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Mit Choreografien wie diesen sorgt der Fanclub "Fanatics" immer wieder für eine tolle Atmosphäre im Colonel-Knight-Stadion.

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Stimmungsboykott beim Winter-Derby - Jetzt reden die Fanclub-Chefs

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Die Stimmungsmacher beim EC Bad Nauheim kündigten am Sonntag einen Stimmungs-Boykott für das Winter-Derby am 14. Dezember an - und erfahren seitdem heftige Kritik. Ein Interview.

Das sorgt für Kopfschütteln! Die Supporter werden das Winter-Derby des EC Bad Nauheim nicht aktiv supporten. Der Fanclub "Fanatics" - im Colonel-Knight-Stadion seit nunmehr 17 Jahren Stimmungsmacher, akkustisch und auch optisch mit zahlreichen Choregrafien - werden das Spiel am 14. Dezember nicht aktiv unterstützen. "Die Fanatics stellen sich gegen Kommerzialisierung und Eventisierung" heißt es unter anderem in einer Stellungnahme, die seit Sonntag in den sozialen Netzwerken ausgiebig diskutiert und fast ausschließlich heftig kritisiert worden ist. Im WZ-Interview bezieht der Fanclub-Vorstand Stellung. Bedingung der vier Fanatics-Gesprächspartner für diesen Dialog war der Verzicht auf eine namentliche Nennung. Dies sei in der Szene, der man sich zugehörig fühle, so üblich.

Das Winter-Derby bietet dem Eissport in Bad Nauheim eine überregionale Bühne. Stellen Sie jetzt die Interessen des Fanclubs über die der Roten Teufel?

Fanatics: Es ist doch nicht so, dass wir das Spiel boykottieren. Wir haben mehr als 100 Tickets geordert. Wir wollen dem Klub ja nicht schaden. Das Winter-Derby ist aber - und das lassen die Eintrittpreise erkennen - fast ausschließlich auf Kommerz ausgerichtet. Das widerspricht unserer Haltung. Die gleiche Haltung haben auch die aktiven Fanszenen beispielsweise in Frankfurt und in Dresden. Das Spiel ist sicher wichtig für den Verein, aber die Wirkung ist nicht nachhaltig, sondern nur an diesem Tag gegeben.

Ist es nicht ein Widerspruch, dann überhaupt vor Ort zu sein?

Fanatics: Nein. Das Geld kommt unserem Verein zu Gute. Wäre es ein Auswärtsspiel, hätten wir uns das sicher gut überlegt.

Warum sehen Sie sich überhaupt in der Position, sich öffentlich zu rechtfertigen?

Fanatics: Unsere Haltung ist seit langem bekannt, und zuletzt wurden wir mehr und mehr drauf angesprochen. Wir haben frühzeitig mit der Geschäftsführung und nun mit dem Spielerrat gesprochen und haben das jetzt bekannt gegeben. Die, die Kritik üben, haben nun also eine faire Chance, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Wir rufen ja nicht zum Boykott des Spiels auf, sondern wir ziehen uns zurück, um ein Zeichen zu setzen.

Stehen nicht die DEL 2 und der Profisport grundsätzlich im Widerspruch zu Ihren Idealen?

Fanatics: Die Fanszene hat mit Initiativen Bewegung reingebracht. Beharrlich hatten wir vor Jahren Zeichen für eine Wiedereinführung von Auf- und Abstieg gesetzt. Ab dem kommenden Jahr wird es umgesetzt. Die Menschen sehen einerseits gerne nordamerikanisches Profi-Eishockey, schimpfen zugleich aber über die fehlende Stimmung in den Arenen. Nicht alles, was aus Amerika kommt, ist gut und muss - wie nun Open-Air-Spiele - übernommen werden. Muss man darauf anspringen? Ich bezweifle, dass auf Dauer mehr Zuschauer kommen. Das Winter-Derby bildet den Sport, der in Bad Nauheim geboten wird, doch inhaltlich nicht ab. Man bietet "Eventies" eine Veranstaltung, diese ist aber nicht nachhaltig.

Das Winter-Derby ist live auch im benachbarten Ausland zu empfangen. Ist das nicht Ansporn der Fangruppe, sich entsprechend stimmungsvoll darzustellen und die Begeisterungsfähigkeit von Bad Nauheim zu demonstrieren?

Fanatics: Aktuell stehen wir sportlich so gut da, wie lange nicht. Und wo sind die Zuschauer? Wenn andere sich Woche für Woche entscheiden, zu kommen oder zu Hause zu bleiben, muss man auch tolerieren, wenn wir unsere Meinung haben und uns in einem Spiel zurücknehmen.

Wie stehen die Fanatics dem Thema Multifunktionshalle gegenüber?

Fanatics: Ein neues Stadion muss kommen. Das unterstützen wir. Natürlich, hier im Colonel-Knight-Stadion fühlt und lebt man Eishockey. Aber der Verein braucht eine andere Arena, um sich zu entwickeln. Und wir wollen ja den Klub supporten.

Die Fanatics sind in Sonderzügen an Bord und inszenieren stimmgewaltig auch die Ankunft am Bahnhof. Sonderzug-Projekte haben ebenfalls die Intension, Zusatzeinnahmen zu generieren.

Fanatics: Das kann man nicht vergleichen. So gesehen ist auch jedes Heimspiel kommerziell. Da geht’s aber auch nicht ausschließlich um Gewinne. Der Sonderzug bietet die Möglichkeit, einmal im Jahr einen guten Auswärtsauftritt hinzulegen. Wir wehren uns dagegen, alles stur zu übernehmen, beispielsweise die großen DEL-Arenen. Die lassen sich auch immer schwerer füllen. Wie oft wünschen sich Fans in Düsseldorf beispielsweise die alte Spielstätte an der Brehmstraße zurück? Man muss auch über den Tellerrand hinaus blicken.

Euro-League-Spiele von Eintracht Frankfurt leben von Choreos. Das Winter-Derby wäre doch eine tolle Plattform für die Fanszene.

Fanatics: Ja, durchaus. Aber bei der Eintracht stehen auch 45000 Frankfurt-Fans, die mitziehen. In Offenbach gibt’s viele neutrale Fans. Ob die mitziehen? Wir hätten eine Choreo sicher stemmen können, dann müssten wir aber auf viele andere Choreos, wie beispielsweise im nächsten Heimspiel, verzichten. Wir sind gespannt, ob die Zuschauer mitziehen. Sollten sie uns boykottieren, boykottieren sie auch die Mannschaft. Das kann nicht das Ziel sein.

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