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Patrick Strauch

Eishockey

Ex-Teufel Patrick Strauch im DEB-Trainerteam: Wie die U20 in die A-WM geht

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Patrick Strauch gehört dem Trainerstab der U20-Nationalmannschaft an. Im Interview spricht der Ex-Kapitän des EC Bad Nauheim über die A-WM, über Hoffnungen auf den Klassenerhalt und Sorgen mit Blick auf die Nachwuchs-Liga.

Er war Kapitän der Roten Teufel, er hat in Bad Nauheim seine aktive Laufbahn beendet, bekam im Colonel-Knight-Stadion (zusammen mit Alexander Baum) ein Abschiedsspiel, und er hat in der Wetterau auch privat seine Liebe gefunden: Patrick Strauch. Bei der U 20-Weltmeisterschaft ab Donnerstag in Tschechien ist der 40-Jährige - hauptberuflich am DEL-Standort Köln als U 17-Trainer und U 20-Assistenz-Coach tätig - Mitglied im Trainerstab des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). In der Vorrunden-Gruppe trifft die Mannschaft von Headcoach Tobias Abstreiter in der Vorrunde auf die USA (27. Dezember/19 Uhr), Tschechien (28. Dezember/15 Uhr), Kanada (30. Dezember/15 Uhr), Russland (31. Dezember/15 Uhr). Die besten vier Nationen qualifizieren sich für das Viertelfinale. Der Gruppenletzte spielt gegen das Schlusslicht der Parallel-Staffel um den Klassenerhalt. Vor dem Turnierstart spricht Ex-Teufel Patrick Strauch über seine Rolle im Trainerstab, erklärt, warum die Fahrstuhl-Nation Deutschland den Klassenerhalt schaffen kann, ihm das Niveau der Deutschen Nachwuchs-Liga aber Sorgen bereitet.

Patrick Strauch, herzlichen Glückwunsch. Sie arbeiten erst in der vierten Saison als Coach und sind bereits Mitglied im DEB-Trainerstab. Wie kam’s dazu?

In Köln bin ich seit vier Jahren Assistent bei der U 20 und coache zudem als Cheftrainer die U 17. Ich denke, ich habe mich über eine gute und zielstrebige Arbeit empfehlen können. Anfang des Jahres war ich schon bei der U 17-Nationalmannschaft dabei, nun hat mich Tobi Abstreiter gefragt, ob ich bei den ersten U 20-Maßnahmen mitmachen möchte. Ja, dann ging alles relativ schnell, und jetzt bin ich in Tschechien.

U 20-Bundestrainer Tobias Abstreiter hat mit Herren-Bundestrainer Toni Söderholm und Ilpo Kauhanen neben Ihnen zwei weitere Assistenten. Was ist Ihre Aufgabe?

Tobi und Toni geben das System vor, Ilpo kümmert sich als ehemaliger Torhüter natürlich um die Keeper, und meine Hauptaufgabe ist das Powerplay. Wir alle verstehen uns sehr gut, haben einen tollen und regen Austausch untereinander. Am Ende entscheidet aber Tobi Abstreiter. Er ist der Chef der U 20.

Deutschland war in der Vergangenheit eine Fahrstuhl-Mannschaft. Was spricht für den Klassenerhalt, das große Ziel?

Der Zusammenhalt, die Stimmung im Team. Die Jungs kennen sich schon lange, und entsprechend schnell haben wir uns als Mannschaft gefunden. Wichtig ist, dass wir als Team auftreten, dass jeder für jeden einsteht, wenn auch Fehler passieren. Wir wollen uns über eine gute Defensive definieren, kompakt stehen, Schüsse blocken und wenig zulassen. Irgendwann wird unsere Chance kommen, und offensiv haben wir die Qualität, Tore zu erzielen. Die Möglichkeiten müssen wir dann nutzen.

Inwiefern hat sich das Niveau der DNL während der letzten Jahre verändert?

Das Niveau sinkt zunehmend. Das ist nunmal so. Und wie es momentan läuft sollte das nicht der Anspruch an unsere Nachwuchs-Elite-Liga sein. Mir liegt die Entwicklung der jungen Spieler am Herzen. Und wenn es danach geht, dann müssen wir - und das soll nicht anderen Klubs gegenüber despektierlich klingen - in einer Saison 25 Spiele gegen Mannheim bestreiten. Nur das sind Spiele, die uns wirklich weiterbringen. Köln und Mannheim sind einfach die Top-Mannschaften.

Was sind Gründe für diese Entwicklung?

Ein Grund ist sicherlich die U 21-Regel. Jeder Profi-Klub braucht junge Spieler. Das heißt: Spieler, die in unserer Liga gut aufgehoben wären, spielen plötzlich in der DEL. Ein Tim Stützle beispielsweise gehört dort auch hin. Andere wechseln in die Oberliga, die in Sachen Trainingsumfang nicht mit Nachwuchsstandorten wie Köln oder Mannheim zu vergleichen ist. Der eine oder andere geht zudem eher mal ins Ausland als das in der Vergangenheit der Fall war. Und solche Spieler fehlen natürlich in der DNL.

Ein positives Beispiel, wie es auch gehen kann, ist Niklas Heyer.

Ja. Bevor er in Bad Nauheim nur zuschaut, kann er bei uns Spielpraxis in der U 20-Mannschaft sammeln. Leider wird das nicht überall so gehandhabt. Mancher Spieler könnte im umfangreichen Trainings- und Spielbetrieb der DNL besser gefördert werden als im Erwachsenenbereich.

Sie bewegen sich in den kommenden Tagen im Kreis der Top-Nationen. Was können sie persönlich aus diesem Turnier mitnehmen?

In erster Linie ist es natürlich eine große Ehre, als junger Trainer bei der WM für Deutschland an der Bande stehen zu dürfen. Ich kann hier brutal viel lernen, sauge alles auf, kann Kontakte knüpfen und vertiefen. Man ist ohnehin mit Kollegen immer im regen Austausch. Aber das ist nun eine große Bühne. Ich freue mich drauf.

Im DNL-Duell Köln - Mannheim hatten in der Vergangenheit meist die Jungadler das bessere Ende für sich. Was läuft in diesem Jahr anders?

Mannheim spielt ohne End-Jahrgänge, ohne die 2000er. Das darf man sicher nicht vergessen. Aber wir machen auch einen guten Job. Die Spiele mit Mannheim waren immer eng und intensiv, die Jungadler spielen mit vier ausgeglichenen Reihen. Das bringt die Jungs in ihrer Entwicklung weiter. Das macht Spaß.

FOTO: CHUC

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