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Mit Choreografien wie diesen sorgt der Fanclub "Fanatics" immer wieder für eine tolle Atmosphäre im Colonel-Knight-Stadion.

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Stimmungsboykott und neue Fan-Initiative - Kommentar zur Diskussion um das Winter-Derby

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Die einen wollen die Stimmung beim Winter-Derby des EC Bad Nauheim am 14. Dezember gegen die Löwen Frankfurt boykottieren, die anderen eine neue Initiative ins Leben rufen. Ein Kommentar zur aktuellen Fan-Diskussion.

Samstagabend. Prime-Time. Zweidreiviertel Stunden Live-Bilder im Hessischen Rundfunk. International frei zu empfangen. Ohne kommerzielle Unterbrechung im Viertelstundentakt. Die größtmögliche Bühne also. Der Eissport gibt Bad Nauheim mit dem Winter-Derby gegen die Löwen Frankfurt am 14. Dezember eine Plattform, auf die es kein Elvis-Festival, kein Rosenfest, kein Jugendstil-Wochenende und auch kein Ironman in der Vergangenheit geschafft hat. 

20 Jahre nach dem verlorenen Zweitliga-Playoff-Finale in Essen wird ein Spiel des Eishockey-Clubs aus der Wetterau live und in voller Länge im Free-TV ausgestrahlt. Mit bis zu 20 000 Zuschauern im Stadion am Bieberer Berg in Offenbach. Zudem wird mit rund 400 000 bis 500 000 Interessierten vor dem Fernseher gerechnet. Eine in Sachen Außendarstellung zweifellos einmalige Chance für den Kleinstadt-Verein, um sein Potenzial und die Begeisterungsfähigkeit der Region zu unterstreichen, um Vertrauen zu stärken und Seriosität zu zeigen; gerade mit Blick auf das Projekt Multifunktionshalle, das nur umzusetzen ist, wenn der Klub und seine Partner, die Stadt-, Landes- und Bundespolitik, die Fans und letztlich auch die Bevölkerung an einem Strang ziehen. 

EC Bad Nauheim: Interessen der Ultra-Szene vs. Interessen der Außendarstellung

In dieser Woche hat nun aber eine Stellungnahme des stimmungsprägenden Fanclubs "Fanatics" für Irritationen, Unverständnis und Diskussionen im Umfeld gesorgt und in den sozialen Medien einen Shitstorm ausgelöst. Ausgerechnet jene Unterstützer, die die Mannschaft seit Jahren zu jedem Auswärtsspiel begleiten und die Heimspiele mit ihren Choreografien immer wieder inszenieren, wollen das Winter-Derby akustisch und optisch nicht aktiv unterstützen. Jene Gruppe sieht sich der Ultra-Szene zugehörig, die sich für Traditionen einsetzt und gegen Kommerzialisierung wehrt. Eine Haltung, die im Stadion für jedermann offen im Dialog transparent dargelegt wird. 

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Wer aber als Außenstehender dieser Szene mit den Supportern spricht, findet nur schwer Zugang und Verständnis zu deren Denkweise. Die Frage, ob mit deren bewusst öffentlich kommunizierten Entscheidung die Reputation in der Ultra-Szene gestärkt und dies über Unterstützung des eigenen Klubs gestellt wird, ist nicht abschließend schlüssig zu beantworten. Gleichwohl sind Werte, Ideale und Meinungen der Supporter zu respektieren. Auch in Frankfurt, Dresden und Weißwasser stellt sich die Ultra-Szene gegen Freiluft-Events. Intern dürfte sich diese Fan-Gruppierungen bei ihren Klubs ins Abseits manövriert und bei der Mehrheit der Fans isoliert haben. Eine Initiative will in Zusammenarbeit mit dem Klub nun selbst eine Choreografie auf die Beine stellen, wie der Verein am Freitag auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. Dafür werden Spenden gesucht. Der Hintergrund: Die Sorgen der Funktionäre mit dem täglichen Kampf um mediale Aufmerksamkeit sowie die Interessen der Mehrheit der Fans nach Komfort, Bequemlichkeit und Events, gepaart mit sportlichem Erfolg, sind schließlich überall gleich. 

EC Bad Nauheim: Tradition muss kreativ in die Moderne überführt werden

Die Roten Teufel leben ihre Traditionen. Zweifellos. Entwicklungen und Trends verschließen können sich die Funktionäre allerdings nicht. Im Gegenteil: Gerade die im Colonel-Knight-Stadion gegebenen Rahmenbedingungen erfordern am mittelhessischen Standort reichlich Kreativität. Die Umwandlung der Spielbetriebs GmbH mit der Möglichkeit einer Beteiligung als Kommanditist, die Erweiterung des Spielbetriebs um eine Catering- und Event-GmbH, eine Videowand, Sonderzüge und nun eben beispielsweise auch das Winter-Derby, sind zwingend erforderliche Mosaiksteine, um weitere Einnahmen zu generieren; allein schon um den Anschluss an die Konkurrenz nicht zu verlieren. 

Dazu genügt ein Blick auf Zuschauerzahlen. Sportlich steht der Klub nach einem Drittel der Saison so gut dar wie zuletzt im Jahr 2004. In der Zuschauertabelle finden sich allerdings nur drei Vereine mit schlechteren Durchschnittswerten. Kein Zufall: Es sind Klubs mit vergleichbar sanierungsbedürftigen Spielstätten. Weit(er) vorne finden sich Kaufbeuren, Weißwasser mit neuen Arenen oder auch Landshut, wo der Umbau zu einem Schmuckkästchen begonnen hat. In Bad Nauheim rückt derweil das DEL2-Ablaufdatum des Colonel-Knight-Stadions unweigerlich näher. Wohin sich die Zuschauerzahlen und damit die wirtschaftliche Situation entwickeln würden, wenn die Roten Teufel im Kurpark-Nebel mal eine schlechte Saison spielen würden – man mag es sich nicht ausmalen.

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