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EC Bad Nauheim: Höhenflug mit vielen Fragezeichen

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Von: Michael Nickolaus

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Eine starke November-Bilanz: Trainer Harry Lange und die Roten Teufel haben 21 von 24 möglichen Punkten gewonnen. Der EC Bad Nauheim führt die Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga 2 an.
Eine starke November-Bilanz: Trainer Harry Lange und die Roten Teufel haben 21 von 24 möglichen Punkten gewonnen. Der EC Bad Nauheim führt die Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga 2 an. © Andreas Chuc

Der EC Bad Nauheim weckt Erinnerungen an große Zeiten. Der Höhenflug ist aber mit vielen personellen Fragezeichen verbunden; allen voran muss die Ausfalldauer von Taylor Vause geklärt werden.

Natürlich werden jetzt im Übermut auch Vergleiche gezogen. Zur Saison 1998/99, als Dino Felicetti, Marc West und Doug Murray im Colonel-Knight-Stadion begeistert hatten, oder auch zur Spielzeit 2003/04, als Namen wie Peter Allen, Trevor Gallant und Brian Loney die Kleinstadt zurück in die erste Liga führen sollten. Lang, lang ist’s her! Heute, im Winter 2021/22, ist die Erwartungshaltung in der Wetterau natürlich eine ganz andere, eine Bescheidene. Man weiß um seine Rolle in der DEL2, um seine wirtschaftlichen Möglichkeiten. Favoriten sind andere. In der neunten Saison nach dem Wiederaufstieg würde man sich in der Kurstadt schon über die Playoff-Qualifikation freuen, vielleicht mal über einen zweiten oder dritten Sieg in einer Serie. Allerdings: Harry Lange und sein Kader wecken Freude wie einst, zeigen Zusammenhalt, Leidenschaft, Gier und lassen durch ihre November-Bilanz (21 von 24 Punkten) manchen auch ein bisschen träumen.

Nach einem Drei-Punkte-Wochenende (1:2 n.V. gegen Bad Tölz/4:3 n.V. in Heilbronn) – mit acht Ausfällen wohlgemerkt – musste der Coach selbst erst mal Worte finden. »Die Jungs haben das richtig gut gemacht. Sie haben sich zerrissen. Drei Punkte mit diesem Kader – das ist der Wahnsinn.«

EC Bad Nauheim: Verteidiger Glötzl bleibt bis Mitte Dezember

Die kabineninterne Corona-Situation samt (positiver) Tests und großer Verunsicherung in der vergangenen Woche, die Ausfälle von Leistungsträgern, teils verletzungs- teils krankheitsbedingt, hatten das zurückliegende Wochenende zur bislang größten Herausforderung der Saison werden lassen; erst recht, als allein mit Taylor Vause, Trstian Keck und Marc El-Sayed der Top-Scorer, der Top-Torjäger, zwei der bullystärksten Spieler und damit zugleich auch zentrale Figuren in Über- und Unterzahl allesamt zu ersetzen waren.

Man habe in Heilbronn ein wenig Zeit gebraucht, ins Spiel zu finden, und »wichtig war, dass wir nach dem Rückstand schnell ausgeglichen haben«, sagt Lange, dessen Rumpf-Kader mit enormer Leidenschaft Platz eins verteidigen konnte.

Der Chef-Trainer musste am Wochenende erstmals ohne seinen Assistenten Hugo Boisvert auskommen, der während des Spiels das Coaching der Verteidigung übernimmt. »Ich habe die Jungs am Freitag gefragt, ob ich mich auf sie verlassen kann. Sie sind alle alt genug. Wir haben vor dem Spiel unsere Rotation durchgesprochen. Das hat gut funktioniert.« Am Sonntag musste Huba Sekesi dann in der Offensive aushelfen, führte die Reihe mit Leon Köhler und Christoph Körner und kehrte nur in Unterzahl auf die defensive Position zurück. Tags zuvor hatte der Disziplinarausschuss von einer weiteren Bestrafung Sekesis, der am Freitag eine Matchstrafe erhalten hatte, abgesehen.

Die Jungs haben das richtig gut gemacht. Sie haben sich zerrissen.

EC-Trainer Harry Lange

Wie lange ein solcher Kraftakt gut geht – und wie lange die Roten Teufel diesen noch durchziehen müssen – ist unklar. Vor dem Training am Dienstag werde erneut PCR-getestet, hoffe man, zuletzt fehlende Spieler über das sogenannte Return-to-play-Programm, also medizinische Checks, wieder an ein Comeback am Wochenende heranführen zu können. Ob und in wie vielen Fällen das klappt, ist ungewiss. Von schlimmeren Verläufen sind die betroffenen Spieler bislang verschont.

Eine gute Nachricht: Maxi Glötzl, der am Freitag spontan aus Köln zur Mannschaft gestoßen war, soll den Roten Teufeln bis 12. Dezember zur Verfügung stehen. Danach wird der Förderlizenz-Verteidiger mit der U20-Nationalmannschaft die Vorbereitung auf die WM in Kanada (ab 26. Dezember) aufnehmen.

EC Bad Nauheim: Wie lange fehlt Taylor Vause?

Das aktuell größte Sorgenkind ist Taylor Vause, der Kopf der Offensive. Das Freitag-Spiel hatte der Kanadier zwar bis zum Ende bestritten, zuletzt aber wegen Armproblemen auch keine Bullys mehr gespielt. Eine Diagnose hat die GmbH bislang noch nicht veröffentlicht. »Er fällt am kommenden Wochenende sicher aus«, sagt Lange, der darüber hinaus keinen Zeitraum für eine Comeback-Prognose nennen will. Vom kommenden Freitag an stehen sage und schreibe 13 Spiele in den nächsten vier Wochen auf dem Programm; ein Viertel der Hauptrunde also. Sollte Vause tatsächlich länger ausfallen, werden sich die Roten Teufel nach temporärer Unterstützung auf dem Transfermarkt umsehen müssen.

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