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Piloten und Lufthansa wenden Streik ab

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Von: Sebastian Richter, Moritz Serif, Constantin Hoppe, Erik Scharf, Jan Oeftger

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Der Tarifkonflikt bei der Lufthansa könnte bald beigelegt sein. Die Pilotengewerkschaft und Fluggesellschaft haben eine Teillösung erreicht.

Update vom Dienstag, 6. September, 21.15 Uhr: Der geplante Pilotenstreik bei der Lufthansa findet nicht statt. Nach dpa-Informationen einigte sich die Airline mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Dienstag (6. September) bei einer Krisensitzung in Frankfurt. Anschließend sagten VC-Verteter den für Mittwoch, 7. September, und Donnerstag, 8. September, angekündigten Ausstand bei der Lufthansa-Kernmarke ab. Auch die Frachttochter Lufthansa Cargo, für die ein dreitägiger Streik geplant war, soll planmäßig fliegen können.

Bei den Verhandlungen sei unter hohem Zeitdruck eine Teillösung erreicht worden, gab die Gewerkschaft bekannt. Das umfängliche Paket finanzieller und struktureller Themen sei im Kern vereinbart, müsse aber in den kommenden Tagen ausgestaltet werden, so die VC weiter, die mit ihrer Streikdrohung den Druck erhöht hatte.

Lufthansa-Piloten
Mit seiner Uniformmütze auf dem Kopf steht ein Pilot der Lufthansa am Flughafen in Frankfurt am Main. © picture alliance/Boris Roessler/dpa/Symbolbild

Auch die Lufthansa äußerte sich zunächst nicht zu den am Dienstag in der Konzernzentrale am Flughafen Frankfurt erreichten Details. Die Absage des Streiks sei vor allem für Kundinnen und Kunden eine gute Nachricht, erklärte eine Sprecherin gegenüber der dpa. „Unsere Flüge finden in den kommenden Tagen wie geplant statt. Wir freuen uns darüber, dass wir mit der Vereinigung Cockpit in konstruktiven Gesprächen eine Lösung erreichen konnten.“

Flughafen Frankfurt: Lufthansa-Piloten rufen erneut Streik aus

Update vom Dienstag, 6. September, 06.00 Uhr: Die Piloten der Lufthansa haben eine zweite Streikwelle bei der Airline beschlossen. Das Unternehmen könne den für Mittwoch (7. September) geplanten zweitägigen Ausstand noch mit einem „ernstzunehmenden“ Angebot abwenden, teilte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit in der Nacht zum Dienstag in Frankfurt mit. Dazu sei ein weiterer Verhandlungstermin am Dienstag (6. September) angeboten worden, der „dem Vernehmen nach“ auch stattfinden werde. Die Piloten hatten bereits am vergangenen Freitag den kompletten Betrieb der Lufthansa-Kerngesellschaft lahmgelegt.

In einer ersten Reaktion sagte ein Lufthansa-Sprecher: „Wir bedauern sehr, dass die Gewerkschaft den Weg der Eskalation weitergeht.“ Dem neuerlichen Streikaufruf zufolge sollen die Abflüge der Lufthansa-Passagiermaschinen aus Deutschland am Mittwoch und Donnerstag bestreikt werden. Bei der Frachttochter Lufthansa Cargo ist der Streik nur für den Mittwoch geplant. „Der angekündigte Streik kann nur durch ein ernstzunehmendes Angebot des Unternehmens abgewendet werden“, erklärte dazu VC-Sprecher Matthias Baier.

Vorerst gibt es zwischen der Lufthansa und der Piloten-Gewerkschaft Cockpit keine neuen Verhandlungen.
Vorerst gibt es zwischen der Lufthansa und der Piloten-Gewerkschaft Cockpit keine neuen Verhandlungen. © Uwe Anspach/dpa

Pilotenstreik: Kein verbessertes Angebot für die Piloten

Update vom Montag, 5. September, 14.15 Uhr: Die erste Streikwelle der Piloten hat nicht zu Verhandlungen mit der Lufthansa geführt. Ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sagte am Montag (5. September), dass kein Gesprächstermin vereinbart worden sei. Auch ein verbessertes Angebot sei nicht eingegangen. Eine Lufthansa-Sprecherin signalisierte Gesprächsbereitschaft, doch nannte ebenfalls keine Termine. Sollten keine Gesprächstermine vereinbart werden, droht eine zweite Streikwelle.

Die VC verlangt in ihrer Tarifforderung einen „pauschalen“ Inflationsausgleich in Höhe von 8,2 Prozent. Zuvor hatten sie einen automatischen Inflationsausgleich gefordert. Da die Richter des Arbeitsgerichts München jedoch Bedenken dagegen hatten, wurde die Forderung angepasst. Demnach sollen die Gehälter noch im laufenden Jahr um 5,5 Prozent steigen. Außerdem wird eine neue Gehaltstabelle und mehr Geld für Krankheitstage, Urlaub und Training gefordert.

Pilotenstreik: Lufthansa hält Forderungen für überzogen

Lufthansa hält diese Forderungen für überzogen. Nach Angaben des verschuldeten Unternehmens würden diese die Personalkosten im Cockpit um 40 Prozent erhöhen. Innerhalb von zwei Jahren würde dies zu einem finanziellen Mehraufwand von 900 Millionen Euro führen.

Erst im Juli hatte die Gewerkschaft Verdi einen eintägigen Warnstreik des Bodenpersonals veranstaltet und damit für Chaos bei der größten deutschen Airline gesorgt. Im Herbst möchte dann die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo für ihre Mitglieder neu verhandeln. Für den Pilotenstreik erklärte sich Ufo „ausdrücklich und uneingeschränkt solidarisch“.

Lufthansa nach Pilotenstreik: „Voraussichtlich keine Flugausfälle“

Update vom Samstag, 3. September, 10.24 Uhr: Bei der Lufthansa ist um Mitternacht der Pilotenstreik planmäßig zu Ende gegangen. Die Gewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ hatte den Arbeitskampf von vornherein auf 24 Stunden begrenzt. Nach der Absage von mehr als 800 Flügen am Freitag will die Fluggesellschaft nach eigenen Angaben ihren Flugplan am Samstag (3. September) möglichst vollständig abfliegen. Am Freitagabend teilte Lufthansa mit, dass es „voraussichtlich keine Flugausfälle“ geben werde - Verspätungen seien aber möglich.

Die ersten Abflüge von den Drehkreuzen Flughafen Frankfurt und München gingen am frühen Morgen über die Startbahngeplant. Am Freitag hatte die Lufthansa Flüge mit 130.000 betroffenen Passagieren vorsorglich abgesagt. Mit dieser Strategie sollte zum Neustart am Samstag ein normaler und stabiler Flugplan erreicht werden. Es handelt sich um das letzte Wochenende der Schulferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Pilotenstreik legt Flugverkehr lahm – Lufthansa scheitert vor Gericht

Update vom Freitag, 2. September, 15.30 Uhr: Zu Beginn des Pilotenstreiks hat Verdi-Chef Frank Werneke eine zunehmend gewerkschaftsfeindliche Stimmung bei Tarifauseinandersetzungen in der Luftverkehrsbranche beklagt. Während des Tarifkonflikts für das Lufthansa-Bodenpersonal sei es stellenweise sogar zu Morddrohungen gekommen, sagte Werneke der Augsburger Allgemeinen. Verdi hatte Ende Juli mit einem Warnstreik des Bodenpersonals den Flugbetrieb der Lufthansa fast komplett lahmgelegt.

Unterdessen scheiterte der Versuch der Lufthansa, den Piloten-Streik gerichtlich zu untersagen. Die Fluggesellschaft hatte laut dem Arbeitsgericht München am Freitag argumentiert, dass die Forderung nach einer Erhöhung der Tarifgehälter mittels eines automatischen Inflationsausgleichs ein rechtswidriges Streikziel sei. Dem folgte das Gericht nicht, die Durchführung des Streiks bleibt damit also erlaubt.

Allerdings betonte das Gericht, dass die Forderung der Vereinigung Cockpit nicht unbedenklich sei. „Jedoch hätte die Deutsche Lufthansa AG ihre rechtlichen Bedenken während der bisherigen Verhandlungen äußern müssen, damit über diesen Punkt Gespräche hätten geführt werden können“, teilte das Gericht mit. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Pilotenstreik bei der Lufthansa - Frankfurt am Main
Mehr als 800 Flüge fallen im Verlauf des Freitags aus. © Boris Roessler/dpa

Streik am Flughafen Frankfurt: Piloten legen Arbeit nieder

Update vom Freitag, 2. September, 9.30 Uhr: Keine Einigung im Tarifstreit: Wie geplant sind die Piloten der Lufthansa am Freitag (2. September) in einen ganztägigen Streit getreten. Dazu hatte die Vereinigung Cockpit nach den – aus ihrer Sicht gescheiterten – Tarifverhandlungen mit dem Konzern aufgerufen. Lufthansa hatte bereits am Donnerstag (1. September) angesichts der Streik-Drohung nahezu das komplette Programm an den Flughäfen Frankfurt und München gestrichen, Auswirkungen gibt es auch in weiteren deutschen Airports. Mehr als 800 Flüge fallen im Tagesverlauf aus, rund 130 000 Passagiere sind betroffen.

Die Lufthansa hat den Streikaufruf kritisiert und die VC aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die VC verlangt nach eigenen Angaben Gehaltssteigerungen von 5,5 Prozent im laufenden Jahr und einen automatisierten Inflationsausgleich ab dem kommenden Jahr. Lufthansa hatte nach eigenen Angaben zuletzt eine Erhöhung der monatlichen Grundvergütung um pauschal 900 Euro angeboten.

Streik am Flughafen Frankfurt: Lufthansa sagt mehr als 800 Flüge ab

Update vom Donnerstag, 1. September, 11.22 Uhr: Die Lufthansa zieht Konsequenzen aus dem angekündigten Pilotenstreik am Freitag (2. September). 800 Flüge fallen aus, voraussichtlich seien 130.000 Menschen betroffen, wie das Unternehmen am Donnerstag (1. September) mitteilt. Damit entfällt an den Drehkreuzen in Frankfurt und München nahezu das gesamte Programm. Betroffene Passagiere würden umgehend informiert, heißt es von der Lufthansa. Flüge von nicht-deutschen Startpunkten finden statt, sofern Flugzeuge und Crews bereits im Ausland sind.

Der Streik am Freitag falle in die „Hauptrückreisezeit zum Ende der Schulferien in mehreren Bundesländern“. Vereinzelt sollen schon Flüge am Donnerstag gestrichen werden. Die Lufthansa arbeite „mit Hochdruck“ daran, den Flugbetrieb am Wochenende wieder zu normalisieren, schreibt die Fluggesellschaft. Allerdings könne es noch am Samstag und Sonntag zu Ausfällen und Verspätungen kommen. Die Lufthansa-Töchter Eurowings und Eurowings Discover seien von dem Streik nicht betroffen.

Flughafen Frankfurt: Lufthansa gibt Pilotenvereinigung VC Schuld an Flugausfällen

Die Schuld sieht die Lufthansa bei den Piloten und der Vereinigung Cockpit (VC). „Uns fehlt jedes Verständnis für den Streikaufruf der VC“, sagt Michael Niggemann, Personalvorstand der Deutschen Lufthansa AG. „Die Arbeitgeberseite hat ein sehr gutes und sozial ausgewogenes Angebot gemacht – trotz der nachwirkenden Lasten der Corona Krise und unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft.“ Die Eskalation gehe „zu Lasten vieler Tausend Kund:innen“. 

Nach Angaben der Lufthansa habe der Konzern ein Angebot mit 18-monatiger Laufzeit vorgelegt. Darin enthalten sei eine zweistufige Gehaltserhöhung um insgesamt 900 Euro. Insgesamt kämen dadurch Berufsanfänger auf ein Jahresbruttogehalt von 81.000 Euro, ein Kapitän in der Endstufe auf knapp 289.000 Euro Grundgehalt.

„Um Arbeitskämpfe abzuwenden, muss Lufthansa ein deutlich verbessertes Angebot vorlegen“, hatte bereits am Mittwoch (31. August) der VC-Tarifchef Marcel Gröls gesagt. Die Pilotenvereinigung forderte neben 5,5 Prozent mehr Geld in diesem Jahr einen automatischen Ausgleich oberhalb der Inflation ab 2023. Zudem sah die Forderung der Vereinigung eine neue Gehaltstabelle, mehr Geld für Krankheitstage, Urlaub und Training vor. Für die Lufthansa bedeutet das nach eigenen Angaben eine Mehrbelastung von 900 Millionen Euro, die VC äußerte sich nicht zu den Zahlen.

Lufthansa-Piloten streiken am Freitag: „Aktuell liegen wir zu weit auseinander“

Erstmeldung vom Donnerstag, 1. September, 6.47 Uhr: Frankfurt - „Im Bewusstsein unserer Verantwortung für Unternehmen und Gäste wollten wir nichts unversucht lassen und haben trotz unzureichendem Angebot und gescheiterten Verhandlungen einen weiteren Verhandlungstermin angeboten. Wir haben auch heute kein ausreichendes Angebot erhalten. Das ist ernüchternd und eine vertane Chance“, schreibt die Vereinigung Cockpit. Somit wird es einen ganztägigen Streik der Pilotinnen und Piloten von Lufthansa am Freitag (2. September) geben. Der Streik gilt für den Flughafen Frankfurt.

Die Verhandlungen seien gescheitert. Zwar habe der Arbeitgeber den Verhandlungstermin wahrgenommenen, aber nicht genutzt, um sich mit einem verbesserten Angebot auf die Forderungen der Gewerkschaft zuzubewegen, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung. Der Vereinigung Cockpit bleibe nichts anderes übrig, als ihren Forderungen mit einem Streik Nachdruck zu verleihen.

Lufthansa-Piloten streiken am Flughafen Frankfurt

„Um Arbeitskämpfe abzuwenden, muss Lufthansa ein deutlich verbessertes Angebot vorlegen“, sagt Marcel Gröls, Vorsitzender Tarifpolitik der VC. „Aktuell liegen wir zu weit auseinander. Neben dem Ausgleich des Reallohnverlustes brauchen wir jetzt vor allem eine zukunftsfähige Lösung für die Vergütungsstruktur in allen Berufsgruppen“, so Gröls. Im Hintergrund schwelt zudem ein Konflikt über die künftige Konzernstrategie.


Die Vereinigung Cockpit ist der Berufsverband des Cockpitpersonals in Deutschland. Sie vertritt die berufs- und tarifpolitischen Interessen von derzeit rund 9600 Mitgliedern bei sämtlichen deutschen Airlines und sieht darüber hinaus ihre Aufgabe in der Erhöhung der Flugsicherheit in Deutschland.

Lufthansa: Bodenpersonal streikte erst im Juli am Flughafen Frankfurt

Erst vor kurzem, im Juli, hatte die Gewerkschaft Verdi mit einem Warnstreik des Bodenpersonals den Flugbetrieb der größten deutschen Airline für einen ganzen Tag nahezu lahmgelegt. Es fielen über 1000 Flüge aus, und rund 134.000 Passagiere mussten ihre Reisepläne ändern. In der anschließenden Verhandlungsrunde erreichte die Gewerkschaft für die rund 20.000 Bodenbeschäftigten Gehaltssteigerungen, die insbesondere in den unteren Lohngruppen deutlich zweistellig ausfielen.

Der vorerst letzte Pilotenstreik bei Lufthansa endete im Februar 2017 nach 14 Runden und einer letztlich erfolgreichen Schlichtung. Insgesamt hat der 2012 begonnene Arbeitskampf die Lufthansa nach damaligen Angaben mindestens 500 Millionen Euro gekostet. (mse/dpa)

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