Schon 44 000 Einsätze für Christoph 2

Frankfurt. Der Hubschrauber, der von einem Notfall zurückkommt, macht mächtig Wind. Die Rotorblätter kreisen, während der Pilot auf dem 13. Stock eine Punktlandung hinlegt. Die Kufen von Christoph 2 passen gerade so auf die runde Landeplattform. Rettungsflüge verlangen vollen Einsatz – sie gibt es jetzt seit 40 Jahren in Hessen.

Am 15. August 1972 nahm Christoph 2 seinen Dienst auf, einer der ersten Rettungshubschrauber in Deutschland. Stationiert ist der knallorange Flieger an der Frankfurter Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU). In den 40 Jahren hat Christoph 2 nach Angaben des Krankenhauses fast 44 000 Einsätze absolviert.

Mittlerweile ist eine neue Maschine im Einsatz, und gestartet wird seit 1997 vom Dach und nicht mehr vom Boden aus. Aber sonst ist Christoph 2 ganz der alte: Er ist dafür da, besonders schnell am Einsatzort zu sein. »Innerhalb von zwei Minuten nach dem Alarm müssen wir in der Luft sein«, sagt Sabine Jobmann, die seit zehn Jahren fliegende Notärztin ist. Mit Begeisterung.

Laufschritt gehört zur Arbeit

Die Notfallmedizin ist ihr Metier: »Mir macht das Spaß, man kann schnell und effektiv helfen.« Der Laufschritt gehört zu ihrer Arbeit dazu, ebenso ein unempfindlicher Magen und das völlige Vertrauen in den Hubschrauber. »Fliegen braucht bei uns nur, wer das will. Bei Flugangst macht das keinen Sinn«, sagt Jobmann. Weiteres Kriterium: Es müssen erfahrene Notärzte sein, die sich in die Maschine setzen.

Wenn ein Alarm rein kommt, läuft Sabine Jobmann los. Die Daten über den Einsatz kommen per Fax oder Funk, auch Hinweise, wo der Flieger am besten landen kann. Gerufen wird der Hubschrauber zu schweren Unfällen, aber längst nicht nur, wie die 44-Jährige betont. »Wir fliegen auch zu ganz normalen Notfällen, wenn auf dem Boden gerade kein Rettungswagen zur Verfügung steht. Oder wir fliegen in ländliche Regionen, um die Patienten schneller erreichen zu können.«

Die Crew von Christoph 2 besteht immer aus einem BGU-Notarzt, einem Piloten der Bundespolizei und einem Rettungsassistenten der Frankfurter Berufsfeuerwehr. Der hält während des Fluges mit nach gefährlichen Hindernissen Ausschau, nach Strommasten oder Windrädern. Das Fliegen im Ballungsgebiet hat seine Tücken, Jobmann hat schon mal »eine Stromleitung sehr nah gesehen«.

Die Piloten bekommen vor ihrem ersten Einsatz eine spezielle Schulung, wie Hans Bäuml erklärt, der Flugeinsatzleiter der Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuldatal. Sie lernen etwa, welche Ausnahmeregeln für sie gelten. Da es um Leib und Leben von Patienten geht, dürfen Rettungshubschrauber auch noch fliegen, wenn wegen schlechten Wetters andere Maschinen auf dem Boden bleiben müssen. Oder die Piloten trainieren das Landen auf Brücken und Autobahnen.

»Wir machen Sichtflug«

»Die Flugsicherheit ist oberstes Gebot, sie muss immer im Hinterkopf sein. Deswegen werden die Piloten intensiv auf den Job vorbereitet«, sagt Bäuml. Trotz allem kann das Wetter den Hubschrauber an den Boden fesseln. »Wir machen Sichtflug, und wenn der nicht gegeben ist, können wir auch nicht starten«, sagt Ärztin Jobmann. Das heißt auch: In der Regel wird nur bei Tageslicht geflogen.

Im Zweifel Vorrang vor den Jets

Die Retter haben auch eine besondere Stellung im Luftraum, denn im Zweifel haben sie Vorrang vor den Jets vom Frankfurter Flughafen.

Manchmal sind die Hubschrauber aber nicht so gerne gesehen. Jobmann hat bei einem Einsatz auf einer Autobahn schon erlebt, dass ein Lastwagenfahrer Christoph 2 beinahe die Kufen abgefahren hätte, weil er noch schnell vorbei wollte. Doch es gibt auch nette Erinnerungen: Ein kleines Mädchen hatte sich den Oberschenkel gebrochen und sollte ganz alleine im Hubschrauber abtransportiert werden. Sie habe ihr genau erklären wollen, was nun passiere, erzählt Jobmann. Doch das Mädchen habe genervt gesagt, das bräuchte sie nicht, schließlich schaue sie immer die Serie »Die Rettungsflieger« im Fernsehen. Carolin Eckenfels, dpa

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