DEL2-Geschäftsführer Rene Rudorisch spricht über Entwicklungen, Risiken und Verantwortung. FOTO: CHUC
+
DEL2-Geschäftsführer Rene Rudorisch spricht über Entwicklungen, Risiken und Verantwortung. FOTO: CHUC

Eishockey

DEL2-Chef im Interview: Von Risiken, Vorteilen und der Fußball-Lobbyarbeit

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
    schließen

DEL2-Chef Rene Rudorisch war am Montag beim EC Bad Nauheim zu Gast. Gegenüber unserer Redaktion bezieht er zur DEL, zu Risiken, Vorteilen und Lobbyarbeit Stellung.

Rene Rudorisch spricht von einer "extrem turbulenten, neuen Welt". Von Videokonferenzen statt Autobahn-Kilometern, von Gründungen von Task Forces, von ungewohnten Unsicherheiten und neuen Herausforderungen. Im Gespräch mit unserer Redaktion bezieht der DEL 2-Geschäftsführer Stellung.

Die DEL sucht den Dialog mit der DEL2, um in der Saison 2020/21 entgegen der vertraglicher Vereinbarungen keinen Absteiger stellen zu müssen. Inwiefern stößt dies bei Ihnen auf Verständnis? Und warum hat man sich in der DEL2 derweil klar positioniert, will einen Absteiger in die Oberliga ermitteln?

Wir in der DEL2 haben grundlegend die Entscheidung, einen Absteiger zu ermitteln, selbst in der Hand. Und in der DEL gibt es durchaus Gründe, die das erschweren. Dort weiß man aktuell noch nicht, ob man in eine Saison starten kann, ob man eine komplette Hauptrunde spielen kann. Dann stellt sich - und das ist legitim - schon gesellschaftsrechtlich die Frage, ob ein Absteiger ausgespielt werden kann. Wir in der DEL2 sind Verzahnungen betreffend, erprobt. Jetzt, im Corona-Jahr, ist das sicher auch schwierig. Aber wenn wir die Zuschauerzahlen erreichen wollen, die uns die Politik ermöglicht, dann brauchen wir sportlichen Wettkampf, der an die vergangenen Jahre anknüpft. Sollten wir keine komplette Saison spielen können, würde uns das Thema sicher auch beschäftigen. Wir wollten einen Abstieg aber nicht von Haus aus absagen.

Die Zusagen der Politik, den Sport mit einem Hilfspaket zu unterstützen, ist bis Jahresende befristet. Ob und in welchem Maße dann Zuschauer erlaubt sind, ist nicht vorhersehbar. Wie bewerten Sie das wirtschaftliche Risiko?

Das Risiko ab Januar ist groß, keine Frage. Wir brauchen Lösungen. Nur, weil wir jetzt starten wollen, ist nicht alles gut und fein. Wir sehen uns aber auch in der Verantwortung gegenüber der Politik. Wenn man uns ermöglicht, einen Teil Zuschauer zuzulassen, müssen wir das auch aufgreifen und Beihilfepakete nutzen. Es ist schwierig, mit der Vorgabe von 20 Prozent der Kapazität oder 1000 Zuschauern über den Dezember hinaus zu planen. Wir haben jetzt einen Anfang, wollen für Vertrauen werben und zeigen, dass wir Hygienekonzepte umsetzen können. Wenn wir aber nicht bis Januar mehr Zuschauer in die Hallen lassen dürfen - bis hin zur vollen Auslastung - oder keine wirtschaftliche Entschädigung bekommen, wird es nicht funktionieren.

Welche Rolle spielt der Profi-Fußball?

Von der Argumentation her wäre es natürlich schwierig, Fußball zu ermöglichen, und andere Sportarten, auch wenn diese in der Halle stattfinden, auszuschließen. Ich glaube, dass uns der Fußball mit Konzepten und Lobbyarbeit hilft. Wichtig ist, dass die Konzepte nun so gut funktionieren, dass man bereit ist, mehr Zuschauer zuzulassen. Das wirkt sich dann auch auf uns aus. Die Crux ist zugleich: Wen man 10 000, 15 000 Zuschauer in Bundesliga-Stadien einem Risiko aussetzt, muss es - gemessen an den Zuschauerzahlen - doch möglich sein, diese Konzepte auch an DEL 2- oder Oberliga-Standorten umzusetzen und Zuschauer zu ermöglichen.

Der Profi-Fußball hat andere wirtschaftliche Möglichkeiten als die DEL2. Wie will die Liga mit Testungen umgehen, und welcher Kostenfaktor kommt auf die Klubs nun zu?

Die Verwaltungsberufsgenossenschaft ist natürlich am Arbeitsschutz interessiert. An deren Konzepte orientieren wir uns. Es wird Eingangstestungen geben, dann bei Symptomen, und gegebenenfalls wird die gesamte Mannschaft getestet. Dies sind Themen, die wir nun - da wir loslegen wollen - zeitnah besprechen werden. Wir haben im Eishockey einen besonderen Vorteil. So sind zum einen Spieler und Zuschauer durch Plexiglasscheiben getrennt. Zum anderen sind die Spieler allein durch ihre Ausrüstung in einer außergewöhnlichen Weise geschützt. Analysen haben gezeigt, dass zudem Kontaktzeiten in einem normalen Spiel deutlich unter 15 Minuten liegen. Die coronabedingten Kosten rund um den Spielbetrieb werden sicher im fünfstelligen Bereich liegen. Aber das ist es den Klubs auch wert; um Personal zu schützen und es den Spielern zu ermöglichen, ihrem Beruf nachzugehen. Schwerwiegender sind in diesem Zusammenhang die Einnahme-Ausfälle zu betrachten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare