+
Katastrophenübung im strömenden Regen: Die Freiwilligen Feuerwehrleute mussten Verletzten-Darsteller des DRK Friedberg versorgen (oben) und sie aus den verunglückten Fahrzeugen bergen. 

250 Teilnehmer 

Feuerwehr-Großeinsatz in Offenbach - das ist der Hintergrund 

In Offenbach haben 250 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Sanitätern in einer groß angelegten Aktion zusammengearbeitet. Es gibt aber keinen Grund zur Besorgnis. 

Offenbach – Ein Auto kommt auf nasser Fahrbahn vom Weg ab, schleudert gegen zwei weitere Wagen und kracht anschließend in eine Gruppe von Personen, die an der Bushaltestelle warten: Es ist ein Szenario, von dem ein jeder sich wünscht, es nie zu erleben – und doch muss es geprobt werden für den Ernstfall.

„Aquaplaning“ war dieses Szenario überschrieben, das am Freitagabend an der Buswendeschleife in Rumpenheim geprobt wurde. „Wir wollen damit üben, wie die Freiwilligen Feuerwehren und Rettungsdienste zusammenarbeiten und ob die Alarmierungszeiten eingehalten werden“, sagt Niko Kern, Sachgebietsleiter Bevölkerungsschutz bei der Stadt Offenbach.

Offenbach: Freiwillige Feuerwehren üben in Rumpenheim – DRK hilft

Die Übung richtet sich speziell an die Freiwilligen Feuerwehren, die Berufsfeuerwehr sei, so das Szenario, durch andere Einsätze gebunden. Gut 50 Notfalldarsteller vom DRK Friedberg sind dabei und mimen die Verletzten. „Wir haben ganz bewusst mehr Verletzte besorgt als Rettungskräfte da sind, um zu sehen, wie die Ehrenamtlichen mit dieser Situation umgehen“, sagt Kern, „das sind schon erheblich verschärfte Bedingungen.“

Wie sehr verschärft die Bedingungen sind, wird sich am Abend noch zeigen: Denn durch reale Einsätze sind etwa die Freiwillige Feuerwehr Bieber, die Notärzte und die Polizei stark eingebunden, die Ersthelfer der Freiwilligen Feuerwehr Rumpenheim müssen lange allein mit der Situation zurecht kommen. Bei strömenden Regen und Temperaturen um fünf Grad ein wahrer Knochenjob.

Feuerwehr-Übung in Offenbach: Um 19 Uhr wird das Auto angezündet

Los ging es jedoch schon früher: Gegen 17 Uhr sind die Notfallmimen aus der Wetterau angereist, im nahen Vereinsheim der Kleingärtner werden Verletztenbiografien verteilt und Verletzungen geschminkt. „Wir hatten dieses Jahr schon 16 solcher Übungen“, sagt Sina Dietz, Leiterin der Notfalldarstellung. Ein Mime bekommt eine Stange „durch die Brust“ montiert, bei einer anderen wird ein aufgeplatzter Bauch überaus realistisch geschminkt. „Ich bin das erste Mal dabei“, sagt Nils Henkel von der Feuerwehr Florstadt, „nur so kann ein Einsatz eben realistisch geübt werden.“

Gegen 19 Uhr zündet Alexander Seiffen von der Berufsfeuerwehr eines der bereitgestellten Schrottautos an, um 19.17 Uhr wird der Notruf abgesetzt. „Der kommt als normaler Notruf in die Leitstelle – dass es eine Übung ist, weiß dort keiner“, betont Kern.

Dann beginnt das Warten. Der Regen trommelt unaufhörlich nieder, einige der Darsteller liegen in Pfützen auf der Straße. Dreimal sind Explosionen aus dem brennenden Fahrzeug zu hören. „Das sind die Airbag-Kapseln und die Reifen“, sagt Seiffen.

Sirenen in Offenbach-Rumpenheim zu hören: Übungseinsatz beginnt

Acht Minuten ist die Sirene zu hören, das Blaulicht der Rumpenheimer Feuerwehr erleuchtet den dunklen Platz. Und dann bicht förmlich die Hölle los: Die Darsteller beginnen zu stöhnen und zu schreien, sie wimmern oder laufen aufgeregt nach Hilfe suchend durcheinander. Einige halten in Panik Feuerwehrleute fest. In diesem Gewirr von Stimmen, der Dunkelheit, dem Regen und den Flammen des brennenden Wagens den Überblick zu behalten, ist für die Ehrenamtlichen eine Herausforderung.

„Sie haben die Zehn-Minuten-Frist nach Alarmierung eingehalten, das ist gut“, notiert ein Übungsbeobachter. Rund 20 Personen überwachen die Übung und bewerten das Verhalten der Helfer. „Die Ersthelfer müssen sich einen Überblick verschaffen, das hat geklappt“, sagt Kern. „Das Auto zu löschen, hätte es nicht gebraucht“, sagt ein anderer Beobachter. Da keine Person darin sitze, sei es besser, zunächst nach Verletzten zu suchen, die sich in der Dunkelheit verirrt haben.

Feuerwehr Offenbach: Letzte ähnlich große Übung war 2014

Gegen 19.40 Uhr erhalten die Feuerwehrleute Unterstützung. Die Ehrenamtlichen aus Waldheim kommen ihnen zu Hilfe, dann trifft auch der Notfallsanitäter des Arbeiter Samariter-Bundes (ASB) ein. Zehn Minuten später ein Streifenwagen der Polizei. Nach kurzer Absprache mit dem Einsatzleiter regeln die beiden Polizisten den Verkehr. „Bei so vielen Verletzten hätte es sich auch um einen terroristischen Anschlag handeln können, sie hätten eigentlich den Unfallort erst genauer untersuchen müssen“, kommentiert einer der Beobachter.

„Die letzte Übung in dieser Größenordnung hatten wir 2014“, sagt Michael Eiblmaier, stellvertretender Leiter der Feuerwehr. Inklusive Darsteller und beobachter sind rund 250 Personen an der Katastrophenübung beteiligt. Gegen 21.30 Uhr sind alle Verletzten geborgen und versorgt, die Übung beendet. Im Feuerwehrhaus am Mainzer Ring gibt es für die durchnässten und -gefrorenen Helfer eine Stärkung. „Wir haben unsere Übungsziele durchaus erreicht“, sagt Feuerwehrchef Uwe Sauer, das Zusammenspiel der beteiligten Organisationen und Helfer sei gelungen. Besonders den Mimen dankt Sauer, die bei Regen und Kälte ausgeharrt haben. Auch Oberbürgermeister und Feuerwehrdezernent Felix Schwenke lobt die Beteiligten: Nur durch solche Übungen sei man für den Ernstfall gerüstet.

VON FRANK SOMMER

Die Feuerwehr von Offenbach-Rumpenheim machte zuletzt eher negative Schlagzeilen. Zwei junge Mitglieder stehen im Verdacht, mehrere Brände in Offenbach gelegt zu haben. Die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Brandstifter laufen. Drei Männer aus Offenbach in Hessen sollen einen Terror-Anschlag im Rhein-Main-Gebiet geplant haben. Die IS-Anhänger wurden festgenommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare