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EC Bad Nauheim: Anspruchsdenken und Baustellen

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Von: Michael Nickolaus

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Freude bei den Roten Teufel: Durch drei Erfolge in den vergangenen vier Spielen hat der EC Bad Nauheim seinen Platz in den Top Sechs der Deutschen Eishockey-Liga 2 verteidigen können. Unser Bild zeigt (von links) Pascal Steck, Kevin Schmidt (verdeckt), Marius Erk, Tim Coffman und Jordan Hickmott. © Andreas Chuc

In Über- und Unterzahl klemmt’s. Ein Mittelstürmer wird gesucht. Die Erwartungen an den EC Bad Nauheim sind hoch.

(mn). Irgendwie punkten. Irgendwie dranbleiben. Irgendwie verteidigen, was in den vergangenen vier Monaten sportlich aufgebaut worden ist. Am 21. Oktober 2022, mit dem zwölften Spieltag, hatten sich die Roten Teufel in die Top Sechs der Deutschen Eishockey-Liga 2 schieben können. Zu Beginn des letzten Viertels der Hauptrunde bewegt sich der EC Bad Nauheim noch immer in tabellarischen Regionen, die einen direkten Einzug in das Playoff-Viertelfinale versprechen. Vier Zähler Vorsprung haben die Hessen noch auf den EHC Freiburg, der allerdings auch ein Spiel weniger ausgetragen hat. Aber: Zum Tabellendritten Ravensburg sind’s auch nur drei Zähler. Die Oberschwaben sind am Freitag (19.30 Uhr) Gast im Colonel-Knight-Stadion. Am Sonntag (17 Uhr) geht’s dann zu Schlusslicht Bayreuth Tigers. - Die Themen zwischen den Spieltagen:

Der Anspruch: Harry Lange, der Trainer der Roten Teufel, will »die Kirche im Dorf lassen«. Natürlich! Das muss er jetzt sagen, da ein mögliches Abrutschen aus den Top Sechs auf der Zielgeraden und eine Teilnahme an den Pre-Playoffs in Bad Nauheim aktuell wohl ein Gefühl der Enttäuschung statt eine Vorfreude hervorrufen würde. Der bisherige Saisonverlauf hat die Erwartungshaltung erhöht. »Ich weiß nicht, warum hier nach nur eineinhalb guten Jahren plötzlich nur auf die Top Sechs geschaut wird. Wir tun gut daran, den Abstand zu Platz elf zu wahren«, sagt der Coach, wissend um die seit Wochen fehlende Stabilität und Konstanz im Spiel seiner Mannschaft. »Wenn wir momentan bluten, können wir die Blutung nicht stoppen«, sagt Lange.

Die Wochenend-Eindrücke: Am Freitag hatte seine Mannschaft zum wiederholten Mal Geschenke verteilt. Krefeld brauchte keine zweieinhalb Minuten, um kurz vor der zweiten Pause einen 1:2-Rückstand in eine 3:2-Führung zu drehen und mit einem weiteren Doppelschlag eine Entscheidung herbeizuführen.

Am Sonntag gegen Heilbronn drohte ein ähnliches Szenario. Viel zu wenig hatten die Roten Teufel aus ihrer Überlegenheit und ihren Torchancen in den ersten 20 Minuten gemacht. Eine Unterzahl-Situation gegen das powerplay-stärkste Team der DEL2 ließ zittern. Bevor Heilbronn aber den Anschluss herstellen konnte, hatte Bad Nauheim mit dem dritten Unterzahl-Tor der Saison durchatmen lassen. Dieser Treffer habe wegweisende Bedeutung gehabt, da waren sich beide Trainer, Martin Jiranek und den Gästen und Harry Lange, in ihrer Analyse einig. »Genervt« war der Coach der Badestädter von den Gegentoren zwei und drei. Nach einer zwischenzeitlichen 5:1-Führung im Schlussabschnitt waren die Hessen zu passiv.

Die Über- und Unterzahl-Formationen: Am Ende, gerade in den Playoff- und Playdown-Serien, bei Fünf-gegen-fünf-Duellen auf Augenhöhe, machen die Special Teams in den Unterschied aus. Die aktuellen Quoten der Roten Teufel sind alarmierend. In den vergangenen zehn Spielen wurden nur drei (von 21) Überzahl-Situationen genutzt. Demgegenüber stehen neun Gegentore in (24) Unterzahl-Situationen. »Ja, in Unterzahl stellen wir uns teilweise etwas blöd an. Im Powerplay fehlt uns aktuell auch etwas das Scheibenglück. Wir sind deshalb froh, dass wir nun drei, vier normale Trainingswochen vor uns haben, um daran zu arbeiten«, sagt Lange.

Leo Hafenrichter trifft, Philipp Wachter stürmt: Hinten war einer zu viel, vorne einer zu wenig. Lange hatte entschieden, am Sonntag Leo Hafenrichter nach dessen zuletzt stabilen Leistungen das Vertrauen im dritten Abwehr-Paar zu schenken. »Wir sind froh, dass er wieder zu seinem Spiel findet. Er hat sich seine Eiszeit verdient«, sagt der Coach. Im 62. Spiel für die Roten Teufel erzielte der 18-Jährige am Sonntag seinen ersten Treffer. Philipp Wachter - nach einer verletzungsbedingten Drei-Spiele-Auszeit wieder im Kader - hatte am Freitag nur Unterzahl-Eiszeit und stopfte am Sonntag die Lücke im Angriff, die Robin van Calster (im DEL-Kader von Köln) hinterlassen hatte. »’Wachti‹ hat das sehr gut gemacht. Was viele nicht wissen, er ist eigentlich gelernter Stürmer«, sagt Lange. »Wir brauchen vier Reihen, um unser Tempo gehen und unser Spiel durchziehen zu können«. Zum Training am Dienstag wird Kevin Niedenz (zuletzt U20 in Köln) zurückerwartet. Dann werden die Karten neu gemischt.

Der El-Sayed-Ausfall: Marc El-Sayed sitzt mit geschientem Unterarm auf der Tribüne. Die Operation sei gut verlaufen, sagt der Kapitän. Seit neun Spielen muss der 32-Jährige zuschauen. Die Bilanz in dieser Zeit: drei Siege, neun Niederlagen. »Marc fehlt uns sehr. Ob am Bullypunkt, in Unterzahl oder mit seinem Spiel in der Defensivzone«, sagt Lange. Er hält nach personellen Alternativen Ausschau. Allerdings: Im Wettbieten mit Kassel, Krefeld, Bayreuth, die allesamt ihre Kader ergänzen wollen, oder auch einem aufstiegs-ambitionierten Oberligisten wie Hannover kann Bad Nauheim wohl nicht mithalten.

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