Freude bei den Löwen Frankfurt, Frust auf der Mannschaftsbank des EC Bad Nauheim: Im Vordergrund gratuliert Martin Buchwieser dem Torschützen Leon Hüttl zu dessen Treffer zum 5:1-Endstand.
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Freude bei den Löwen Frankfurt, Frust auf der Mannschaftsbank des EC Bad Nauheim: Im Vordergrund gratuliert Martin Buchwieser dem Torschützen Leon Hüttl zu dessen Treffer zum 5:1-Endstand.

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Auf das »Wie« kommt es an

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Die Niederlage des EC Bad Nauheim in Frankfurt wirft Fragen auf. Trainer Hannu Järvenpää erhält öffentlich Rückendeckung. Intern gibt’s Kritik.

Die Formulierungen gleichen sich. Niederlage für Niederlage. Dass man daraus lernen müsse, heißt es, dass die Mannschaft Potenzial habe und wieder in die Spur kommen werde. Dass man offensiv Chancen nicht genutzt und defensiv Torwart Felix Bick nicht unterstützt habe. Hannu Järvenpää, der Trainer, versuchte auch am Dienstagabend nach dem 1:5 bei den Löwen Frankfurt verbal seine Überzeugung zu vermitteln. Seine Mimik drückte das Gegenteil aus: Der EC Bad Nauheim kassierte in Frankfurt die vierte Niederlage aus den vergangenen fünf Spielen (dreimal gings dabei gegen DEL-Aufstiegsanwärter), und nur einmal kamen die Roten Teufel zu mehr als zwei selbst erzielten Treffern. Und das - mit Ausnahme von Marc El-Sayed - in Bestbesetzung mit vollen Kader. Das ist zu wenig für den eigenen Anspruch, zu wenig für Fans, die von der Mannschaft durch einen starken Heimspiel-November eine deutlich höhere Erwartungshaltung hatten.

EC Bad Nauheim braucht Zeit, „die uns der Spielplan im Grunde genommen aber nicht lässt“

Vom Selbstvertrauen und auch vom Selbstverständnis, vom Biss und Feuer dieser Tage ist aktuell nichts zu sein. In keinem Derby mit dem Löwen seit dem ersten Wiedersehen 2012 haben sich die Roten Teufel in der Eissporthalle am Ratsweg derart blutleer, mutlos, ohne Emotionen, Herz und Leidenschaft präsentiert wie am Dienstag, als die Löwen verletzungsbedingt mit nur einem Kontingentspieler angetreten waren und in den Zweikämpfen immer ein Schritt schneller und engagierter daherkamen.

Bad Nauheim traf früh gleich zweimal Latte und Pfosten, konnte eine sechseinhalbminütige - teils doppelte - Überzahl aber nicht zum Führungstreffer nutzen und wurde von den Gastgebern ab dem zweiten Abschnitt im Verteidigungsdrittel regelrecht festgesetzt. Ganze neun Torschüsse wurden während der letzten 40 Minuten offiziell erfasst (im ersten Abschnitts waren es 13).

»Wir hatten zu Saisonbeginn einen klaren Game-Plan. Dann kamen die U 20-WM und die Corona-Quarantäne. Das hat uns getroffen. Wir haben die nächsten Schritte versäumt. Das müssen wir nun im Training nachholen. Das braucht seine Zeit, die uns der enge Spielplan im Grunde genommen aber nicht lässt«, sagt der Coach des ECN, der selbst zunehmend unter Druck gerät.

EC Bad Nauheim: Geschäftsführer Andreas Ortwein gibt Trainer Hannu Järvenpää den Rückendeckung

Andreas Ortwein stärkt dem Trainer den Rücken; zumindest nach außen. »Intern werden Dinge beim Namen genannt. Das Management bewertet die Situation, und wenn wir an einen gewissen Punkt Entscheidungen treffen, teilen wir das mit. Wenn wir anfangen, den Trainer öffentlich anzuzählen, weil uns die Überzeugung fehlen würde, könnten wir auch gleich handeln«, sagt der Geschäftsführer. Die Rahmenbedingungen seien schwierig, was wiederum nicht von Kritik befreie. Auf das »Wie« komme es an, sagt Ortwein. »Der Fan sieht 60 Minuten. Wir müssen das Gesamtbild bewerten. Training, Spiel, außerhalb des Eises. Klar ist doch: Der Frust ist bei uns genauso groß wie bei Anhängern und Partnern, aber ich werde sicherlich nicht emotional um mich schlagen.«

Am Ziel, Platz acht und der damit verbundenen Playoff-Qualifikation, halte man zur Hauptrunden-Halbzeit fest. Man wolle sich auf dem Vorwochen-Beschluss, keinen Absteiger auszuspielen, nicht ausruhen. »Wir wollen die Saison weder abschenken noch den Kader ausdünnen, sondern sportlich vorankommen.« Die Bereitschaft - sowie die wirtschaftliche Freigabe - den Kader zu verstärken, liege vor. »Immer angepasst an die Rahmenbedingungen in Bad Nauheim.« Auf dem aktuell sehr überschaubaren Markt an wechselwilligen Kandidaten suchen in erster Linie die drei DEL-ambitionierten Klubs wie Kassel, Frankfurt und Bietigheim mit sportlichen und finanziellen Argumenten nach dem passenden Puzzleteil.

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