EC Bad Nauheim

Die Bilanz des EC Bad Nauheim vor der Länderspielpause: Noch Luft nach oben

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Platz neun! Mittendrin im breiten Mittelfeld der Tabelle. Damit lässt sich grundsätzlich erstmal leben. Doch rund läuft es noch nicht. Beim EC Bad Nauheim wird die DEL2-Pause zur Analyse genutzt.

Pause. Zeit zur Aufarbeitung. Was läuft gut? Was muss besser werden? Welche Optionen bieten sich? Personell, finanziell, taktisch. In dieser Woche werden sie zusammensitzen. Andreas Ortwein und Matthias Baldys, der Geschäftsführer und der Sportlicher Leiter, sowie Christof Kreutzer und Harry Lange, der Trainer und sein Assistent. Die wichtigsten Fragen in der Viererrunde: Wie reagiert der EC Bad Nauheim auf der Torwart-Position, da Hendrik Hane - unabhängig der schulischen Verpflichtungen - aufgrund der U 20-Weltmeisterschaften in der ersten Dezember-Hälfte fehlen wird? Wie steht’s um Huba Sekesi, der einen positiven ersten Eindruck hinterlassen hatte, sich aber noch vor Ablauf der Tryout-Vereinbarung schwer an der Schulter verletzt hat? Und: Inwiefern entwickeln sich Zuschauerzahlen und mögliche wirtschaftliche Spielräume? Die wichtigsten Punkte zur Länderspiel-Pause in der DEL 2.

Der Ist-Zustand: Die Roten Teufel haben die Kurve noch bekommen. Nach nur drei Punkten aus den ersten vier Spielen konnte mit einen Sechs-Punkte-Wochenende (in Frankfurt/gegen Ravensburg) die Wende eingeleitet werden. Seit dem 7. Oktober hält sich Bad Nauheim in den Top-10; allerdings hatten die Hessen schon frühzeitig ein Spiel mehr als ein Großteil der Konkurrenz absolviert. Mit Kassel und Dresden haben die Roten Teufel aktuell zwei Mannschaften hinter sich, die dort vom Potenzial nicht hingehören. Der Kampf "am Strich" wird die Rote Teufel - wie erwartet - lange begleiten.

EC Bad Nauheim: Kontingentspieler bislang mit gemischtem Zeugnis

Die Transferpolitik: Der Kader wurde verjüngt; zählt zu den jüngsten der Liga. Drei der sieben Verteidiger am Wochenende gehören dem Geburtsjahrgang 1998 an. Das darf nicht vergessen werden. Einen klassischen Fehlgriff gibt es nicht. Trainer Kreutzer hat schon früh personell reagiert (Denis Shevyrin/Huba Sekesi). Er will den Konkurrenzdruck hoch halten. Jannik Woidtke wurde nach Kassel abgegeben.

Man könnte sagen, die einen spielen oberhalb meiner Erwartungen, andere unterhalb, und das gleich sich aus. Aber das reicht mir nicht

Trainer Christof Kreutzer

Die Kontingent- und Führungsspieler: Sie müssen den Unterschied ausmachen. Dass sie dies können, haben sie gezeigt. Aktuell fehlt aber die Beständigkeit. Hinten steht Mike Dalhuisen für Spektakel und Emotionen, allerdings leistet sich der Niederländer zu viele Unkonzentriertheiten. Offensiv wächst Dustin Sylvester langsam in die ihm zugedachte Rolle, spielt das eine oder andere Zauberpässchen. Sein jüngerer Bruder Cody hatte zwischenzeitlich einen Lauf (in sechs von sieben Spielen unter den Torschützen), zuletzt - leicht gehandicapt - erzielte er allerdings nur einem Tor in sechs Spielen. An James Livingston scheiden sich erwartungsgemäß die Geister. Der Kanadier gewinnt quasi jeden Zweikampf, spielt mit viel Energie, doch verpuffen seine Aktionen. Zwei Tore sind für einen Kontingentspieler zu wenig. Dahinter sollen Spieler wie Radek Krestan, nach gutem Start zuletzt unauffällig, Max Brandl, vielfach mit Routine im vierten Block eingesetzt, oder auch Steve Slaton, der "Mr. Unverwüstlich" in der Abwehr, die Mannschaft führen. "Meine Messlatte liegt hoch. Man könnte jetzt sagen, die einen spielen oberhalb, andere unterhalb der Erwartungen, und das gleich sich aus. Aber das reicht mir nicht", sagt Trainer Kreutzer.

EC Bad Nauheim: Die Chancenverwertung muss besser werden

Was ist gut? Die Mannschaft präsentiert sich als die erhoffte homogene Einheit, versprüht viel Energie. Die Moral ist intakt. Gerade am Sonntag ist der Funke trotz eines Drei-Tore-Rückstands noch einmal auf die Zuschauer übergesprungen. In der Tiefe ist der Kader ausgeglichener besetzt, kreiiert sehr viele Torchancen.

Was muss besser werden? Zum einen, der Klassiker: die Chancenverwertung. Zudem - das sollte eine Frage von Zeit und Entwicklung sein - muss es gelingen, Konstanz und Stabilität in das Spiel zu bekommen. "Wir gehen in die richtige Richtung. Aber nach einem Sechs-Punkte-Wochenende muss man eben auch mal nachlegen", sagt Kreutzer. Außerdem: Schon zwölf Mal (!) haben die Teufel zwei Gegentreffer binnen fünf Minuten kassiert. Nur sechsmal hat die Mannschaft selbst einen Doppelschlag landen können. Jüngstes Ärgernis: die Bankstrafen nach fehlerhaften fliegenden Wechseln.

EC Bad Nauheim: Zuschauerschwund macht EC-Verantwortlichen zu schaffen

Die wirtschaftliche Lage: Bad Nauheim fehlen im Vergleichszeitraum zum Vorjahr (da gab’s aber bereits zwei Heimspiel-Derbys) 600 Zuschauer; pro Spiel! Die Resonanz stimme "nachdenklich" und sei "belastend", sagt Geschäftsführer Ortwein angesichts des Schwunds der wirtschaftlichen Grundlage. DEL 2-weit sind die Zuschauerzahlen leicht rückläufig. Der lange Sommer mit den Outdoor-Freizeitaktivitäten wird als wichtigster Faktor für diese Entwicklung genannt. Der Fehlstart dürfte ebenfalls eine Rolle spielen. "Von vielen wird die DEL 2 als alltäglich angesehen. Wir müssen uns diesem Thema annehmen", sagt Ortwein.

Von vielen wird die DEL 2 als alltäglich angesehen. Wir müssen uns diesem Thema annehmen

Geschäftsführer Andreas Ortwein

Die Kooperation mit Düsseldorf und Herne: Bad Nauheim profitiert mehr als angesichts des kleinen DEG-Kaders zu erwarten war. Verteidiger Nicklas Mannes hat 16 von 17 Zweitliga-Spielen bestritten, Torwart Hendrik Hane (elf Einsätze) ist aktuell Gold wert, und mit Abwehrspieler Johannes Huß ist auch schon ein dritter DEG-Profi für Bad Nauheim aufgelaufen, bevor er zuletzt verletzungsbedingt gefehlt hat. Zwei Spieler haben die Hessen zudem für ein Wochenende nach Herne abgegeben; auch hier wurden weitere Einsätze erst durch Verletzungen verhindert.

Info

Gewinner und Verlierer des ersten Saisonviertels

Der Gewinner: Hendrik Hane. Der 18-Jährige hat seine Möglichkeit genutzt, im Profibereich auf sich aufmerksam zu machen. Der Torwart aus dem Nachwuchs der Düsseldorfer EG war bis dato nur Insidern ein Begriff. Aktuell ist er Stammkeeper der Roten Teufel, die er zu zwei Derby-Siegen geführt hat. Mit seinen Leistungen hat er sich für eine Nominierung zur U20-WM im Dezember empfohlen. Der Verlierer: Jonathan Boutin. Er ist eher als Pechvogel zu bezeichnen. Der dreifache DEL2-Torwart des Jahre hatte den Anspruch, "so zurückzukommen, wie ich die Liga verlassen habe". Der 33-Jährige galt als Transfercoup. Er konnte diese Erwartungshaltung bislang aber nicht erfüllen. Bereits im dritten Spiel wurde er abgelöst, im vierten Match verletzte er sich. Seitdem fällt Boutin aus; Rückkehr ungewiss.

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