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Auf einen Kaffee im Pane e Vino am Aliceplatz: WZ-Sportredakteur Michael Nickolaus trifft Trainer Christof Kreutzer vom Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim.

EC Bad Nauheim

EC-Trainer Christof Kreutzer im großen Interview vor dem Trainingsauftakt: Höheres Tempo, größere Qualität

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Der EC Bad Nauheim geht mit großer Vorfreude in die DEL 2-Saison-Vorbereitung. Trainer Christof Kreutzer erklärt im WZ-Interview die Kaderplanung, nennt Ziele und findet kritische Worte.

Der EC Bad Nauheim hat in drei der letzten vier Jahren die Playoff-Spiele erreicht. Ein Dauerkartenrekord wurde aufgestellt. Das Winter-Derby weckt Vorfreude, das Projekt Arena ist angeschoben. Die Roten Teufel gehen mit großer Vorfreude in die DEL 2-Saison-Vorbereitung. Trainer Christof Kreutzer erklärt im WZ-Interview die Kaderplanung, nennt Ziele und findet kritische Worte.

Christof Kreutzer, beim Blick auf den Kader fällt auf, dass gerade einmal drei Spieler älter als 30 Jahre sind. Spielen Sie in der Kabine den Kindergarten-Cop?

Christof Kreutzer:Nein, dieses Gefühl habe ich nicht. Die Förderlizenzspieler drücken sicherlich den Schnitt, aber wir haben auch erfahrene Spieler geholt, zwischen 25 und 29 Jahren, im besten Alter also. Ich will mit Jungs arbeiten, die noch etwas erreichen wollen, die willig sind. Deshalb passt das.

Sie haben mit Ihrem DEL 2-Engagement im Vorjahr Neuland betreten. Inwiefern haben Sie Ihre Schlüsse gezogen und diese in die Kaderplanung einfließen lassen?

Kreutzer:Mein Bestreben war es, mehr Tempo auf das Eis zu bekommen und in der einen oder anderen Spielsituation mehr Erfahrung einsetzen zu können. Zudem glaube ich, das wir im Bereich der deutschen Schlüsselspieler die Qualität erhöht haben. Die Liga wird insgesamt auf einem höheren Level sein als im Vorjahr, weil der eine oder andere Spieler aus der DEL runtergekommen ist.

Bildergalerie: Das sind die Spieler im Kader des EC Bad Nauheim für die Saison 2019/2020

Torhüter: Nach seiner Rückkehr von den Löwen Frankfurt mitten in der Saison ist Felix Bick (r.) - hier beim Saisonabschluss mit Pressechefin Jana Duderstadt - auch in der neuen Spielzeit die Nummer eins des EC Bad Nauheim.
Torhüter: Nach seiner Rückkehr von den Löwen Frankfurt mitten in der Saison ist Felix Bick (r.) - hier beim Saisonabschluss mit Pressechefin Jana Duderstadt - auch in der neuen Spielzeit die Nummer eins des EC Bad Nauheim. © Nici Merz
Torhüter: Bastian Kucis (r.) war bereits bei den Löwen Frankfurt in der vergangenen Saison ein Torwart-Team. Nun kommt der Spieler der Kölner Haie beim neuen Kooperationspartner seines Klubs, dem EC Bad Nauheim, zum Einsatz. Mit ihm kommen die Verteidiger Colin Ugbekile, Simon Gnyp, Maximilian Glötzl sowie die Stürmer Mick Köhler, Robin Palka, Dani Bindels, Nicolas Cornett und Erik Betzold aus Köln nach Bad Nauheim.
Torhüter: Bastian Kucis (r.) war bereits bei den Löwen Frankfurt in der vergangenen Saison ein Torwart-Team. Nun kommt der Spieler der Kölner Haie beim neuen Kooperationspartner seines Klubs, dem EC Bad Nauheim, zum Einsatz. Mit ihm kommen die Verteidiger Colin Ugbekile, Simon Gnyp, Maximilian Glötzl sowie die Stürmer Mick Köhler, Robin Palka, Dani Bindels, Nicolas Cornett und Erik Betzold aus Köln nach Bad Nauheim. © Jan Huebner
Verteidigung: Der finnische Verteidiger Jesper Kokkila erhält mit 20 Jahren als jüngster Kontigentspieler das Vertrauen auf einer Schlüsselposition beim EC Bad Nauheim.
Verteidigung: Der finnische Verteidiger Jesper Kokkila erhält mit 20 Jahren als jüngster Kontigentspieler das Vertrauen auf einer Schlüsselposition beim EC Bad Nauheim. © Imago
Verteidigung: Daniel Ketter ist der einzige Spieler, der mit dem EC Bad Nauheim 2013 bereits die Oberliga-Meisterschaft gefeiert hat. Der dienstälteste Spieler des Kaders hatte das Trikot der Roten Teufel bereits zu Junioren-Zeiten getragen.
Verteidigung: Daniel Ketter ist der einzige Spieler, der mit dem EC Bad Nauheim 2013 bereits die Oberliga-Meisterschaft gefeiert hat. Der dienstälteste Spieler des Kaders hatte das Trikot der Roten Teufel bereits zu Junioren-Zeiten getragen. © Nici Merz
Verteidigung: Aaron Reinig - hier im Trikot des ESV Kaufbeuren - tritt in die Fußstapfen seines Vaters und läuft in der kommenden Saison für den EC Bad Nauheim auf.
Verteidigung: Aaron Reinig - hier im Trikot des ESV Kaufbeuren - tritt in die Fußstapfen seines Vaters und läuft in der kommenden Saison für den EC Bad Nauheim auf. © Andreas Chuc
Verteidigung: "Mister Unverwüstlich" alias Steve Slaton - hier mit seinen beiden Kindern - war 2017 aus Bremerhaven in die Wetterau gekommen. Der 38-Jährige überzeugte in der vergangenen Saison vor allem durch sein Unterzahl-Spiel. Dem "Dauerbrenner", der kein Spiel in Bad Nauheim bislang verpasst hat, fehlt nun nur noch ein Tor.
Verteidigung: "Mister Unverwüstlich" alias Steve Slaton - hier mit seinen beiden Kindern - war 2017 aus Bremerhaven in die Wetterau gekommen. Der 38-Jährige überzeugte in der vergangenen Saison vor allem durch sein Unterzahl-Spiel. Dem "Dauerbrenner", der kein Spiel in Bad Nauheim bislang verpasst hat, fehlt nun nur noch ein Tor. © A. Chuc
Verteidigung: Daniel Stiefenhofer war in der vergangenen Saison einer der erfolgreichsten Torschützen im Powerplay des EC Bad Nauheim. Der Verteidiger war 2017 vom Oberligisten Regensburg nach Hessen gekommen und wurde in der ersten Saison unter Trainer Christof Kreutzer gleich mit dem Spitznamen "deutsche Eiche" bedacht.
Verteidigung: Daniel Stiefenhofer war in der vergangenen Saison einer der erfolgreichsten Torschützen im Powerplay des EC Bad Nauheim. Der Verteidiger war 2017 vom Oberligisten Regensburg nach Hessen gekommen und wurde in der ersten Saison unter Trainer Christof Kreutzer gleich mit dem Spitznamen "deutsche Eiche" bedacht. © Nici Merz
Verteidigung: Jan Wächtershäuser ist einer von zwei eigenen Nachwuchsspielern, die prinzipiell für den Profi-Kader infragekommen. Der 18-jährige Gießener ist hauptsächlich in der Deutschen Nachwuchs-Liga im Einsatz.
Verteidigung: Jan Wächtershäuser ist einer von zwei eigenen Nachwuchsspielern, die prinzipiell für den Profi-Kader infragekommen. Der 18-jährige Gießener ist hauptsächlich in der Deutschen Nachwuchs-Liga im Einsatz. © Privat/EC Bad Nauheim
Sturm: Es war die Rückkehr des Jahres, als bekannt wurde, dass Publikumsliebling Andreas Pauli nach einer Saison bei seinem Heimatverein Tölzer Löwen zurück zum EC Bad Nauheim kommt. Der 25-Jährige hatte zuvor drei Spielzeiten für die Kurstädter gespielt.
Sturm: Es war die Rückkehr des Jahres, als bekannt wurde, dass Publikumsliebling Andreas Pauli nach einer Saison bei seinem Heimatverein Tölzer Löwen zurück zum EC Bad Nauheim kommt. Der 25-Jährige hatte zuvor drei Spielzeiten für die Kurstädter gespielt. © Andre as Chuc
Sturm: Marcel Kahle bleibt auch eine zweite Saison in der Wetterau. Der 25-Jährige hatte sich laut Trainer Kreutzer vor allem in Unterzahl zu einem wichtigen Baustein im Team entwickelt, nachdem er im Sommer vergangenen Jahres aus Iserlohn in die Kurstadt gekommen war.
Sturm: Marcel Kahle bleibt auch eine zweite Saison in der Wetterau. Der 25-Jährige hatte sich laut Trainer Kreutzer vor allem in Unterzahl zu einem wichtigen Baustein im Team entwickelt, nachdem er im Sommer vergangenen Jahres aus Iserlohn in die Kurstadt gekommen war. © Andreas Chuc
Sturm: Nur noch ein Teil des dynamischen Brüder-Duos aus dem Hause Sylvester stürmt künftig für den EC Bad Nauheim: Cody (r.). Dustin - in der vergangenen Saison noch Topscorer - hat seine Karriere beendet, ist zurück in seine kanadische Heimat gegangen und will sich dort beruflich neu orientieren. Cody hingehen geht bereits in seine dritte Spielzeit in der Wetterau.
Sturm: Nur noch ein Teil des dynamischen Brüder-Duos aus dem Hause Sylvester stürmt künftig für den EC Bad Nauheim: Cody (r.). Dustin - in der vergangenen Saison noch Topscorer - hat seine Karriere beendet, ist zurück in seine kanadische Heimat gegangen und will sich dort beruflich neu orientieren. Cody hingehen geht bereits in seine dritte Spielzeit in der Wetterau. © A. Chuc
Sturm: Er ist erst 20 Jahre alt, dennoch geht Marvin Ratmann in seine dritte Saison beim EC Bad Nauheim. Der 1,91 Meter große Rheinländer hatte in der abgelaufenen Saison als zehnter Stürmer zwar oft nur eine Reservistenrolle, erzielte aber dennoch sieben Tore und fünf Vorlagen. 
Sturm: Er ist erst 20 Jahre alt, dennoch geht Marvin Ratmann in seine dritte Saison beim EC Bad Nauheim. Der 1,91 Meter große Rheinländer hatte in der abgelaufenen Saison als zehnter Stürmer zwar oft nur eine Reservistenrolle, erzielte aber dennoch sieben Tore und fünf Vorlagen.  © A. Chuc
Sturm: Er war der erste Kontingentspieler im Kader für die neue Saison - Zach Hamill. Der ehemalige NHL-Erstrundendraft aus Kanada hat sein Wandervogel-Image in der Wetterau offenbar abgelegt. Nach zwölf Stationen in sechs Jahren war er im November in die Kurstadt gekommen und hatte als Wühler mit feinem Händchen überzeugt - 30 Assists zeugen davon. Er soll die Fäden im Offensivspiel der Roten Teufel ziehen. 
Sturm: Er war der erste Kontingentspieler im Kader für die neue Saison - Zach Hamill. Der ehemalige NHL-Erstrundendraft aus Kanada hat sein Wandervogel-Image in der Wetterau offenbar abgelegt. Nach zwölf Stationen in sechs Jahren war er im November in die Kurstadt gekommen und hatte als Wühler mit feinem Händchen überzeugt - 30 Assists zeugen davon. Er soll die Fäden im Offensivspiel der Roten Teufel ziehen.  © Andreas Chuc
Sturm: Der drittbeste Torschütze und Scorer aus der abgelaufenen Saison bleibt ebenfalls in der Wetterau. Andrej Bires verliert zwar in Dustin Sylvester und Radek Krestan die beiden Nebenspieler in seiner Reihe, doch der flinke Flügelspieler will in Bad Nauheim weiter auf sich aufmerksam machen. Der Deutsch-Slowake war vor der vergangenen Spielzeit vom Oberligisten Moskitos Essen gekommen.
Sturm: Der drittbeste Torschütze und Scorer aus der abgelaufenen Saison bleibt ebenfalls in der Wetterau. Andrej Bires verliert zwar in Dustin Sylvester und Radek Krestan die beiden Nebenspieler in seiner Reihe, doch der flinke Flügelspieler will in Bad Nauheim weiter auf sich aufmerksam machen. Der Deutsch-Slowake war vor der vergangenen Spielzeit vom Oberligisten Moskitos Essen gekommen. © Andreas Chuc
Sturm: Der Heimkehrer in der neuen Mannschaft des EC Bad Nauheim ist zweifellos Marc El-Sayed (l.). Nach 450 Spielen in der Deutschen Eishockey-Liga will der 28-Jährige, der in Gambach wohnt, wieder für den Klub auflaufen, dessen Trikot er einst in der Jugend schon getragen hat. Insgesamt 14 Jahre war bis zu seiner Rückkehr für andere Klubs aktiv gewesen.
Sturm: Der Heimkehrer in der neuen Mannschaft des EC Bad Nauheim ist zweifellos Marc El-Sayed (l.). Nach 450 Spielen in der Deutschen Eishockey-Liga will der 28-Jährige, der in Gambach wohnt, wieder für den Klub auflaufen, dessen Trikot er einst in der Jugend schon getragen hat. Insgesamt 14 Jahre war bis zu seiner Rückkehr für andere Klubs aktiv gewesen. © imago/Eibner
Sturm: Der zweite neue Stürmer aus der DEL im künftigen Kader des EC Bad Nauheim heißt Manuel Strodel (am Puck). Der Bruder Nicolas Strodel, der in vergangenen Saison trotz vielversprechender Vorbereitung nicht überzeugt hatte, will unter seinem alten Trainer Christof Kreutzer seine ersten DEL2-Spiele in seiner Vita unterbringen. Bislang hat er über 300 DEL-Spiele für die Düsseldorfer EG auf dem Konto.
Sturm: Der zweite neue Stürmer aus der DEL im künftigen Kader des EC Bad Nauheim heißt Manuel Strodel (am Puck). Der Bruder Nicolas Strodel, der in vergangenen Saison trotz vielversprechender Vorbereitung nicht überzeugt hatte, will unter seinem alten Trainer Christof Kreutzer seine ersten DEL2-Spiele in seiner Vita unterbringen. Bislang hat er über 300 DEL-Spiele für die Düsseldorfer EG auf dem Konto. © imago
Sturm: Der 29-jährige Kanadier Tyler Fiddler (r.) kommt als zweifacher dänischer Meister zum EC Bad Nauheim.
Sturm: Der 29-jährige Kanadier Tyler Fiddler (r.) kommt als zweifacher dänischer Meister zum EC Bad Nauheim. © imago
Sturm: Er ist wieder da! Huba Sekesi versucht sein Glück beim EC Bad Nauheim erneut. Nachdem der Deutsch-Ungar in der vergangenen Spielzeit als Tryout-Spieler in die Wetterau gekommen war, sich aber bereits zu Beginn seines dritten Matches schwer an der Schulter verletzte, bekommt Sekesi nun einen Vertrag für die neue Spielzeit beim EC Bad Nauheim.
Sturm: Er ist wieder da! Huba Sekesi versucht sein Glück beim EC Bad Nauheim erneut. Nachdem der Deutsch-Ungar in der vergangenen Spielzeit als Tryout-Spieler in die Wetterau gekommen war, sich aber bereits zu Beginn seines dritten Matches schwer an der Schulter verletzte, bekommt Sekesi nun einen Vertrag für die neue Spielzeit beim EC Bad Nauheim. © Nici Merz
Sturm: Leon Köhler war in der Saison 2017/18 Topscorer der Deutschen Nachwuchs-Liga 2. Er hat im Anschluss den Weg von Garret Pruden eingeschlagen und ist in den Nachwuchs der Kölner Haie gewechselt, wo er sich auf höherem Niveau weiterentwickeln möchte. Sein Vertrag liegt aber weiter in Bad Nauheim, sodass er - wie Jan Wächtershäuser auch - theoretisch auch für die DEL2-Mannschaft spielberechtigt ist.
Sturm: Leon Köhler war in der Saison 2017/18 Topscorer der Deutschen Nachwuchs-Liga 2. Er hat im Anschluss den Weg von Garret Pruden eingeschlagen und ist in den Nachwuchs der Kölner Haie gewechselt, wo er sich auf höherem Niveau weiterentwickeln möchte. Sein Vertrag liegt aber weiter in Bad Nauheim, sodass er - wie Jan Wächtershäuser auch - theoretisch auch für die DEL2-Mannschaft spielberechtigt ist. © Andreas Chuc

In drei der letzten vier Spielzeiten haben sich die Roten Teufel direkt für das Viertelfinale qualifiziert. Ist Bad Nauheim vor seiner sechsten DEL2-Saison inzwischen ein sicherer Playoff-Kandidat?

Kreutzer:Sicherheit hat man im Sport nie. Aber das ist die Tabellenregion, die wir anstreben. Wir haben grundsätzlich einen guten Kader. Ob und wie das letztlich passt, muss man sehen. Die Klubs, die wir im Vorjahr hinter uns gelassen haben, wollen natürlich an uns vorbeiziehen. Und entsprechend wurden dort auch die Kader gebildet. Bei uns ist sicherlich alles möglich. Aber: Es muss eben auch alles passen. Da darf keiner lange ausfallen. Die deutschen Schlüsselspieler und die Ausländer müssen funktionieren. Die Erfahrung aus den letzten Jahren wird uns sicher helfen.

In welchem Bereich sehen Sie den Kader stärker aufgestellt?

Kreutzer:Sicherlich in der Tiefe. Die Kölner Förderlizenzspieler haben für ihr Alter schon eine gewisse Erfahrung. Wer letztlich da ist, wird man sehen, aber es gibt einen gewissen Pool an Spielern mit guter Qualität. Ich denke nicht, dass wir - wie im Vorjahr - plötzlich mal mit vier Verteidigern und acht Stürmer da stehen.

Die Abgänge hatten in der Summe annähernd 70 Treffer erzielt. Wie soll das kompensiert werden?

Kreutzer:Unsere deutschen Spieler stehen da sicher in der Verantwortung. Ich denke, wir haben drei Reihen, die Spiele entscheiden können, zudem in der vierten Reihe höhere Qualität und Beständigkeit. Wir sind überzeugt, dass unsere Stürmer auch ihre Defensivaufgaben besser erfüllen, und insofern sollten wir auch weniger Gegentore bekommen. Insgesamt haben wir eine sehr gute Balance im Kader. Ob ein Marc El-Sayed beispielsweise 15 Tore schießt, kann ich sicher nicht sagen. Aber er hat die Veranlagung und die Fähigkeiten dazu. Er - und auch andere - werden andere Rollen spielen als zuletzt, werden in anderen Spielsituationen eingesetzt und mehr Eiszeit erhalten. Ich bin deshalb überzeugt, dass wir die Abgänge kompensieren können.

Klubs wie Dresden oder Kassel, die Bad Nauheim hatte hinter sich lassen können, rüsten enorm auf; Heilbronn hat Qualität verpflichtet, Landshut ist kein klassischer Aufsteiger. Wo sehen Sie Ihr Team?

Kreutzer:Viele Klubs rüsten auf, ja. Bei dem einem passt’s, beim anderen vielleicht nicht. Da müssen wir auch bei uns schauen, wo wir stehen. Unser Mindestanspruch sollten die Pre-Playoffs sein, keine Frage. Natürlich wollen wir in Richtung Platz sechs arbeiten. Vom Gefühl her können wir das schaffen, aber für eine Prognose ist es noch zu früh. Es muss - wie angesprochen - alles passen.

Sie schenken Jesper Kokkila das Vertrauen. Er ist mit 20 Jahren der jüngste Ausländer der DEL 2. Warum trauen Sie ihm diese Rolle als Führungsspieler zu?

Kreutzer:Natürlich haben wir uns intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt und das Für und Wider abgewogen. Deutsche Verteidiger sind grundsätzlich schwer zu finden. Wie sieht’s bei einem Mitte-30er, der vielleicht aus der DEL kommt, beim Preis-Leistungs-Verhältnis aus? Was ergibt Sinn? Sollen wir vielleicht bis September warten, weil der Spieler noch immer auf die DEL hofft? Nein. Ich habe keine Lust, zu warten, bis sich der Herr dann entscheidet. Ein solcher Spieler muss auch wirklich nach Bad Nauheim und in die DEL2 wollen. Und Jesper Kokkila hat diesen Willen, er sieht hier seine Chance. Ob er funktioniert? Das muss man sehen. Das ist bei einem erfahrenen Spieler aber nicht anders. Tyler Fiddler kommt als zweifacher Titelträger - auch das ist keine Garantie. Man muss einem Jesper Kokkila sicher auch Fehler zugestehen. Das mach ich bei einem 20-Jährigen aber lieber als bei einem alten Spieler. Und warum kommen die Ausländer meist als Mitte-20er nach Europa? Weil sie vorher auf eine Chance in Nordamerika hoffen und gar nicht erst auf dem europäischen Markt sind.

EC Bad Nauheim: Was die Roten Teufel im Sommer machen

Auf dem Center-Court – Felix Bick und seine Lebensgefährtin Schanis haben einen Kurz-Trip nach Paris mit einem Besuch bei den French Open verbunden.
Auf dem Center-Court – Felix Bick und seine Lebensgefährtin Schanis haben einen Kurz-Trip nach Paris mit einem Besuch bei den French Open verbunden. © 
Das Glück dieser Erde . . . – Andrej Bires ist Naturbursche. In seiner Heimat verbringt der gebürtige Slowake viel Zeit auf dem Rücken eines Pferdes in den Wäldern.
Das Glück dieser Erde . . . – Andrej Bires ist Naturbursche. In seiner Heimat verbringt der gebürtige Slowake viel Zeit auf dem Rücken eines Pferdes in den Wäldern. © 
Fahrrad statt Schlittschuhe – Marc El-Sayed (rechts) tourt gerne auf dem Drahtesel durch den Taunus; hier mit seinem Freund Tobias Etzel, der für Neuwied in der Regionalliga spielt.
Fahrrad statt Schlittschuhe – Marc El-Sayed (rechts) tourt gerne auf dem Drahtesel durch den Taunus; hier mit seinem Freund Tobias Etzel, der für Neuwied in der Regionalliga spielt. © 
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten - Marcel Kahle und seine Lebensgefährtin waren im Sommer in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio am Ufer des Eriesees.
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten - Marcel Kahle und seine Lebensgefährtin waren im Sommer in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio am Ufer des Eriesees. © 
Urlaub mit Freunden – Daniel Ketter und seine Frau Sandra lassen es sich mit Freunden in Cala Millor auf der Baleareninsel Mallorca gut gehen.
Urlaub mit Freunden – Daniel Ketter und seine Frau Sandra lassen es sich mit Freunden in Cala Millor auf der Baleareninsel Mallorca gut gehen. © 
Gipfelstürmer: Daniel Stiefenhofer (links) und Andreas Pauli (rechts) sind zur Vilser Alm in Füssen marschiert. Mit dabei: Dominik Meisinger, Ex-Teufel und bei den Löwen Frankfurt unter Vertrag.
Gipfelstürmer: Daniel Stiefenhofer (links) und Andreas Pauli (rechts) sind zur Vilser Alm in Füssen marschiert. Mit dabei: Dominik Meisinger, Ex-Teufel und bei den Löwen Frankfurt unter Vertrag. © 
Im Wüstenstaat Abu Dhabi – Marvin Ratmann (rechts) war mit Ex-Teufel Nicklas Mannes (inzwischen Bayreuth) im mittleren Osten und schickt diesen Gruß aus dem klimatisierten Louvre.
Im Wüstenstaat Abu Dhabi – Marvin Ratmann (rechts) war mit Ex-Teufel Nicklas Mannes (inzwischen Bayreuth) im mittleren Osten und schickt diesen Gruß aus dem klimatisierten Louvre. © 
Chillen am Rushford Lake – Aaron Reinig und seine Freundin Ryann nutzen den Sommer, um mit dem Boot rauszufahren.
Chillen am Rushford Lake – Aaron Reinig und seine Freundin Ryann nutzen den Sommer, um mit dem Boot rauszufahren. © 
Gute Laune auf der Insel – Manuel Strodel und seine Lebensgefährtin Franziska haben die Sonne zusammen mit Freunden auf der Party-Insel Ibiza genossen.
Gute Laune auf der Insel – Manuel Strodel und seine Lebensgefährtin Franziska haben die Sonne zusammen mit Freunden auf der Party-Insel Ibiza genossen. © 
Kleine Fische, große Fische – Huba Sekesi hat im US-Bundesstaat Minnesota seine Schulterverletzung behandeln lassen und die freie Zeit zum Angeln genutzt.
Kleine Fische, große Fische – Huba Sekesi hat im US-Bundesstaat Minnesota seine Schulterverletzung behandeln lassen und die freie Zeit zum Angeln genutzt. © 

Sie haben den Kooperationspartner gewechselt. Welche Hoffnungen verbinden Sie nun in der Zusammenarbeit mit den Kölner Haien?

Kreutzer:Ich war als DEL-Trainer auch schon auf der anderen Seite einer Partnerschaft und kenne daher beide Seiten. Der Austausch im Vorjahr lief nicht immer, wie ich mir das vorgestellt habe. Der Pool an Spielern war zudem recht klein. Das ist sicher ein Grund. Ich denke, das kann mit Köln besser laufen, allein schon, weil die Gruppe an möglichen Spielern viel größer ist. Köln lebt die Nachwuchsförderung mehr, hat da finanziell vielleicht auch andere Möglichkeiten und hat gesehen, in welchen Rollen wir - anders als Frankfurt - deren Spieler weiterentwickeln können. Die Löwen haben die DEL im Blick, müssen andere Wege gehen und ihren eigenen Stamm aufbauen. Franz Fritzmeier hat als Löwen-Sportdirektor sicher Nachwuchsförderung im Sinn, muss dies eben aber mit dem großen Ziel in Einklang bringen.

In der Saison 2020/21 spielt die DEL2- einen sportlichen Aufsteiger aus. Inwiefern beeinflussen derlei Ambitionen der Klubs schon jetzt den Markt?

Kreutzer:Das spürt man schon. Die Preise steigen, man wird oftmals überboten, gerade auf dem deutschen Markt wird häufiger mit Zweijahresverträgen gearbeitet. Natürlich haben wir versucht, mit den Vorzügen Bad Nauheims zu punkten. Aber das Stadion mit seinem Komfort ist da auch kein Faktor. Die Tendenz - das ist mein Empfinden - geht noch nicht in Richtung Aufstieg, sondern dazu, nichts mit Platz zehn zu tun haben. Wer zuletzt unten stand, der will einfach raus aus dem Tabellenkeller. Die Liga wird besser und temporeicher. Wer aus der DEL herunterkommt und glaubt, er hat hier ein lockeres Spielchen, der liegt falsch.

Die Perspektivspieler-Regelung ist neu. Inwiefern nimmt diese Einfluss auf die Planungen und das Spiel an sich.

Der Terminplan

Kraft- und Lauftests haben die Vorbereitung eingeleitet. Am Freitag geht’s für 60 Minuten in Limburg auf’s Eis. Am 11. August reisen die Roten Teufel ins Trainingslager nach Dornbirn. Vom 19. bis 22. August trainiert die Mannschaft in Köln. – Die Testspiele: Freitag, 16. August: Dornbirn (A). - Freitag, 23. August: Turnier in Herne (A). - Samstag, 24. August: Turnier in Herne (A). - Sonntag, 25. August: Bayreuth (H). - Freitag, 30. August: Bayreuth (A). - Sonntag, 1. September: Herne (H). - Dienstag, 3. September: Köln (H). -Freitag, 6. September: Freiburg (A). - Sonntag, 8. September: Landshut (H).

Kreutzer: Für die zweite Liga - und gerade für Bad Nauheim, das ohnehin vermehrt auf junge Spieler setzt - wird sich nichts verändern. Ich kann aber die Entscheidungen in der DEL nicht verstehen. In der Liga stehen nun 28 Spieler unter Vertrag, die im Grunde genommen spielen müssen, um in ihrer Entwicklung voranzukommen, die aber kaum Eiszeit bekommen werden. Ihnen werden andere, ältere deutsche Spieler, quasi geopfert, die jetzt in die DEL 2 herunterkommen, wo fast 80 Prozent eigentlich nichts verloren haben, weil sie sich als überdurchschnittliche deutsche Spieler ihren Platz in der DEL erkämpft hatten. Und warum müssen sie weichen? Damit ein unterdurchschnittlicher Ausländer weiter einen Platz bekommt. Dazu kommt, dass die jungen Spieler, die noch nicht bereit sind, sich nicht entwickeln können, wie das in der DEL 2 möglich gewesen wäre. Wie soll ein 20-, 21-Jähriger das aufholen? Für viele wird’s ein verlorenes Jahr. Da frage ich mich, ob das durchdacht ist, ob alle, also Verband, DEL und DEL 2 da wirklich zusammengesessen haben.

Sie kamen aus der DEL und hatten im Vorjahr einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Ist das zweite Jahr in Bad Nauheim auch ihr letztes?

Kreutzer:Nein, das kann man so nicht sagen. Natürlich würde mir eine Rückkehr in die DEL gefallen oder auch ein Engagement im Ausland, aber ich habe nullkommanull das Gefühl, dass ich hier wegmüsste. Das wird man abwarten müssen. Mit Auf- und Abstieg wird sich das Trainerkarrusell schneller drehen, da werden einige in der DEL sicher schneller nervös. Das macht’s für einen Coach nicht leichter. Ich bin für alles offen.

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