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U-förmig soll um das Doktorhaus gebaut werden. Über die Bebauungsdichte ist ein Streit entbrannt.

Rodgau

Anwohner wehren sich gegen Wohnkomplex in Dudenhofen

In Rodgau-Dudenhofen wehren sich Anwohner gegen ein fast 14 Meter hohes Gebäude vor ihren Gärten.

Rodgau - Zwischen Anrainern des sogenannten Doktorhauses im Rodgauer Stadtteil Dudenhofen und dem Magistrat ist ein Streit entbrannt. Die Anwohner wehren sich gegen Pläne, einen hohen Wohnkomplex rund um das Doktorhaus zu errichten, sprechen von „Nachverdichtung ohne Rücksicht auf Verluste“, fürchten um ihre Lebensqualität. Sie haben eine Interessengemeinschaft gegründet, die mittlerweile 70 Köpfe zählt und am heutigen Samstag von 11 bis 14 Uhr mit einem Infostand am Puiseauxplatz in Nieder-Roden vertreten ist.

33 Wohneinheiten rund um das Kulturdenkmal Doktorhaus geplant

Der Investor ErBa Bau- und Immobilien GmbH aus Obertshausen plant einen U-förmigen Komplex mit insgesamt 33 Wohneinheiten rund um das Kulturdenkmal Doktorhaus, das diesen Namen trägt, weil dort einst der Gemeindearzt wohnte und praktizierte. „Wenn das Bauvorhaben so realisiert wird, schauen wir auf eine 40-Meter-Front, die 13,9 Meter hoch ist“, sagt Isabel Friedrich, Sprecherin der Interessengemeinschaft. Der „massive Koloss“ türme sich im Mindestabstand direkt neben ihrem Grundstück auf, und zu allem Überfluss seien auch die Balkone in Richtung ihrer Gärten geplant. „Dann fühlen wir uns wie in der Manege.“

Es gebe in der Umgebung nur ein dreigeschossiges Gebäude, das in den 60er Jahren für sozialen Wohnungsbau errichtet wurde, alle anderen seien höchstens zweigeschossig mit Dachausbau. Die Anwohnerinitiative fürchtet, dass der Neubau der Maßstab für die künftige Bebauung in Dudenhofen sein könnte. Außerdem sollen bei dem Bauvorhaben die 2500 Quadratmeter Gesamtfläche „zu 90 Prozent zugepflastert werden“, so Friedrich. Man sei nicht gegen die Bebauung des Grundstücks, „aber nicht mit 33, sondern mit 18 bis 20 Wohnungen in einzelnen Mehrfamilienhäusern“. So könnten auch die Grünflächenanteile erhöht werden, und es könnte mehr Regenwasser versickern – zumal auch der Kanal auf solch einen „Zuwachs“ nicht ausgelegt sei. „Unsere Gärten sind ein Refugium von seltenen Arten“, sagt Friedrich und zählt Wildbienen, Fledermäuse, Lurche, Frösche und Eulen auf. Doch weder der Nabu noch die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) seien in die Planungen einbezogen worden.

Anwohnerinitiative in Rodgau ärgert sich

Die Anwohnerinitiative ärgert sich darüber, dass Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) ein Gesprächsersuchen in einem Schreiben ablehnte. Schließlich sei es bei Bauvorhaben dieser Größe sogar üblich, vorher eine Bürgerversammlung einzuberufen.

„Wenn Einwendungen geltend gemacht werden können, dann stehe ich nicht noch für persönliche Gespräche zur Verfügung“, verteidigt sich der Bürgermeister. Der vorhabenbezogene Bebauungsplan sollte ursprünglich bis 10. April im Rathaus für Stellungnahmen öffentlich ausliegen. Die Stadt verlängerte die Frist sogar.

„Wir haben in Rodgau und in der Region eine große Aufgabe: Wohnraum“, sagt Hofmann. Laut Landesregierung sei „Innenverdichtung vor Außenbebauung“ oberstes Planungsziel. Das Regierungspräsidium habe in einer Stellungnahme zum Bebauungsplan zum Ausdruck gebracht, „dass diese Bebauung ausdrücklich erwünscht ist“. Solch eine Dichte mache Wohnraum bezahlbar, so Hofmann. Er habe Verständnis, dass man es „nicht so toll findet, wenn in der Nachbarschaft gebaut wird“. Die Kernfrage sei aber, was wichtiger sei: Rücksicht auf Individualinteressen oder das gesamtgesellschaftliche Ziel der Schaffung von Wohnraum.

Von Annette Schlegl

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