EC Bad Nauheim

Baustellen, Kuriositäten, Lerneffekte - Das ist die Bilanz nach dem Stolperstart des EC Bad Nauheim

  • Michael Nickolaus
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Drei Punkte aus vier Spielen. Das entspricht nicht den Erwartungen. Die Unzufriedenheim beim Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim ist spürbar. Eine Analyse.

Der Torwart: verunsichert. Die Offensiv-Kontingentspieler: in drei von vier Spielen ohne Scorerpunkt. Die Bilanz in Überzahl: mehr Gegentore als eigene Treffer. Der Christof-Kreutzer-Effekt: schon verpufft. In Bad Nauheim, wo Erwartungen auch gerne mal überhöht werden, ist die Enttäuschung nach einem Drei-Punkte-Start aus vier Spielen in der Deutschen Eishockey-Liga 2 spürbar. "Wer mich kennt, der weiß, dass ich mit drei Punkten am Wochenende nicht zufrieden bin", sagt Kreutzer, der neue Trainer der Roten Teufel. "Man muss trotz des Vorjahres aber auch realistisch sein und sehen, dass wir in jedem Spiel ans Limit und darüber hinaus gehen und um jeden Punkt kämpfen müssen." Das hatte seine Mannschaft nicht im erforderlichen Maß gezeigt. Nach dem 5:4-Heimsieg am Freitag gegen Dresden wurden Biss, Leidenschaft und Zweikampfhärte am Sonntag beim 0:4 in Freiburg vermisst. Eine von derzeit noch vielen Baustellen.

Inzwischen offenkundig: das Torwart-Problem. Ein Thema, das öffentlich natürlich klein gehalten werden soll. Jonathan Boutin ist aktuell ein Unsicherheitsfaktor. Dass der gebürtige Kanadier trotz der starken Freitag-Leistung von Stellvertreter Jan Guryca am Sonntag wieder in der Starting-Six stand, überraschte. "Er ist die Nummer eins - und deshalb hat er eine neue Chance bekommen", erklärt Kreutzer seine Entscheidung. 45 Spielminuten später sollte er diese revidieren und brachte Guryca - quasi die Höchststrafe für Boutin. Der 33-Jährige hatte keinen klaren Fehler gemacht - eben aber auch nichts festgehalten, um seinen Vorderleuten Sicherheit zu geben. Der Wechsel nach dem vierten Gegentor hat der Mannschaft erkennbar gut getan. Nach vier Spielen hat nur Schlusslicht Dresden mehr Gegentore kassiert.

EC Bad Nauheim: Kontigentspieler haben Führungsrollen noch nicht übernommen

Offensiv haben die Sylvester-Brüder Dustin und Cody in der Hauptrunde noch nicht die Führungsrollen übernommen, die die Testspiel-Eindrücke hatten vermuten lassen, und die sie als Kontingentspieler übernehmen müssen. "Die beiden wissen, dass mehr von ihnen kommen muss. Und diese beiden muss man sich aber keine Sorgen machen", ist Kreutzer überzeugt. Einen Treffer erst hat das nordamerikanische Offensiv-Trio bislang erst erzielt; obwohl naturgemäß auch im Powerplay gesetzt. Insbesondere in den ersten beiden Spieldritteln in Freiburg kam von den Kontingentspielern zu wenig.

Positiv überraschen kann derweil Max Hadraschek. Auf der Mittelstürmerposition, mit James Livingston und Radek Krestan auf den Flügeln, scheint sich der Vorjahres-Oberliga-Torjäger rasch akklimatieren zu können. Er trägt den Topscorer-Goldhelm.

EC Bad Nauheim: Neuer Konkurrenzkampf in der Defensive

Defensiv könnte Nicolas Geitner den Konkurrenzkampf beleben. Der U-Nationalspieler gab am Sonntag seinen Einstand. "Er hat einen guten Job gemacht. War beweglich, schnell am Mann", bescheinigte ihm später sein Trainer. Vier Spiele erhält der 19-Jährige die Möglichkeit, sich zu empfehlen. Erstes "Opfer": Daniel Stiefenhofer. Am Freitag hatte "Stiefi" nur reduzierte Eiszeiten erhalten. Am Sonntag stand der groß gewachsene Linksschütze angesichts von insgesamt acht Verteidigern gar nicht erst im Kader. Eine klares Statement, dass bei Kreutzer beim Vergleich von Anspruch und Wirklichkeit bei den Leistungen des Spielers mit der Nummer 90 aktuell eine Diskrepanz sieht.

Mehr als kurios: die Powerplay-Bilanz. In 14 Überzahl-Situationen haben die Roten Teufel zwei Treffer erzielt; allerdings auch drei Gegentore kassiert. Verblüffend: Zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison steht Bad Nauheim im deutschen Profi-Eishockey nicht alleine da. In der DEL haben die Schwenninger Wild Wings gleichfalls diese sehr außergewöhnliche Bilanz aufzuweisen.

EC Bad Nauheim: Trainer Kreutzer setzt auf Lerneffekte innerhalb der Mannschaft

Aus Freiburg hätte man nicht ohne Punkt heimfahren müssen, ärgert sich Kreutzer. Dennoch: "Es war ja nicht alles falsch und schlecht am Wochenende." Der Trainer setzt auf Lerneffekte. Sein Kader zählt zu den jüngsten in der gesamten Liga. In allen vier Spielen hatte die Mannschaft Anlaufschwierigkeiten, wirkte nervös. "Einige waren am Sonntag lange Zeit nur bei 70 bis 80 Prozent. Das reicht nicht. Und ich denke, dass sollte nun auch jedem bewusst geworden sein."

Einen Drei-Punkte-Start musste man angesichts des Auftakt-Programm mit Duellen gegen drei vermeintliche Top-6-Kandidaten durchaus einkalkulieren. Jetzt aber heißen die kommenden Gegner Lausitz (Kerb-Freitag-Heimspiel, 19.30 Uhr) und Bad Tölz (Sonntag, 18.30 Uhr).

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