Jetzt geht’s los! Acht Wochen später als geplant nimmt die Deutsche Eishockey-Liga 2 am 6. November den Spielbetrieb auf. Betreuer Ralf Gartz vom EC Bad Nauheim bringt hier die Pucks zum Warm-up ins Spiel. FOTO: CHUC
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Jetzt geht’s los! Acht Wochen später als geplant nimmt die Deutsche Eishockey-Liga 2 am 6. November den Spielbetrieb auf. Betreuer Ralf Gartz vom EC Bad Nauheim bringt hier die Pucks zum Warm-up ins Spiel. FOTO: CHUC

Eishockey

DEL2: Mit Dynamik und Verunsicherung

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Die Corona-Pandemie sorgt in der Deutschen Eishockey-Liga 2 für neue Trends und Herausforderungen. Die wichtigsten Fakten vorm Saisonstart gibt hier im Überblick.

Die Corona-Pandemie und ihre Dynamik haben das Tagesgeschäft geprägt. Jede Woche, mitunter jeder Tag hat neue Entwicklungen und Herausforderungen mit sich gebracht; auf allen Ebenen. Acht Wochen später als ursprünglich geplant wird ab 6. November um Punkte in der Deutschen Eishockey-Liga 2 gespielt; begleitet von großer Ungewissheit. - Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Mit Aufstiegsrecht:Die Deutsche Eishockey-Liga hat sich den Zweitligisten geöffnet. Zum ersten Mal seit 2006 wird ein sportlicher Aufsteiger ausgespielt. Frankfurt will, Kassel will, und auch Bietigheim hat die Kaution für einen Aufstieg hinterlegt. Dieses Trio geht - gemeinsam mit Ravensburg - sicherlich favorisiert in die DEL 2-Hauptrunde. Etwas überraschend hatte Dresden auf eine "Bewerbung" verzichtet. Dort wolle man zunächst strukturelle und wirtschaftliche Weichen stellen. Der Kampf um die Plätze acht (Playoff-Viertelfinale) und zehn (vorzeitiger Klassenerhalt) verspricht außergewöhnliche Spannung, da ein klarer Abstiegskandidat aktuell nicht auszumachen ist und ein wilder Transfermarkt vermeintlichen Außenseitern in die Karten spielten könnte. Dem Vorjahres-Quartett auf den Positionen elf bis 14 (Lausitz, Bayreuth, Crimmitschau, Landshut) ist eine Top-Zehn-Platzierung zuzutrauen.

Der Promi-Faktor:Moritz Müller, Patrick Reimer und Felix Schütz hatten bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang die Silbermedaille gewonnen. Das war im Februar 2018 und ist gerade einmal zweieinhalb Jahre her. Jetzt spielt das Trio in der DEL2. Müller (nun in Kassel) und Reimer (nun in Kaufbeuren) sind "Leihgaben" ihrer DEL-Klubs. Schütz war bis zu seiner Unterschrift in Landshut noch vertragslos. Corona macht’s möglich. Rund ein Dutzend DEL-Spieler wurden in die DEL 2 ausgeliehen. Die "Leihe" ist meist bis Ende November befristet, aber auch von der Aufnahme des Spielbetriebs in der DEL abhängig. In Bad Nauheim sieht man von derlei temporärer Ergänzungen ab, will das innerbetriebliche Kabinen-Gefüge nicht aus der Balance bringen und ist dank der Förderlizenz-Kooperation mit Köln (DEL/DNL) auch in der Tiefe gut besetzt.

Neuer Modus:Die Hauptrunde endet Mitte April. Im Terminkalender ist ein großzügiger Puffer für Nachholpartien unter der Woche eingeplant. Die Pre-Playoffs fallen aufgrund der Saisonverschiebung weg. Für den Neunten und Zehnten nach Abschluss der Hauptrunde ist die Saison beendet. Die besten Acht spielen den Meister im Playoff-Modus Best-of-Five aus. In den Playdowns wird am Best-of-Seven-Modus festgehalten.

TV-Zeiten:MagentaSport, seit vier Jahren Partner der DEL, sendet erstmals live aus der DEL 2. Sieben Übertragungen (bis 13. Dezember) sind zunächst geplant und werden die Reichweite deutlich erhöhen. Weiterhin sind alle DEL 2-Spiele auf dem Streaming-Portal SpradeTV zu sehen. Der Preis für die Einzel-Übertragung wurde von 6;50 auf 9,90 Euro erhöht. Von den zusätzlichen Erlösen sollen in erster Linie die Klubs profitieren.

Die Hygiene-Vorgaben:Die Klubs müssen zum Saisonstart einen nega tiven Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 14 Tage ist. Im täglichen Trainings- und Spielbetrieb werden Symptom- und Fieberprotokolle geführt. Wird beim Fiebermessen der Richtwert von aktuell 37,6 Grad Celsius überschritten, muss der Spieler isoliert werden. 15 Minuten später wird erneut eine Messung durchgeführt. Es wird empfohlen, einen Schnelltest bei dem betroffenen Spieler zur Abklärung durchzuführen. Sollte dieser und auch ein weiterer, zweiter Test positiv ausfallen, wird das Spiel abgesagt.

Die Kontingentstellen:Die Klubs setzten auf den Schlüsselpositionen verstärkt auf Nordamerikaner. Ost-Europäer sind bei den Importspielern gänzlich aus den Kadern verschwunden. 39 Kontingentstellen (drei mehr als im Vorjahr) sind an Profis aus Kanada (31) und den Vereinigten Staaten (8) vergeben. Die Zahl der Skandinavier (fünf Finnen und fünf Schweden/im Vorjahr insgesamt neun) hat sich leicht erhöht. Zwei Importspieler aus Großbritannien - darunter Mark Richardson vom EC Bad Nauheim - und ein Spieler aus Lettland ergänzen den Nationen-Mix.

Neuer Hotspot:Die multinationale Erste Bank Liga Österreich (EBEL) hat Dänemark als Hotspot bei der Rekrutierung der Importspieler abgelöst. Gleich sieben Kontingentspieler sind aus EBEL in die DEL 2 gewechselt. Insgesamt wurde Ausländer aus 14 verschiedenen Ligen verpflichtet; unter anderem jeweils drei aus der Slowakei, der zweiten schwedischen Liga und der East Coast Hockey League sowie zwei aus der American Hockey League. Zudem sind drei Profis innerhalb der DEL 2 gewechselt. Weiter "gewildert" haben die DEL 2-Funktionäre in Italien, Ungarn, Dänemark, der Schweiz, in Schwedens Top-Liga und in Großbritannien. Exotisch mutet der Wechsel von Riley Sheen an. Der Kanadier ist aus Peking von ein Farmteam einer russischen KHL-Mannschaft nach Bietigheim gewechselt. Mit Reid Gardiner haben die Tölzer Löwen den Topscorer der Düsseldorfer EG aus der DEL an den Isarwinkel geholt.

Umbruch:Mit Bad Nauheim, Landshut und Ravensburg haben sich drei Klubs für einen Komplett-Umbruch auf den Importstellen entschieden und die vier Stellen jeweils neu besetzt. In der Summe wurden mehr Verträge mit neuen Kontingentspielern geschlossen als Kontrakte mit bekanntem Personal verlängert. Aus der Reihe tanzt Bayreuth. In der Wagnerstadt wurde mit dem Quartett aus der Vorsaison verlängert.

Fokus auf der Offensive:Deutsche Verteidiger seien schwer zu finden, klagt die Liga seit vielen Jahren. Allerdings haben sich die Funktionäre auch diesmal wieder ins erster Linie um offensive Importspieler bemüht. 35 Stürmern stehen elf Verteidiger auf Kontingentstellen gegenüber. Mit Dresden und den Lausitzer Füchsen setzen zwei Klubs auf einen ausländischen Torhüter.

Neue Besen kehren gut:Gleich sechs Klubs (im Vorjahr drei) haben im Sommer den Trainer getauscht; auch der EC Bad Nauheim, der Hannu Järvenpää zurück in die DEL 2 geholt hat. Mit Mario Richer (Crimmitschau), Olli Salo (Frankfurt), Michel Zeiter (Heilbronn), Rob Pallin (Kaufbeuren) sind vier Coaches erstmals in der DEL 2 tätig. Die Klubs fahren die kanadische Linie (fünf Übungsleiter), jeweils zwei Trainer kommen aus Finnland und Großbritannien. Mit Christoph Kreutzer (bad Nauheim) hat der letzte in Deutschland geborene Coach die Liga verlassen.

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