Der gebürtige Bad Nauheimer Jan Barta arbeitet aktuell als Co-Trainer des Eishockey-Zweitligisten Löwen Frankfurt.
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Jan Barta erfüllt in Frankfurt viele Funktionen. Seine alte Heimat Bad Nauheim hat er nie aus dem Blick verloren.

Vor dem Derby Bad Nauheim vs. Frankfurt

Jan Barta im Interview: »Jeder Verein hat etwas, was dem anderen fehlt«

Wenn die Löwen Frankfurt am Ratsweg heute auf den EC Bad Nauheim treffen, steht an der Bande der Gastgeber auch ein gebürtiger Bad Nauheimer. Doch Löwen-Co-Trainer Jan Barta (36) fühlt sich mittlerweile als echter Frankfurter.

Die erste Station von Jan Barta in der Mainmetropole liegt schon 16 Jahre zurück. Der damals 20-Jährige, gebürtig aus Bad Nauheim, kam vom Oberligisten ESV Bayreuth zu den Lions. Sechs weitere Saisons verbrachte er in seiner Geburtsstadt Bad Nauheim, bevor er 2011 wiederum für eine Saison nach Frankfurt kam. Die letzten fünf Jahre spielte Barta bei den Moskitos Essen.

2017 beendete er mit 32 Jahren seine aktive Karriere und startete in Frankfurt eine Trainer-Laufbahn. Erst als Übungsleiter der U15, dann als Coach der U17 und hauptamtlicher Nachwuchstrainer der Löwen. Im Sommer ging er mit seinen Jungs zur U20, die jedoch wegen der Pandemie nicht spielen kann. In dieser Saison ist er als Development Coach bei den Profis unterwegs. Im Interview spricht Barta, der außerdem viele Jahre Skaterhockey bei den Rhein-Main Patriots spielte, über seine Zeit in Bad Nauheim und gibt einen Ausblick aufs Derby.

Sie sind ein Mann für alle Fälle. Was machen Sie alles bei den Löwen?

Da der Nachwuchs pausiert, bin ich aktuell hauptsächlich bei den Profis tätig. Ich schaue mir die Videos des kommenden Gegners an, Marko Raita wiederum die aus dem letzten Match der Löwen. Dann werten sie gemeinsam aus. Mit den Aufzeichnungen und den Vorschlägen gehen wir dann zu Franz Fritzmeier, der nach Beratung mit uns die Entscheidungen trifft. Ich helfe auch beim Torwart-Training. Torwart-Trainer Valtteri Salo und ich sind stets die Ersten auf dem Eis. Ich bin Rechtsschütze, er Linksschütze, das hilft unseren Keepern. Ich bin auch für das Eistraining der Rekonvaleszenten zuständig. Zu guter Letzt bin ich Geschäftsstellenleiter der Aktion »Löwenherzen«, die sozial benachteiligte Gruppen oder sozial engagierte Einrichtungen unterstützt.

Wie kamen Sie zum Eishockey?

Als Kind nahm mich mein Vater oft zum Publikumslauf mit. Dabei fiel ich eines Tages dem früheren Bad Nauheimer Profi Rolf »Pilo« Knihs auf, der mich zum Training einlud.

Die Jugendjahre haben Sie im Colonel-Knight-Stadion verbracht. Wie ging dort Ihre Entwicklung voran?

Ich begann erst mit neun Jahren, durchlief dann alle Nachwuchsmannschaften, spielte gemeinsam mit Daniel Ketter im U16-Nationalteam. Mit der Jugendmannschaft spielten wir in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft.

Wie oft sind Sie noch in Bad Nauheim?

Selten. Meine Eltern wohnen in Münzenberg, wenn ich sie besuche, mache ich ab und an Station in Bad Nauheim.

Verfolgen Sie das Geschehen bei den »Roten Teufeln«?

Na klar. Ich schaue mir alle Highlights an, habe die Mannschaft also ständig auf dem Schirm.

Haben Sie dort noch Freunde?

In erster Linie Verteidiger Daniel Ketter. Ein Kindheitsfreund, mit dem ich lange gemeinsam gespielt habe. Ein langjähriger Mitspieler war auch Matthias Baldys. Besonders schätze ich Geschäftsführer Andreas Ortwein, der schon zu meiner Nauheimer Zeit dort tätig war.

Wo könnten heute die Löwen und wo die »Roten Teufel« Vorteile haben?

Wir sind stabiler, konstanter in der Leistung. Aber die Bad Nauheimer haben viel Qualität im Kader, irgendwann werden sie wieder eine Erfolgsserie starten.

Als gebürtiger Bad Nauheimer haben Sie von klein an die Rivalität zwischen den Clubs miterlebt. Warum ist sie so groß, was macht sie aus?

Ich glaube, die Gründe sind die Nähe der Standorte und der Neid. Jeder Verein hat etwas, was dem anderen fehlt. Die »Teufel« spielen in einer kleinen Gemeinschaft, in der jeder mit Eishockey verwachsen ist, den Club liebt. Die Löwen haben wieder ein großes Stadion in einer Metropole, eine riesige Fangemeinde und tolle Trainingsbedingungen.

Sie hatten viele Trainer. In Bad Nauheim haben Sie unter Fred Caroll gespielt, in Frankfurt in der DEL unter Pavel Gross und Rich Chernomaz sowie in der Oberliga unter Clayton Beddoes, in Essen unter Markus Berwanger, Michael Rumrich und die letzten Jahre unter Frank Gentges. Wer war Ihr Lieblingstrainer, von wem haben Sie am meisten profitiert?

Menschlich war es Beddoes: ein unheimlich netter Kerl. Sportlich Gross: ein Genie, der wie kaum ein anderer weiß, wie Eishockey trainiert und gespielt wird. Viel verdanke ich Gentges: ein guter Übungsleiter, aber sonst... Hauptsächlich seinetwegen habe ich meine aktive Karriere beendet. Im Nachhinein: Glück für mich. Sonst wäre ich als Trainer nicht so weit.

Was für ein Typ sind Sie als Trainer?

Ich habe versucht, mir von jedem Trainer das Positive anzueignen. Selbst bin ich an der Bande ein ruhiger Coach, es gehört schon einiges dazu, dass ich mich aufrege. Um zu lernen, war ich nun zwei Sommer hintereinander als Hospitant in Finnland.

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