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Sie wollen sich gegenseitig zur Seite stehen

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Frankfurt (pia). Als »beste Grundlage der neuen Städtepartnerschaft« zwischen Yokohama und Frankfurt hat Oberbürgermeisterin Petra Roth »die vielen Gemeinsamkeiten« der beiden Kommunen hervorgehoben.

Daraus ließen sich »verbindende Potenziale machen«, sagte sie in einer Rede im Stadtparlament von Yokohama. Beide Städte wüssten sich im Wettbewerb der weltweiten Ökonomie zu behaupten, stünden zu ihrer Verantwortung in Zeiten des Klimawandels und förderten ein reichhaltiges kulturelles Leben, so Roth. Mit ihrer Amtskollegin Fumiko Hayashi und Frankfurts Stadtverordnetenvorsteherin Bernadette Weyland unterzeichnete sie den Städtepartnerschaftsvertrag zur wirtschaftlichen, ökologischen und kulturellen Zusammenarbeit.

Beim Nachdenken über die Gründung einer Städtepartnerschaft zwischen Japans zweitgrößter Kommune und der Mainmetropole habe sich gezeigt: Beide Gemeinwesen verbinde viel Gemeinsames, aus dem die Kraft erwache, »die wir für dieses 21. Jahrhundert brauchen«, hob Roth hervor. Wenn es um die Zukunft gehe, lohne es sich, über das künftige Verhältnis von Natur und Kultur nachzudenken, wie es gegenwärtig bei der Kunst-Triennale in Yokohama gemacht werde. Die Ausstellung stellt europäische und japanische Surrealisten und Neosurrealisten in einen Zusammenhang. Nach dem Festakt zur Begründung der Städtepartnerschaft sahen sich Repräsentanten beider Städte die Exponaten-Sammlung gemeinsam an.

»Bei der Entzauberung von Mythen können wir uns auf unsere Kultur verlassen, um auf dem Pfad der Aufklärung voranzukommen«, sagte OB Roth in ihrer Rede vor dem Parlament Yokohamas. Frankfurt habe sich vorgenommen, einen Kulturcampus zu schaffen, der im Fokus der Stadtentwicklung stehe. Nicht anders als der Neubau der Europäischen Zentralbank, der gegenwärtig am Ufer des Mains entsteht. Wenn ihre Amtskollegin Hayashi am 4. November den Rhein-Main-Flughafen ansteuern werde, um bei der Eröffnung der »Japan Week« in Frankfurt dabei zu sein, werde sie sich die Dimensionen dieses Projektes bereits aus der Luft erschließen können.

Auf die Weitsicht der europäischen Währungshüter komme es in der Gegenwart entscheidend an, unterstrich die Oberbürgermeisterin: Mit ihrem Wissen und der Klugheit nationaler Regierungen könne es gelingen, das politische Gebilde Europa zusammenzuhalten. Dafür müsse man als überzeugter Europäer entschlossen eintreten, sagte Roth. Die Europäische Union habe es möglich gemacht, dass das 20. Jahrhundert nach der Katastrophe in der zweiten Hälfte eine entscheidende Wendung genommen habe. Daraus habe Europa gelernt: Aus dem Gemeinsamen erwachsen wirklich Kräfte.

Aus den insgesamt 15 Städtepartnerschaften, die Frankfurt pflege, gingen Impulse für das Zusammenleben der Menschen im 21. Jahrhundert hervor. Im kommenden Jahr könnten Experten aus Yokohama und Frankfurt das gemeinsam mit ihren französischen Freunden in der gemeinsamen Partnerstadt Lyon deutlich machen: Bei der Polutec-Messe, die sich der Energieeffizienz widme.

Bei Städtepartnerschaften sei es eine Selbstverständlichkeit, sich gegenseitig zur Seite zu stehen, hob Roth hervor. Nach der Katastrophe vom 11. März in Fukushima seien die Frankfurter in großer Sorge gewesen und hätten lieber heute als morgen konkrete Hilfe geliefert. »Es ist gut, dass wir jetzt in Sendai gemeinsam Anstrengungen für den Wiederaufbau in dieser Stadt unternehmen.« Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung hatte einer Spende von 250 000 Euro zugestimmt, um dieser japanischen Kommune nach Tsunami und Reaktorunfall zu helfen. Mit diesem Geld soll eine weitgehend zerstörte Werkstatt für Behinderte in Sendai wieder aufgebaut werde. Sendai ist von dem Unglück vor einem halben Jahr besonders schwer betroffen.

Hayashi dankte für die Geste der Frankfurter Delegation, zu der neben Stadtverordnetenvorsteherin Weyland auch Planungsdezernent Edwin Schwarz, Wirtschaftsdezernent Markus Frank und Infrastruktur-Dezernent Volker Stein gehören. »Wir werden die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Kommunen nach Kräften befördern«, unterstrich die Oberbürgermeisterin Yokohamas. Über konkrete Projekte im Bereich der Kultur gebe es auch bereits intensive Gespräche. Hayashi machte deutlich, dass Yokohama »große Erwartungen« an die Städtepartnerschaft habe. Sie kündigte an, dass es bereits im Januar kommenden Jahres möglich sein werde, von Frankfurt aus den zweiten, wesentlich näher zu Yokohama gelegenen Tokioter Flughafen Haneda anzusteuern. Davon verspreche sie sich »eine beträchtliche Verkürzung der Reisezeit«. Die Strecke Frankfurt-Tokio nimmt mit dem Flugzeug elf Stunden in Anspruch. Gegenwärtig schließt sich dann eine etwa anderthalb stündige Weiterfahrt mit dem Auto an.

»Nach diesem wunderbaren Empfang in Yokohama freuen wir uns auf das Eintreffen der Delegation aus Japan Anfang November in Frankfurt«, unterstrich Weyland. Bei dem Besuch in Yokohama sei deutlich geworden, dass sich viele Bürger für die Verbindung beider Städte interessierten und mitmachen wollten. Auf dieser Grundlage lasse sich aus der Städtepartnerschaft etwas ganz Besonderes machen.

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