Übereinstimmend von "Meilenstein" gesprochen

Frankfurt (lhe). Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, und Oberbürgermeisterin Petra Roth sprachen übereinstimmend von einem "Meilenstein": Nach jahrelanger Diskussion hat die Stadt am Dienstag der Europäischen Zentralbank offiziell die Genehmigung für ihren 500 Millionen Euro teuren Neubau erteilt. Roth ließ es sich nicht nehmen, das in rotbraunes Leder eingebundene Dokument im traditionsreichen Römer an Trichet persönlich zu überreichen. Damit kam ein langwieriges Verfahren zum Ende, das zuletzt sogar die Gerichte beschäftigte.

Nach den Plänen des Wiener Büros Coop Himmel(b)lau will die EZB im Ostend bis zum Jahr 2011 zwei gläserne Doppeltürme errichten. Diese wachsen – spektakulär ineinander verschlungen – 185 Meter hoch in den Himmel. Doch nicht die direkt am Main gelegenen Bürotürme waren umstritten, sondern die in den Neubau integrierte Großmarkthalle. Die aus dem Jahr 1928 stammende denkmalgeschützte Spannbeton-Halle des Architekten Martin Elsaesser erhält einen stählernen Querriegel, der der EZB künftig als Eingangscenter und auch als Pressezentrum dient.

Dieser Umbau hat in der Mainmetropole für hitzige Debatten gesorgt. Während die Landes-Denkmalpfleger nichts einzuwenden hatten, gab es kritische Stimmen bei Architekten und auch bei der Stadt. So wurde im abrisswütigen Frankfurt, das sich seit Jahrzehnten recht wenig um den Denkmalschutz geschert hat, ausgerechnet der praktisch unvermeidliche Eingriff in die Großmarkthalle zum Streitpunkt.

Die Elsaesser-Erben entschlossen sich schließlich sogar zur Klage. Doch das Landgericht Frankfurt erklärte sich im vergangenen Jahr für nicht zuständig und verwies die Sache an den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Jetzt hat die EZB auf die den Euro-Bankern nachgesagte diskrete Art den Fall mit Hilfe des Scheckbuchs aus dem Weg geräumt. Die Erben sollen eine Abfindung von rund 200 000 Euro erhalten, die der Elsaesser-Stiftung zur Verfügung gestellt wird. Darauf haben sich die EZB und die Stadt mit den Klägern prinzipiell geeinigt, wie am Dienstag bekanntwurde.

"Diese Baugenehmigung hat Bestand", betonte die CDU-Politikerin Petra Roth. Und Trichet versicherte in einer von ihm auf Deutsch und Englisch verlesenen Erklärung, dass die EZB die vom Denkmalschutz gemachten Auflagen bei der Neugestaltung der Markthalle einhalten werde. In den vergangenen zwei Jahren hätten Experten "Tausende von Arbeitsstunden" investiert, um die Methoden zum Erhalt des 220 Meter langen Gebäudes zu untersuchen.

Mit den Bauarbeiten wurde bereits Anfang April begonnen, eine Teilbaugenehmigung lag schon seit Monaten vor. Die EZB scheint dabei in der Tat sehr behutsam vorzugehen: Stein für Stein werden die Klinker-Anbauten an der Großmarkthalle abgetragen, deren Abriss ebenfalls lange umstritten war. An anderer Stelle werden die Backsteine wiederverwendet. In etwa drei Jahren soll der für über 2000 Mitarbeiter geplante Neubau bezugsfertig sein. Die gesamten Investitionskosten belaufen sich auf 850 Millionen Euro. Derzeit hat die EZB rund 1350 Beschäftigte, die auf mehrere Gebäude in der Innenstadt verteilt sind.

Aus Alt und Neu entstehe ein einzigartiges Gebäude, lobte Trichet den geplanten Neubau. Und OB Roth schwärmte, dass das für seine Skyline berühmte Frankfurt mit dem kühnen Entwurf der Wiener Architekten ein weiteres prägendes Hochhaus erhalte. Die früher als "Frankfurter Bauch" bezeichnete Gemüsehalle werde nun zum "Finanzhirn" Europas, philosophierte sie weiter.

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare