs Eis. Auch wenn das Kapitänsamt inzwischen schon Routine sein dürfte, erwartet sein Team und ihn zum Start der DEL 2-Saison am heutigen Freitag viel Neues - und viel Ungewissheit rund um die Coronavirus-Pandemie.

Marc El-Sayed, was bedeutet es für Sie, weiterhin Kapitän des EC Bad Nauheim zu sein?

Ich fühle mich - wie im vergangenen Jahr auch - vor allem wahnsinnig geehrt. Kapitän zu sein bedeutet mir schon viel, aber hier in Bad Nauheim ist es noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Aber ich sage auch: Eine Mannschaft besteht nie aus einem, der Kapitän ist, sondern jeder, der etwas zu sagen hat, kann und soll das auch sagen.

Viele Amateursportler aber auch einige Profis müssen derzeit pausieren. Was bedeutet es für Sie, wieder Ihrem Beruf nachgehen zu können?

Am Anfang waren wir einfach schon froh, nur wieder trainieren zu können, wieder das Gefühl als Mannschaft zu haben, denn das ist unser Ding. Am Ende vom Tag ist es aber auch unser Beruf, wir verdienen unser Geld damit, sodass es natürlich beruhigend ist, dass es wieder losgeht.

Mit Hannu Järvenpää haben Sie einen neuen Trainer. Was hat sich für Sie dadurch verändert?

Die Spielphilosophie von Hannu ist sicher eine andere als die von Christof. Das betrifft Dinge im Defensivverhalten oder im Angriff, sodass die größten Unterschiede vor allem im taktischen Bereich zu sehen sein werden.

Im November werden Sie wegen der neusten Corona-Maßnahmen ausnahmslos vor leeren Rängen spielen - wie teilweise schon in Vorbereitung. Wie fühlt sich ein Geisterspiel als Spieler an?

Wir waren alle noch nicht wirklich in der Situation, denn Vorbereitung ist noch einmal ganz anders als ein Hauptrundenspiel. Es ist natürlich leichter die letzten Extra-Prozent an Motivation zu haben, wenn man zum Spiel kommt, die Fans da sind und eine riesige Stimmung machen. Daran müssen wir uns jetzt einfach gewöhnen und einen Weg finden, diese zusätzliche Motivation trotzdem zu haben. Aber natürlich ist eine ganz komische und verwirrende Situation für einen Spieler, von der ich hoffe, dass sie für uns nicht zur Gewohntheit wird.

Glauben Sie, das hat Einfluss auf die Emotionalität, weil niemand von außen auf das Spiel wirkt?

Teils, teils. Beim letzten Spiel habe ich mich zum Beispiel dabei erwischt, als der Schiedsrichter zu früh abgepfiffen hat - da hätten 5000 Menschen oder keiner im Stadion sein können, ich wäre trotzdem gleich sauer gewesen (lacht). Aber natürlich hat ein volles Stadion eine gewisse Kraft. Inwieweit das die Mannschaften oder auch die Schiedsrichter beeinflusst, werden wir jetzt sehen.

Wie gehen Sie mit der Situation um, dass niemand weiß, ob die Saison beendet wird, wann wieder Zuschauer zugelassen sind und wie die Zukunft überhaupt aussieht?

Man muss versuchen, das alles auszublenden, so gut es eben geht, und die Sache so angehen, als wäre es eine ganz normale Saison - auch wenn keiner weiß, was passiert. Ich glaube, dass die Mannschaft, die sich gerade am Anfang mit diesen Umständen am besten zurechtfindet, einen kleinen Vorteil haben wird.

Zum Start geht es gegen Bietigheim und nach Ravensburg. Wo glauben Sie, geht die Reise für den EC in dieser Saison hin?

Das ist wie immer schwierig, vorher zu sagen. Keiner weiß nach der Vorbereitung so richtig, wo er steht - dieses Jahr noch mehr, weil einige Teams mehr und andere weniger Spiele gemacht haben. Ich selbst habe für uns ein gutes Gefühl und glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben die Vorbereitung gut genutzt und hoffentlich die richtigen Lehren gezogen. Obwohl wir ein schweres Auftaktprogramm gegen zwei Top-Teams der Liga haben, glaube ich, dass wir gut starten können. FOTO: NICI MERZ

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