Rene Rudorisch
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Eishockey

Geisterspiele, Staatshilfen, Spielausfälle: Die Bilanz von DEL2-Chef Rudorisch

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Das erste Hauptrunden-Viertel der Deutsche Eishockey-Liga 2 ist absolviert. Liga-Chef Rene Rudorisch zieht im Interview eine erste Bilanz.

Geisterspiele, Staatshilfen, Spielausfälle. Drei Schlagworte hatten den Start der Deutschen Eishockey-Liga 2 begleitet. Nach gut einem Viertel der Saison bezieht DEL 2-Geschäftsführer Rene Rudorisch Stellung.

Rene Rudorisch, nur wenige Spieltage konnten bislang komplett ausgetragen werden. Liegt die Zahl der Verlegungen im Rahmen, der einkalkuliert werden musste?

Grundlegend war uns klar, dass wir coronabedingte Spielausfälle haben werden. Dass wir relativ schnell zu Beginn eine recht hohe Ausfallquote hatten, war etwas überraschend. Jedoch haben die Clubs insgesamt sehr gut mitgearbeitet, waren flexibel, sodass wir dennoch gut durchgekommen sind.

Zeitweise hatten vier Klubs zeitgleich pausieren müssen. Ab welchem Zeitpunkt müssten Sie sich mit einer Saisonunterbrechung oder einem -abbruch beschäftigen?

Mit einem Abbruch beschäftigen wir uns aktuell gar nicht. Eine Unterbrechung könnte notwendig werden, wenn über die Hälfte der Teams nicht spielfähig wären. Hier hoffen wir, dass wir davon verschont bleiben.

Sehen Sie die Gefahr, dass eine Spielabsage von Klubs auch als taktisches Mittel eingesetzt werden könnte?

Das ist eine mögliche Gefahr, allerdings sehe ich diese aktuell für die DEL2-Klubs überhaupt nicht. Alle Klubs arbeiten sehr verlässlich im Rahmen unserer Vorgaben und bezogen auf unsere getroffenen Beschlüsse solidarisch. Sie sind gewillt, so viele Spiele wie nur möglich umzusetzen - auch im Sinne der Spieler.

Deutschland befindet sich im Lockdown. Inwiefern ist es gesellschaftlich vertretbar oder auch von Bedeutung, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten?

Für den Sport ist es von enormer Bedeutung, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Aufgrund des gültigen Verbotes von Zuschauern ist der Profisport generell auf das reine Berufsbild der Sportler reduziert. Kontakte werden auf ein Minimum reduziert - nämlich auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wie in der Wirtschaft auch. Umfangreiche und genehmigte Hygienekonzepte sichern das Fortbestehen unseres Sports. Unsere Eishockey-Liebhaber, Fans und Sponsoren können zudem die Spiele im Livestream verfolgen, und wir bieten somit eine sportliche Abwechslung zum Alltag.

Die Klubs sitzen alle im gleichen Boot. Solidarität ist an vielen Stellen gefordert. Diese wurde im ersten Saisonviertel durch den EV Landshut zwischenzeitlich aber auch öffentlich infrage gestellt. Hat die Pandemie Klubs zusammengebracht oder auseinanderdriften lassen?

Ich spüre in der Liga unheimlich viel Solidarität und ein Miteinander - und das schon über den gesamten Sommer hinweg. Es ist auch nicht die Zeit für Quertreiber. Sie würden das System gefährden. Den Fall Landshut haben wir intern gemeinsam besprochen. Sicher war dies auch für den Klub keine einfache Situation, dennoch im Regelwerk bei uns klar beschrieben. Das war eine punktuelle Geschichte und kein Infragestellen des generellen Miteinanders. Die Klubs sind in keinsterweise auseinandergedriftet, sondern stehen weiter eng zusammen.

Die Saison war wirtschaftliche "auf Sicht" gestartet worden. Inwiefern ist - Stand heute - finanziell gewährleistet, möglicherweise die komplette Saison ohne Fans bestreiten zu können?

Wir müssen uns darauf einstellen, und die Klubs arbeiten hart dafür dies zu realisieren. Doch wie wir es von Anfang an gesagt haben, wird es ohne Unterstützung nicht gehen. Diese betrifft die Sponsoren an den Standorten, die hoffentlich auch weiterhin bereit sind, den Weg im Sinne des Sports und unserer Aktiven auf dem Eis mit uns zu gehen. Die Fans, die die Klubs aktiv unterstützen, sind ebenfalls von enormer Bedeutung. Und natürlich auch die Politik. Die Beihilfe Profisport für das Jahr 2020 hat positive Wirkung bei den DEL2-Klubs gezeigt. Hier gilt es, gemeinsam notwendige Weiterführungen und weitere Unterstützungen auch für 2021 zu gewährleisten.

Wie sind - unter dem Aspekt staatlicher Hilfen - nachträgliche transferpolitische Aktivitäten zu bewerten?

Die Klubs arbeiten derzeit in den vor der Saison abgesteckten Budgets. Eine wirtschaftliche Grundvorsicht existiert in jedem Klub. Ich sehe bei Neuverpflichtungen auch keinen konträren Part zu staatlichen Unterstützungsleistungen. Eben weil auch die Inanspruchnahme der Beihilfe voraussetzt, dass im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten ein Trainings- und Wettkampfsystem aufrecht erhalten werden muss und somit auch ein sportlicher Wert, wie beispielsweise bei uns ein Auf- und Abstieg zur Anwendung kommt. Zudem benötige ich für die Teilnahme am Wettkampf ein spielfähiges Team. Entscheidend ist, dass alle Aktivitäten unter kaufmännischer Vorsicht und einer derzeit nicht ganz so einfachen Weitsicht geprüft und vorgenommen werden. FOTO: CHUC

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