+
Marcel Bohl zeigt Flagge. Der Fan des EC Bad Nauheim war bei 16 Eishockey-Weltmeisterschaften vor Ort.

EC Bad Nauheim

Dieser Fan hat schon 435 000 Kilometer für die Roten Teufel zurückgelegt

  • schließen

Er ist der wohl verrückteste Eishockey-Fan in Hessen! Marcel Bohl hat schon 1381 Spiele der ersten Mannschaft des EC Bad Nauheim gesehen, er hat Legenden wie Wayne Gretzky und Leon Draisaitl getroffen. In seinem Schrank hat er 150 Trikots.

Marcel Bohl aus Nidda-Fauerbach ist der treuste Fan des EC Bad Nauheim. 1381 Spiele seines Klubs hat er gesehen, mehr als 435 000 Kilometer ist der 38-Jährige dafür gefahren. Über 150 Trikots liegen in seinem Schrank, Fotos gemeinsam mit Legenden wie Wayne Gretzky oder Connor McDavid hat er auf seinem Smartphone. Und dabei ist Eishockey nur eines seiner Hobbys.

Freitagabend Eishockey in Weißwasser. Samstagmittag Fußball in Freiburg, abends noch ein Abstecher nach Basel zum Eishockey und am nächsten Morgen schon wieder in Bad Nauheim, wo der Nachwuchs der Roten Teufel ein Heimspiel bestreitet. Das klingt zunächst einmal verrückt - im Leben von Marcel Bohl ist eine solche Tour aber nicht ganz ungewöhnlich. Der 38-Jährige aus Nidda-Fauerbach lebt für den Sport, liebt den Sport, insbesondere Eishockey und den Fußball. Er fährt zur Welt- und Europameisterschaften und besucht Spiele der National Hockey League in Nordamerika. Man sieht ihn aber ebenso unterklassig auf Sportplätzen und in Eishallen. Das Fußball-Herz gehört Kickers Offenbach. An erster Stelle aber steht der EC Bad Nauheim.

1381 Spiele der ersten Mannschaft der Roten Teufel hat Bohl inzwischen gesehen und dafür sage und schreibe 436 214 Kilometer (!) zurückgelegt. Die Tage, an denen die Eishockey- und Fußball-Ligen ihre Spielpläne veröffentlichen, seien "fünfmal schöner als Weihnachten", sagt der Vertriebler im Innendienst. Dann können nämlich die Tourplanungen beginnen.

Der Zufall hatte mitgeholfen: Marcel Bohl ergattert ein Autogramm von Wayne Gretzky.

Die Faszination:Am 6. März 1992 hatte Bohl sein erstes Eishockey-Spiel in Bad Nauheim gesehen; ein 7:1-Erfolg gegen den EHC Essen-West in der Abstiegsrunde der 2. Bundesliga. Die Eintrittskarte hat er bis heute aufgehoben. Zehn Jahre war er damals alt. Greg Evtushevsky, Gordon Blumenschein und Thomas Barczikowski wirbelten im Angriff. Torwart Carsten Greb hielt einen Penalty und wurde nach emotionalen 60 Minuten von 2700 Zuschauern gefeiert. Diese Erinnerungen, diese Faszination hat ihn bis heute nicht losgelassen. Mit 16/17 Jahren war er immer öfter dabei, auch auswärts, seit 1999 dann regelmäßig - als Familienausflug mit Vater Hartmut, Mutter Uli und Schwester Jessica. "Je mehr man herumkommt und sieht, desto mehr bekommt man Fernweh und will am liebsten gleich die nächste Tour planen. Erster Orientierungspunkt ist der Spielplan der Roten Teufel. "Und dann schaue, wie’s am besten passt." Oft packt Bohl fünf bis sechs Spiele (Eishockey/Fußball) in ein Wochenende.

Die Verbundenheit:Bohl hatte über viele Jahre den Fanclub Rote Teufel, den mitgliederstärksten Fan-Zusammenschluss in Bad Nauheim, geleitet. Als ehemaliges Vorstandsmitglied im "Teufelskreis" hatte er den Förderverein in Gesellschafterversammlungen der Spielbetriebs GmbH vertreten. Bohl etablierte Fan-Radio-Übertragungen von Auswärtsspielen - damals in der Oberliga - und saß später auch als Kommentator bei Sprade-TV am Mikrofon. Heute verfolgt der die Heimspiele von Block H, Reihe 9, Sitzplatz 1583.

Smalltalk mit den Eishockey-Legenden

Der größte Stolz:Die Zusammentreffen mit den Eishockey-Legenden Wayne Gretzky, Martin Brodeur, Leon Draisaitl und Connor McDavid - allesamt fotografisch dokumentiert. Mitunter spielten Glück und Zufall eine entscheidende Rolle. Gretzky beispielsweise traf er während der WM 2011 in Hannover vor einer öffentlichen Toilette am Hintereingang des VIP-Raums, das NHL-Traumpaar Draisaitl/McDavid nach einer Trainingseinheit; an einer Straßenkreuzung unweit der Tiefgaragenausfahrt. "Ein Sicherheitsbeamter hatte mir den Tipp gegeben - und ein Insider, der mit mir gewartet hatte, konnte die Spieler schon anhand der Autokennzeichen identifizieren."

Autogrammwunsch erfüllt: NHL-Superstar Connor McDavid, der Marcel Bohl einen Autogrammwunsch erfüllt.

Hopping als Hobby:Bohl war bei 16 Eishockey-Weltmeisterschaften vor Ort. Er hat vier Fußball-Europameisterschaften live im Stadion gesehen; und natürlich die WM 2006 im eigenen Land, das Sommermärchen. Er ist Mitglied im Fanclub Nationalmannschaft. Regelmäßig im Herbst geht’s zudem nach Nordamerika, wo die NHL gerade in die Saison startet. "Vancouver, San Francisco, Chicago - das sind tolle Städte." An erster Stelle steht aber Eishockey in Bad Nauheim. Die Zahl der verpassten Spiele (heim und auswärts) in den vergangenen zehn Jahren lässt sich an einer Hand abzählen und ist einzig und allein in den NHL-Reisen begründet. "Natürlich fragt man sich nach einer Niederlage auf einer langen Heimfahrt schon mal, warum man das macht. Und natürlich hat man auch nach einem Playoff-Aus für einige Tage auch eine Leere in sich. Aber das Feuer in mir brennt noch immer. Gerade nach einer langen Sommerpause kann ich’s kaum erwarten, dass es endlich wieder losgeht." Viele Freundschaften bundesweit hat Bohl geknüpft. Und zu Hause in der Wetterau? "Da kennt mich mein Umfeld doch gar nicht anders." Und manchmal, erzählt er, da frage auch mal ein Kumpel, ob er spontan mitfahren könne.

Die weiteste Reise:Das war August 2008. Die Autofahrt führte ins polnische Sosnowice, nahe Krakau. Einfache Strecke von Nidda-Fauerbach: mehr als 870 Kilometer. In Sosnewice hatte der EC Bad Nauheim ein Trainingslager zur Saisonvorbereitung bestritten. Bohl sah das Testspiel gegen Alba Volan.

Das stimmungsvollste Spiel:Ambri-Piotta gegen Lugano. Das Eishockey-Derby der Schweizer Nationalliga A. Nur rund 2000 Menschen leben unweit der Gotthard-Route im Tessien. Zum Derby platzt die Pista la Valascia (Fassungsvermögen: 7000 Zuschauer) aber aus allen Nähten. "Das war das absolute Highlight. Die Rivalität ist unbeschreiblich. Das wurde auf den Rängen wie auf dem Eis deutlich", sagt Bohl. Die Start- und Landebahn des Flugplatzes dient als Parkplatz, durch eine Wohnsiedlung führt der Weg ins Stadion. Ausnahmezustand in der Provinz.

Die exotische Reise:Luxemburg war Gastgeber der Eishockey-D-WM. Die Türkei, Griechenland, Südafrika, Korea und die Mongolei standen sich unter anderem in diesem Turnier gegenüber. "Wenn man die Spiele verfolgt hat, kam schon mal das Gefühl auf, zumindest technisch mithalten zu können", sagt Bohl im Rückblick.

Vier Länder, vier Tage, sieben Spiele

Die verrücksteste Tour:Die gab’s am Oster-Wochenende vergangenen Jahres. Annähernd 4000 Kilometer binnen vier Tagen hat er zurückgelegt, und dabei in vier Ländern sieben neue Grounds gesammelt. Von Mannheim (Donnerstag) ging’s über Bremen und Deventer in den Niederlanden (Freitag) nach Balingen und ins schweizerische Sankt Gallen (Samstag), dann über die Wetterau ("Da wurden nachts um 1.30 Uhr nur Auto und Mitfahrer getauscht") über 900 Kilometer nach Havirov (Anpfiff dort bereits: 10.15 Uhr), Vitkovice und Olomouc in den Osten Tschechiens (Sonntag). Den Abschluss bildete schließlich wieder ein DEL-Spiel in Mannheim (Montag).

Die Grounds:Die Liste umfasst aktuell 652 Fußball-Stadien (in 30 Ländern) und 271 Eishockey-Arenen in 23 Ländern. Die Stadien der drei Profi-Ligen in Deutschland hat Bohl allesamt schon besucht, ebenso die niederländische Ehrendivision. In drei der fünf deutschen Regionalligen hat er alle Stadien gesehen. Im Eishockey fehlen aus den drei höchsten Ligen nur zwei Arenen, die in Lindau sowie die neue Spielstätte in Leipzig. "Die wollte ich vor der Corona-Unterbrechung eigentlich besuchen."

Die Trikot-Sammlung:Mehr als 150 Jerseys sind inzwischen zusammengekommen, liegen sortiert im Schrank; überwiegend sogenannte "Game-Worn"-Trikots, während dem Spiel von den Profis getragen also - und später persönlich signiert. Allein 78 Jerseys aus fast 30 Jahren Eishockey in Bad Nauheim hat er wohl gekauft oder ersteigert, von Greg Evtushevsky über Walt Poddubny und Ralf Pöpel, Doug Murray bis hin zu Dino Felicetti oder Marc West. Dazu kommen rund 40 Trikots der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft und den (Ex-)Stars der NHL wie Leon Draisaitl, Marco Sturm, Dennis Seidenberg, Zdeno Chara oder Martin Brodeur, sowie mehr als 30 Fußball-Trikots, überwiegend von der Nationalmannschaft und Kickers Offenbach.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare