»Wir arbeiten am Rande der Belastungsgrenze«

Frankfurt (pm/ach). Opfer von sexueller Gewalt leiden lange unter den Folgen und brauchen professionelle Hilfe. An den Frankfurter Frauennotruf wenden sich derzeit mehr Frauen als jemals zuvor, wie dieser in einer Pressemitteilung schreibt.

Frankfurt (pm/ach). Opfer von sexueller Gewalt leiden lange unter den Folgen und brauchen professionelle Hilfe. An den Frankfurter Frauennotruf wenden sich derzeit mehr Frauen als jemals zuvor, wie dieser in einer Pressemitteilung schreibt. Bereits Ende Januar verzeichnete die Beratungsstelle 25 Prozent mehr Fälle im Vergleich zum Januar des vergangenen Jahres, und der Trend habe sich im Februar fortgesetzt.

Unter den Anfragenden seien einige Akutfälle, die intensiver Betreuung bedürfen. Die meisten Frauen seien zwischen 20 und 40 Jahre alt, zehn Prozent unter 20 Jahren. Vor allem sie seien es, die sofortige Hilfe brauchten. Bereits im vergangenen Jahr hätten immer mehr Frauen den Frauennotruf um Krisenintervention gebeten. Viele hätten angegeben, in der eigenen Wohnung angegriffen worden zu sein, lebten zum Tatzeitpunkt aber mit dem Angreifer nicht zusammen. In den wenigsten Fällen habe es sich um Fremdtäter gehandelt. Für viele Betroffene sei es nicht die erste Gewalterfahrung. Gudrun Wörsdörfer vom Frauennotruf berichtet: »Für die Mädchen und Frauen ist dies extrem belastend. Sie haben oft kaum die Kraft, die neue Gewalt-Erfahrung zu bewältigen. Ihnen muss geholfen werden, um die sogenannten ›Opferkarrieren‹ zu unterbrechen.«

Deutlich mehr bedrohte Frauen meldeten sich im neuen Jahr. Dabei handele es sich oft um verbale Attacken und Einschüchterungen bis hin zu Morddrohungen. Um einzuschätzen, wie gefährdet die Frauen sind, müssten die Fälle gründlich abgeklärt werden. Häufig müssten weitere Stellen eingeschaltet werden, um Schutz und Sicherheit wieder herzustellen. Wörsdörfer: »Wir arbeiten am Rande der Belastungsgrenze.« Bereits 2008 habe die Beratungsstelle einen Antrag auf Förderung einer halben Personalstelle an das Land Hessen gestellt. »Faktisch ist die Arbeit unter diesen Bedingungen nur mehr schlecht zu leisten. Wir bemühen uns, die Qualität aufrechtzuerhalten, aber wir sind unterbesetzt und überlastet«, so Wörsdörfer. Leidtragende seien die Betroffenen. Die Beratungsstelle könne Anfragen nicht entgegennehmen, Telefonleitungen seien besetzt oder nur über einen Anrufbeantworter erreichbar. Für einen persönlichen Gesprächstermin müssten Frauen oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Wörsdörfer sieht Handlungsbedarf: »Tatsächlich sehen wir hier das Land Hessen in der Verantwortung.« Die Aussicht auf Förderung des gestellten Antrags ließe wieder mehr Spielraum zu. Die Telefonnummer des Frauennotrufs lautet: 0 69/70 94 94.

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