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Vater und Sohn: Dale Reinig (links) stand in den 90er-Jahren beim EC Bad Nauheim unter Vertrag. Heute steht Aaron im Kader der Roten Teufel. 

EC Bad Nauheim

Dale Reinig zurück in Bad Nauheim: Sein Image, seine Scorepunkte - und warum er einst suspendiert werden sollte

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Dale Reinig hatte sich in Bad Nauheim das "Eishockey-Gott"-Image erarbeitet. Jetzt, 20 Jahre nach seinem letzten Spiel, besucht der seinen Sohn Aaron, der inzwischen bei den Roten Teufeln unter Vertrag steht.

Dale Reinig hatte lange Zeit um Anerkennung durch die Fans kämpfen müssen. Oftmals wurden nur seine Strafzeiten und Raufereien gesehen. Am Ende hat der Verteidiger des EC Bad Nauheim aber seine Kritiker überzeugt, er wurde als "Eishockey-Gott" gefeiert. 20 Jahre nach dem Ende seiner Karriere ist Dale Reinig zu Besuch in der Wetterau. Sein Sohn Aaron, geboren in Bad Nauheim, steht hier inzwischen unter Vertrag (lesen Sie hier das Interview mit dem aktuell verletzten Verteidiger).  

Strafzeiten sind das eine. 547 Minuten hat Dale Reinig einst beim EC Bad Nauheim gesammelt. Das ist eine Menge. Aber: Er hat in 334 Pflichtspielen auch 56 Tore erzielt und war an weiteren 120 Treffern beteiligt. Das ergibt 176 Scorerpunkte. Verteidiger mit deutschem Pass, die für die Roten Teufel derart häufig gepunktet haben, ausnahmslos in der zweithöchsten Spielklasse, gibt es nur wenige. Im Cafe Müller spricht Dale Reinig über. . .

Der Stachel des verlorenen Finales in Essen sitzt bei Dale Reinig immer noch tief

das verlorene Finale in Essen, das letzte Spiel seiner Karriere:So darf keine Final-Serie entschieden werden. Unser Torwart Bibi Appel ist in 60 Minuten und der Verlängerung ohne Gegentor geblieben und hat vier Penaltys gehalten. Dass man ein solches Spiel verliert: Das darf nicht sein.

seine Zeit als Profi:Ich habe die Hälfte meiner Karriere hier verbracht. Bad Nauheim, die Region - das war mein Zuhause, nicht Buffalo. Die drei Monate im Sommer in den USA haben sich eher wie Urlaub angefühlt. Ich habe hier in Bad Nauheim viele Freunde gefunden, sehr viele außerhalb des Eishockeys. Deshalb bin ich auch ein zweites Mal nach Bad Nauheim gekommen. Und das Gefühl, Zuhause zu sein, das spüre ich auch jetzt. Das hier, das ist wie Familie.

Dale Reinig: Warum er nicht der Typ war, der nur dumme Strafen kassiert hat

seine Spielweise:Viele haben in mir nur den Typen gesehen, der dumme Strafen kassiert hat. Was immer ich aber getan habe: Es war alles für die Mannschaft. Wenn einer den kleinen Dan Del Monte oder Doug Murray, Dino Felicetti und Marc West angegangen ist, dann musste ich natürlich eingreifen und klarmachen, dass das so nicht geht. Ich habe die Strafe gern auf mich genommen, aber die Jungs hatten dann ihre Ruhe und konnten sich auf’s Toreschießen konzentrierten. Das ist eben Teil des Spiels. Ich war immer in den vorderen beiden Blöcken, stand aber auch in Über- und Unterzahl auf dem Eis und hätte nicht 176 Scorerpunkte erzielt, wenn ich nicht auch hätte spielen könnte. Miro Berek wollte mich einst für einige Spiele suspendieren. Da sind Spieler wie Olaf Scholz und Marco Rentzsch aufgestanden und haben sich beim Trainer für mich eingesetzt und ihm aufgezeigt, warum ich für die Jungs wichtig bin.

sein Standing in Bad Nauheim:Mir war egal, was andere über mich denken. Mir war nur die Mannschaft wichtig. Für die Jungs und den Klub habe ich immer gekämpft und alles gegeben. Diese Leidenschaft wurde dann vielleicht auch irgendwann von den Fans gesehen. "Hey, der ist nach verrückt nach dem Team."

Dale Reinig: Vom Eishockey-Profi zum Schreiner und Tischler

die vergangenen 20 Jahre:Mein Vater war Schreiner und Tischler. Ich bin in seine Fußstapfen getreten, war selbstständig im holzverarbeitenden Gewerbe. Jetzt arbeite ich als Zimmermann als städtischer Angestellter. Zudem habe ich den Eishockey-Nachwuchs trainiert. Ich war mit Sicherheit Aarons härtester Coach. Und ich weiß noch, wie oft und lange er abends hinterm Haus geübt hat. Da hatten wir ein kleine Eisfläche und ein Netz gespannt. Stundenlang hat er darauf geschossen.

seinen Sohn Aaron:Ich bin sein größter Fan. Er ist anders als ich. Ich war talentierter, er hat sich alles erarbeitet und ist ein kompletter Spieler. Läuferisch, technisch, in Eins-gegen-eins-Situationen. Er kann sich offensiv einschalten, weiß aber auch, dass er zuerst die Defensive sauber halten muss. Aaron konnte sich kontinuierlich in Deutschland entwickeln. Erst in Kaufbeuren, dann neben Christoph Schubert in Hamburg und schließlich hat er in Deggendorf schon mehr und mehr Verantwortung übernommen. Ich hatte aber dennoch Sorgen, als er in Bad Nauheim unterschrieben hat. Jeder würde Vergleiche ziehen. Bei ihm würde man genau hinschauen. Das erzeugt Druck, dabei musste er Trainer, Kollegen und Umfeld doch erst kennenlernen.

Dale Reinig hätte seinen Sohn Aaron schon gerne spielen sehen

die Verletzung seines Sohnes:Das ging mir tagelang nicht aus dem Kopf. So ist das eben. Man bleibt immer der besorgte Vater. Aber, in Deutschland, einer Fußball-Nation, kennt man sich mit Kreuzbandverletzungen bestens aus. Er ist hier in besten Händen. Aber ja, natürlich hätte ich ihn jetzt zu meinem Besuch gerne zusammen mit den Fans auch spielen sehen.

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