Parkwächter oder doch eher Pädagogen?

Frankfurt (lhe). Im Frühling und Sommer, den beliebten Freiluftjahreszeiten, wachsen in Parks und Grünanlagen die Müllberge. Achtlos weggeworfene Essensverpackungen, Glasscherben und beschädigte Bänke ärgern vor allem montagsmorgens Spaziergänger und Radfahrer.

»Wir haben von Jahr zu Jahr eine Zunahme der Müllmenge«, sagt der Leiter der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, Peter Postleb. Einen ähnlichen Trend gibt es auch in anderen hessischen Städten, wie eine dpa-Umfrage ergab.

»Das ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel«, sagt der Sprecher der Stadt Marburg, Rainer Kieselbach. Der Hanauer Abfalldezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) betont: »Es kann nicht angehen, dass die Allgemeinheit über die Maßen für das aufkommen soll, was wenige am Mainufer an Abfall produzieren.« Die Kommunen verfolgen verschiedene Strategien, um das Problem in den Griff zu kriegen.

»Ohne Geld nichts zu machen«

Frankfurt hat gute Erfahrungen mit Parkwächtern gemacht, die Vandalismus sowie Vermüllung verhindern und darauf achten, dass Grillverbote eingehalten werden. Die Ausweitung des Programms mit einem privaten Sicherheitsdienst scheitert allerdings an den Sparzwängen, wie Postleb berichtet. »Ohne Geld kann ich da nichts machen.«

Rund 65 000 Euro hatte die Stadt dafür im vergangenen Jahr ausgegeben. Etwa 50 000 Euro zusätzlich kostet eine Reinigungsfirma, deren Beschäftigte jedes Wochenende das Mainufer ablaufen, Abfalleimer leeren und Müll aufsammeln. Um auf den Grillplätzen Verwüstungen im Zaum zu halten, stellt die Stadt dort jeden Freitagabend zwei große Container auf und holt sie am Montagmorgen wieder ab. »Wenn sie die ganze Woche stehen, werfen die Kleingärtner ihren Grünstock rein«, erklärt Postleb den Aufwand.

Ein Dauerproblem seien die Partys am Friedberger Platz. Bis zu 3000 Leute feierten dort freitagabends, die Stadt stellt dafür acht Toiletten und 40 Mülltonnen auf – ohne Deckel, weil diese als Stehtisch für Gläser genutzt worden waren. Rund 50 000 Euro koste die Müllentsorgung der Party pro Jahr. »Völlig hilflos« sei die Stadt allerdings gegen die Zumüllung von Parks bei Spontanpartys übers Internet. Um das Müllproblem in den Griff zu kriegen »müssen wir auch auf das Verhalten der Leute einwirken«, sagt Postleb. »Wir versuchen die Leute bei schönem Wetter darauf hinzuweisen, ihren Müll nicht einfach liegen zu lassen.«

»Soziale Kontrolle wirkt«

Einen solchen pädagogischen Ansatz schreibt Darmstadt groß. Über Vereine und Schulen wird versucht, die Menschen dazu zu bringen, Verantwortung für ihren Müll zu übernehmen. In Marburg werden die Lahnwiesen schnell vermüllt. Ein Beraterteam aus zwei Leuten ist werktags unterwegs, »um zu schauen, dass alles mit rechten Dingen zugeht«. In Offenbach habe sich die Lage mit der Einführung eines Beschwerdemanagements über das Internet verbessert, sagt Stadtsprecher Matthias Müller. In Gießen hat die Stadtreinigung die Erfahrung gemacht, dass die Leute ihren Müll wegbringen oder mitnehmen, wenn soziale Kontrolle da ist, also jemand in der Nähe wohnt.

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