EC Bad Nauheim

Wie Christof Kreutzer ein Team mit Siegermentalität geformt hat

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Träumen erlaubt! Der EC Bad Nauheim steht auf Platz vier der Deutschen Eishockey-Liga 2 und unterstreicht, mit dem Erreichten noch nicht zufrieden zu sein.

Ein Viertelfinale mit Heimrecht? Auf Augenhöhe in einer Serie, nicht als Außenseiter? Vielleicht ja gegen Frankfurt? Und vielleicht mit einer realistischen Möglichkeit auf ein Halbfinale? Ein Wintermärchen? Vieles scheint in diesen Tagen möglich, und ein bisschen träumen darf und soll durchaus einmal erlaubt sein. Keine andere Mannschaft der Deutschen Eishockey-Liga 2 hat in den vergangenen zehn, 20, ja sogar 30 Spielen erfolgreicher Punkte gesammelt als der EC Bad Nauheim. Seit Sonntag, nach dem elften Heimsieg in Serie, stehen die Roten Teufel auf Rang vier und unterstreichen auf dem Transfermarkt, mit dem Erreichten noch nicht zufrieden zu sein. Am Montag wurde Louke Oakley als fünfter Kontingentspieler verpflichtet, Gerüchten zufolge bemühen sich die Hessen auch darüber hinaus um einen deutschen Spieler, der das Team verstärken würde.

Seit Wochen schon gleicht das Colonel-Knight-Stadion einer stimmungs- und inzwischen auch erwartungsvollen Partyzone. "Die Jungs haben durch sehr viele positive Erfahrungen sehr viel Selbstvertrauen. Sie wissen, dass sie gut sind, wenn jeder genau den Teil zum Erfolg beiträgt, der von ihm erwartet wird", sagt Christof Kreutzer, der Trainer der Roten Teufel.

EC Bad Nauheim: Auf Rekordjagd

Eine derartige Heimserie hat Bad Nauheim zuletzt in der Oberliga hingelegt. Ja, drittklassig, und in Spielzeiten als der Kader gezielt für einen Aufstieg zusammengestellt worden war. In den Profiligen muss man lange nach einer vergleichbaren Serie recherchieren. In der Saison 1998/99 - das ist sage und schreibe 20 Jahre her - hat Bad Nauheim einmal 18 Heimsiege in Folge gelandet. Aber auch damals, unter Coach Frank Carnevale, war die Mannschaft eben hochpreisig für den maximalen sportlichen Erfolg zusammengebaut worden.

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Kreutzer hat in diesem Jahr andere Bedingungen vorgefunden. Platz fünf aus der Vorjahr schien eine Hypothek, nicht zu toppen. Bei seiner Verpflichtung hatte ein Teil des Kaders bereits Verträge unterschrieben. Der Ex-DEL-Coach ergänzte und fügte so manches Puzzleteile nach durchwachsenem Start neu zusammen. Teils gezwungenermaßen, beispielsweise als Jonathan Boutin, ein elementarer Faktor, verletzungsbedingt wegbrach, teils aus seiner Analyse heraus. Jannik Woidtke wurde durch Denis Shevyrin verdrängt, James Livingston durch Zach Hamill. Und auch die Sylvester-Brüder Dustin und Cody brennen ihr Feuerwerk erst ab, seitdem sie in getrennten Reihen auflaufen.

Apropos Cody Sylvester: Der Kanadier wird möglicherweise am Mittwoch wieder auf das Eis gehen. Dass er am Wochenende sein Comeback feiert, erscheint angesichts der Oakley-Verpflichtung, die Zeit zur völligen Genesung gibt, eher unwahrscheinlich.

Selbst durch den Sylvester-Ausfall hat sich die Mannschaft nicht von ihrem Kurs abbringen lassen. Der Erfolg hat inzwischen eine Eigendynamik entwickelt. Siege wirken wie selbstverständlich. Rückstände wie in den letzten beiden Heimspielen (0:2 gegen Bayreuth, 1:2 gegen Bad Tölz) bringen das Team nicht aus der Balance. "Die Jungs haben es verinnerlicht, den Weg zu gehen, der sie stark macht. Und Nachlässigkeiten, wie beispielsweise beim Unterzahl-Gegentor gegen Tölz sieht man nur ganz selten", freut sich der Coach, dem es gelingt, seine junge Mannschaft nicht abheben zu lassen. "Jeder Spieler trägt seinen Teil zum Erfolg bei. Und wenn mal kurzfristig einer ausschert, schreiten die Kollegen schnell wieder ein."

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