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Powerbreak: Am Zeitnehmertisch leuchtet eine rote Signallampe. Die verbleibende Pausenzeit wird angezeigt. FOTO: CHUC

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Powerbreaks - sind die 90-sekündigen Pausen nötig oder nutzlos?

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Die DEL2 hat im Januar drei 90-sekündige Unterbrechungen pro Spiel eingeführt. Wir haben Trainer, Spieler, Vertriebler, Fans und den Ligenleiter zu einem ersten Resümee befragt.

Die Fans sind in erster Linie genervt. Viele Zuschauer reagieren mit Pfiffen auf die drei 90-sekündigen Unterbrechungen während der Spiele in der Deutschen Eishockey-Liga 2. Die Trainer nehmen sie als Neuerung an, mit der sie angesichts der Ursprünge im Eishockey-Mutterland leben können und müssen. Tatsächlich aber beeinflussen die als "Powerbreaks" bezeichneten zusätzlichen Werbepausen in jedem Drittel den Sport mitunter doch deutlich. Ja, sie können sogar Spiele mitentscheiden. Wir haben uns umgehört und ziehen eine Zwischenbilanz rund sechs Wochen nach Einführung der Powerbreaks.

Der Ligenleiter

"Auch wenn zu spüren ist, dass diese Neuerung bei den Fans nicht auf Begeisterung stößt, so werden wir uns alle doch daran gewöhnen müssen", sagt René Rudorisch. Der DEL 2-Geschäftsführer betont, dass die von den Zeitnehmern vor Ort geschalteten Powerbreaks "mit deutlicher Mehrheit von den Klubs gewünscht und eingeführt wurden, um weitere Einnahmequellen zu erschließen". Von den Erlösen profitiere die DEL 2 primär nicht. "Wir werden das nicht ausbauen, eine Pause pro Drittel reicht. Mehr geht nicht." Fakt ist, dass die Werbepausen für alle Klubs Pflicht sind, um einheitliche Spielabläufe zu gewährleisten. "Auch wenn bisher noch nicht alle Klubs die 90 Sekunden für Werbung oder Aktionen nutzen." Beim Internet-Stream-Anbieter Sprade-TV allerdings gebe es erste gute Ansätze.

Der Trainer

"Ich finde es prinzipiell nicht schlecht. Man hat quasi eine zusätzlich Auszeit im Drittel. Ob man diese wirklich braucht, ist natürlich situationsabhängig", sagt Christof Kreutzer, der Trainer des EC Bad Nauheim. In der DEL habe sich das schließlich auch eingespielt. Allerdings: "60 Sekunden würden vielleicht auch reichen."

Der Vertriebler

Dirk Schäfer, der Geschäftsstellenleiter des EC Bad Nauheim, spricht von einem "mega-interessanten Vermarktungstool". Gleich dreimal pro Heimspiel biete sich für 90 Sekunden die Möglichkeit für Werbung im TV, auf der Videowand oder gar auf dem Eis. Derzeit seien Powerbreaks "aber noch zu frisch und noch nicht in den Köpfen der Werbepartner. Das braucht noch Zeit", sagt Schäfer nach den ersten sechs Wochen. Die Unterbrechungen bei den Heimspiel-Übertragungen nutzen die Roten Teufel vorwiegend, um auf eigene Produkte oder Aktionen hinzuweisen.

Die Spieler

Verteidiger Daniel Ketter vom EC Bad Nauheim wundert sich. "Ich verstehe nicht, warum man die Powerbreaks während der Saison eingeführt hat. Warum nicht zur neuen Spielzeit, dann haben die Klubs auch zeitlich andere Möglichkeiten, diese Pause sinnvoll zu nutzen, Werbepartner anzusprechen und Videoclips abzudrehen?" Ob Vor- oder Nachteil oder einfach unnötig sei "sicher situationsabhängig." Man könne kurz durchschnaufen. Er selbst beispielsweise habe schon unmittelbar vor und direkt danach wieder Eiszeit vom Trainer erhalten.

Die Fans

"Ich sehe viele Leute, die die Pausen nutzen, um sich noch ein Bier zu holen oder zur Toilette zu gehen", sagt Franzisco Lucio-Tippmann, einer der beiden Fanbeauftragten der Roten Teufel. In seinem Umfeld werden die Powerbreaks "eben so hingenommen." Vielfach werde bei den Anhängern aber mit Unverständnis reagiert. "Eine solche Unterbrechung hemmt den Spielfluss. Das kann je nach Spielverlauf von Vor- oder von Nachteil sein. Bei TV-Live-Übertragungen macht’s Sinn. Aber ob solche Unterbrechungen in unserer Liga wirklich sein müssen", fragt sich Tippmann dennoch.

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