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Arm, aber sexy: Floorball Griedel kämpft mit wenig Geld gegen Wundertüte

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Von: Erik Scharf

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Während die mögliche Rückkehr in die 2. Liga Floorball Griedel elektrisiert, steht über allem die Frage: Ist der Aufstieg finanziell zu stemmen?

Wenn Trainer ihre Taktiktafel zücken, dauert es meistens etwas länger. Nicht so bei Olof Dandanelle. Alles läuft rasend schnell – genau wie der Sport, den er seiner Mannschaft vermittelt. Eine Ansage genügt, um die volle Aufmerksamkeit aller 20 Trainingsgäste beim Regionalligisten Floorball Griedel zu bekommen. Kurze Zeit später fliegen den Torhütern, die kniend versuchen, Schüsse mit den Armen und dem Oberkörper abzuwehren, die Bälle um die Ohren. Alle sind konzentriert bei der Sache, denn es ist Playoff-Zeit. Als Zweiter der Regionalliga soll die Spielzeit mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga gekrönt werden.

Wenig Gemeinsamkeiten mit Eishockey

Floorball ist ein schneller, technisch anspruchsvoller Sport, bei dem im Vergleich zum Eishockey aber die Physis keine große Rolle spielt. Gemeinsamkeiten mit dem populäreren Sport auf dem Eis sieht Walter Doornveld »höchstens in der Strategie, aber auch da nur bedingt, weil es im Floorball kein Abseits gibt«. Doornveld ist Niederländer und wuchs in der Schweiz auf. Dort entdeckte er seine Liebe für das, was in Deutschland auch als Unihockey bekannt ist.

Floorball-Action im Video: Das Derby zwischen Floorball Griedel und Tollwut Ebersgöns

Als Doornveld 2004 nach Butzbach zog, fuhr er zunächst nach Frankfurt, um Floorball zu spielen. »Ich dachte mir, dass es doch auch möglich sein muss, in Butzbach einen Verein zu gründen«, sagt Doornveld, der das Vorhaben in die Tat umsetzte. 2010 nahm der SV Floorball Butzbach 04 den Spielbetrieb auf, seit 2017 ist man eine Abteilung beim TSV Griedel und spielt unter dem Namen Floorball Griedel.

     Wundertüte trotz Scouting

Im Playoff-Halbfinale geht es am Samstag (15 Uhr in der August-Storch-Halle) gegen die SSF Dragons Bonn II, deren erste Mannschaft in der 2. Bundesliga Nord/West unterwegs ist. Ursprünglich sollte das Duell im Hin- und Rückspiel entschieden werden, nun geht es jedoch in einem K.o.-Spiel um Finale oder Saisonende. »Das Team ist heiß, schon im September wird gefragt, wann der Termin ist, um sich das Wochenende freizuhalten. Wir wollen die beste Saisonleistung bringen, dann haben wir gute Chancen«, sagt Trainer Dandanelle, gebürtiger Schwede. Er selbst überlässt nichts dem Zufall und hat Bonn scouten lassen, um sich optimal vorzubereiten. Trotzdem bleibt der Gegner eine Wundertüte, denn keiner weiß, wen die Bonner aus dem Bundesliga-Kader mitbringen.

Wir hätten uns es finanziell nicht mehr leisten können

Walter Doornveld

Für die Butzbacher ist das Heimspiel auch ein finanzieller Vorteil, schließlich werden Fahrtkosten in der Regionalliga nicht umgelegt. Eine Liga höher ist das anders. Von 2011 bis 2015 spielten die Butzbacher schon einmal in der 2. Liga. »Am Ende waren wir sportlich nicht in der Lage, die Liga zu halten. Aber wir hätten uns es auch finanziell nicht mehr leisten können«, sagt Doornveld.

Kein Geld ohne Vitamin B

Auch die Floorballer haben im Schatten des großen Volkssports zu kämpfen: »Der lokale Fußball frisst alles an Sponsoren ab, selbst die Handballer haben Probleme, Geldgeber zu finden.Wir kriegen das schon gestemmt, aber es wird ganz eng«, sagt Doornveld mit Blick auf einen möglichen Aufstieg.

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Ohne Vitamin B gehe bei der Sponsorensuche nichts, dafür sei Floorball zu sehr Randsportart. Obwohl, das fügt der Butzbacher Floorball-Pionier an, bei Derbys gegen Ebersgöns bis zu 250 Zushauer kommen. In der Schweiz, so erzählt er, sei das anders. »Da werden einzelne Spiele vor 10 000 Zuschauern gespielt und im TV übertragen. Dort ist Floorball nach Fußball und Eishockey die Nummer drei.«

Eine große Nummer ist der Sport auch in Skandinavien. »Dabei kannte das in Schweden vor zehn Jahren auch kaum ein Mensch«, sagt Dandannelle. Populär wurde es über den Schulsport, von 1991 bis 2002 organisierten sich über 80 000 Leute im nationalen Verband – fast so viele wie beim Eishockey. In Deutschland ist das eher unwahrscheinlich.

Keine 2. Liga aus eigener Kraft

Die Hochburgen liegen hierzulande im Osten und Norden der Republik. Der UHC Sparkasse Weißenfels aus Sachsen-Anhalt ist Serienmeister der Bundesliga (13 Titel seit 2003), von den zehn Teams kommen drei aus den neuen Bundesländern, zwei Mannschaften jeweils aus dem Großräumen Hamburg und Bremen. Im nationalen Vergleich liegt Hessen im Mittelfeld.  

Aus eigener Kraft kann in Hessen kein Verein 2. Liga spielen

Olof Dandanelle

Klar ist aber auch: »Aus eigener Kraft kann in Hessen kein Verein 2. Liga spielen.Das geht nur, wenn Spieler von außerhalb dazukommen«, sagt Dandanelle. Dass sich Vereine zusammenschließen, um Kräfte zu bündeln, hält er prinzipiell für möglich. Letztlich wird das aber an den Eigeninteressen der Vereine scheitern«, sagt der Trainer. »Von außerhalb« bedeutet beispielsweise auch aus dem europäischen Norden. In der aktuellen Mannschaft spielen vier Skandinavier, die teilweise aus dem Frankfurter Raum kommen und den Weg nah Butzbach auf sich nehmen, um »gutes Floorball-Niveau zu spielen«.  

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Davon profitieren die Griedeler in allen Bereichen. Überhaupt will sich der Sport professionalisieren. Noch gibt es beispielsweise keine Trainer-Lizenzen, entsprechende Lehrgänge sind in der Zukunft aber angedacht. Dass würde auch bei der Nachwuchsarbeit helfen. In Butzbach läuft diese schon bemerkenswert. Von der U7 bis zur U13 sind durchgehend Jugendmannschaften im Spielbetrieb, Mädchen und Jungs spielen gemeinsam. Nächste Saison soll eine U15 hinzukommen. Einziges Manko: »Unser Nachwuchs kommt überwiegend über Kontakte, von außen haben wir noch nicht den Anlauf«, sagt Doornveld.

Duell mit dem EC Bad Nauheim

Übrigens: Mit Eishockey-Zweitligist EC Bad Nauheim sei man zwar nicht im Austausch, eine erste Annäherung gab es aber in den sozialen Medien. Im Rahmen des Pokal-Finalturniers der Floorballer in Berlin spielte eine heimische Mannschaft gegen Eishockey-Legenden. Daran angelehnt forderten die Griedeler auf ihrer Facebook-Seite die Roten Teufel heraus. Eine Antwort steht noch aus. Vielleicht kommt diese als Belohnung, wenn der Aufstieg tatsächlich geschafft werden sollte.

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