Zuversicht

»Emotionale Rahmenbedingungen« in Bad Nauheim

  • Michael Nickolaus
    VonMichael Nickolaus
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Eishockey-Zweitligist EC Bad Nauheim hatte am Dienstagabend zum Sponsorentreffen geladen. Die sportliche Situation wurde ebenso beleuchtet wie die Wettbewerbsfähigkeit des Colonel-Knight-Stadion und die Bedeutung der WM im Mai im eigenen Land.

Stefan Schaidnagel war da. Der Ex-Teufel ist beim Deutschen Eishockey-Bund als »Bundestrainer Ausbildung und Wissenschaft« tätig. Günter Oswald stand neben ihm auf dem Podium. Ein Ex-Nationalspieler, der heute als Spielerberater tätig ist und sein Klientel in Bad Nauheim besucht hat. Und natürlich auch Rene Rudorisch. Der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga 2 ist bei Anlässen wie diesen ein gerngesehener Gast der Roten Teufel. Zweitligist EC Bad Nauheim hatte zum Sponsorentreffen am Dienstagabend im Porsche-Zentrum Gießen illustre Talk-Gäste eingeladen. Unter der Moderation von Julia Nestle wurde auf die Entwicklung des Sports und die Bedeutung der Heim-WM im Mai geblickt, ehe Geschäftsführer Andreas Ortwein, Neu-Gesellschafter Martin Schröer und Beiratssprecher Michael Richly über die sportliche Situation und künftige Projekt sprachen. Für die Unterhaltung der mehr als 100 Werbepartner und Unterstützer - so viele waren einer Einladung bislang noch nie gefolgt - sorgten Boris Meinzer, der FFH-Dummfrager, sowie das Speed-Stacking-Team Butzbach, das Becherstapeln in Rekordzeit demonstrierte und zum Mitmachen einlud. - Die wichtigsten Themen des Abends.

Die Entwicklung der DEL 2: Rene Rudorisch ist zufrieden. »Die Abstände sind gering. Markante Positionen wie die Plätze vier, sechs, acht und zehn sind umkämpft. Trotz der unterschiedlichen strukturellen Voraussetzungen der Standorte. Ein Wochenende kann vieles auf den Kopf stellen«, sagt der DEL 2-Chef, der im Laufe der Saison mehrfach in Bad Nauheim zu Gast war. »Der EC kommt aus einer sehr erfolgreichen Saison. Das darf man nicht vergessen, und man darf nicht vergleichen. Ich denke, dass - unabhängig der Platzierung - gutes Eishockey gespielt wird.« Ein Standort wie Bad Nauheim zeichne sich zudem durch »emotionale Rahmenbedingungen« aus. »Man spürt, wie die Leute ticken, mit welcher Begeisterung dort gearbeitet wird.« Dass nach drei Jahren ohne sportlichen Absteiger in diesem Sommer tatsächlich ein Klub die DEL2 verlassen muss, sieht er als »realistisch« an, wie er später auf WZ-Nachfrage sagt. Es gebe Drittligisten, die Interesse haben, im Falle es sportlichen Erfolges auch aufzusteigen. Meldefrist ist Mitte Februar.

Das Fünf-Sterne-Konzept: Stefan Schaidnagel hat einst für Bad Nauheim gespielt. Heute prägt er die Entwicklung des Sports im Verband, setzt das Programm »Powerplay 26« und das damit verbundene »Fünf-Sterne-Konzept« um. Diese Zertifizierung sei ein Instrument, »um einerseits unsere Arbeit selbst zu bewerten und anderseits Hilfe zur Selbsthilfe geben zu können«, sagt er. Man stehe mit anderen Sportarten im Konkurrenzkampf um den Nachwuchs und müsse Weg finden, die Kinder für Eishockey zu begeistern. Den Standort Bad Nauheim kenne er von mehreren Besuchen, und er begrüße den »Nauheimer Weg.« Man müsse schauen, welche Möglichkeiten am Standort zur Verfügung stehen und ob diese ausgeschöpft werden. »Unser Ansinnen ist es, im Dialog mit allen Partnern und Beteiligten Ort Lösungen zu bauen und Eishockey nach vorne zu bringen«, berichtet er über seine Arbeit.

Die sportliche Situation der Roten Teufel: Die Tabellenposition zu Saisonbeginn habe »vielleicht ein bisschen geblendet«, sagt Trainer Petri Kujala. »Auf Platz fünf oder sechs dachte jeder, alles sei gut. Aber die Abstände waren gering. In der schwächeren Phase sei man dann eben schnell durchgereicht worden. »Wenn ich sehe wie sich die Jungs in 90 Prozent der Spiele präsentiert haben, fällt es mit leicht, damit umzugehen und mich vor die Mannschaft zu stellen. Ja, wir werden Ergebnissen gemessen, und die haben nicht gestimmt. Aber die Jungs arbeiten gut. Die Einstellung stimmt. Das macht Mut, und deshalb mache ich mir auch keine Sorgen.«

Die Heim-WM: Man konkurriere mit Sportarten wie Handball oder Basketball um Aufmerksamkeit in den Medien, sagt Rudorisch und sieht die WM als Chance. »Wir wollen neue Leute an die Sportart heranführen; ob als Zuschauer, Sponsor oder auch Nachwuchsspieler. Die WM 2010 hat gezeigt, wie ein solches Event beflügeln kann.«

Der Umgang mit Kritik: Er sei offen für jeden sachlichen Dialog, für jede respektvoll vorgetragene Kritik, sagt Andreas Ortwein. Der Geschäftsführer betonte - mit neunjähriger Erfahrung: »Ich bin inzwischen aber immun gegen anonym und respektlos vorgetragene Anfeindungen im Internet.« Michael Richly, der Beiratssprecher, sieht sich in seinen Warnungen vor einer zu hohen Erwartungshaltung nach dem Vorjahr bestätigt. Gerade als kleiner Verein sei man von den Ergebnissen der Mannschaft und den Zuschauern abhängig. Deshalb sei am Kader nicht gespart worden. »Natürlich sind die letzten Wochen nervenaufreibend. Und natürlich machen wir uns Gedanken, was wir besser machen können. Ich habe aber sehr großes Vertrauen in die Mannschaft und den Trainer, und mein Wunsch ist es, dass das Umfeld mehr Gelassenheit zeigt und gerade jetzt den Standort unterstützt, damit wir zum nächsten Jahr Dinge in positiver Weise verändern können.«

Projekte: Wie lange ist Bad Nauheim mit dem Colonel-Knight-Stadion in der DEL 2 noch wettbewerbsfähig? »Die politischen Gremien müssen einen langfristigen Plan aufstellen, um zu zeigen, wohin die Reise geht«, sagt Ortwein. Bislang waren mit Unterstützung der Werbepartner viele kleinere Projekte einzeln angegangen worden. »Vermarktungspotenziale, Cateringerlöse, neues Zuschauerklientel - man muss die Gesamtsituation betrachten. Entscheidend ist es, ein wettbewerbsfähiges Umfeld herzustellen, dass uns langfristig mehr Potenzial gibt. Wenn wir das nicht angegangen wird, wird es ganz schwer«, prophezeit der Geschäftsführer.

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