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Neubau der EZB lässt Turbulenzen hinter sich

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Frankfurt. Auf der Baustelle der Europäischen Zentralbank (EZB) im Ostend: Gerade ist der Teleskopstapler eingetroffen. Der mobile Baukran wird in Position gebracht, um Stahlteile in der ehemaligen Großmarkthalle anzubringen.

Der denkmalgeschützte Bau aus den 1920er-Jahren wird zum neuen Eingangsbereich der Notenbank umgebaut. Und direkt nebenan wachsen die beiden neuen Hochhäuser der EZB allmählich in Höhe. Projektleiter Thomas Rinderspacher ist sicher: Bis 2013 wird der Komplex bezugsfertig sein.

Dann werden vom Mainufer aus die Geschicke des Euros bestimmt. Längst platzt der bisherige Standort der EZB am Willy-Brandt-Platz in der Innenstadt aus allen Nähten. Um das neue Domizil im Ostend gab es schon vor Beginn der Bauarbeiten im Mai vergangenen Jahres Turbulenzen. So stoppten die Währungshüter vor drei Jahren überraschend die ursprüngliche Ausschreibung zur Suche eines Generalunternehmers, weil sich niemand fand, der den vorgegebenen Kostenrahmen von 500 Millionen Euro einhalten wollte.

Vorübergehend stand sogar der Umzug in den Neubau insgesamt in Zweifel. Doch inzwischen hat die Bank die Aufträge einzeln vergeben und damit drohende und womöglich beträchtliche Mehrkosten vermieden. Stolz vermeldet Rinderspacher jetzt: Der Bau ist im Zeitplan, und auch der Kostenplan wird wohl eingehalten.

Der ist jedoch ausdrücklich auf den Preisstand von 2005 ausgerichtet, und außerdem kommen zu den klassischen Baukosten noch die Ausgaben für Grundstück, Planung, Gutachter, Mobiliar und sonstige Nebenkosten hinzu. Und mit diesen zusammen sind schon Gesamtkosten von 850 Millionen Euro veranschlagt. Rechnet man die Preissteigerungen hinzu, dürfte womöglich nicht mehr viel an der Milliarde fehlen.

Pro Geschoss nur sieben Tage angesetzt

Rinderspacher lässt sich noch nicht auf eine Endzahl festlegen. Schließlich handelt es sich um ein Mammutprojekt, und wie sich beispielsweise die Stahlpreise weiterent- wickeln, weiß niemand. Der Bau ist ja noch nicht zu Ende, und so muss weiter Baumaterial beschafft werden.

Inzwischen ragen die beiden leicht gedrehten Hochhäuser die ersten zehn Stockwerke hoch gen Himmel. Insgesamt sollen es 43 im einen und 45 Geschosse im anderen der beiden Türme bei einer Höhe von 185 Metern sein.

An der derzeitigen Spitze ist der Rohbau mit goldgelbem Windschild verhüllt, zum Schutz der Bauarbeiter vor Wind und Wetter. Derzeit sind etwa 350 bis 400 Beschäftigte auf der Baustelle tätig. Arbeiten sollen auf dem Neubaugelände der EZB einmal 2 300 Menschen, davon 1 500 unmittelbar bei der Europäischen Zentralbank angestellt.

Die Hochhaustürme sollen weiter schnell emporwachsen. Nur jeweils sieben Tage sind für den reinen Rohbau eines Geschosses vorgesehen. Doch auch der Umbau und die Sanierung der noch bis 2004 als solche genutzten Großmarkthalle macht Fortschritte. Allein 15 000 Kubikmeter Beton wurden für das Gießen der Bodenplatte verwendet.

In der zurzeit total entkernten Großmarkthalle sollen unter anderem der Eingangsbereich, das Besucherzentrum, der Presseraum sowie die Bibliothek und das Archiv der EZB Platz finden. Innen wird der denkmalgeschützte Bau also ganz neu entstehen, außen wird er dagegen möglichst originalgetreu wiederhergestellt.

Fenster kommen per Schiff aus China

Und das bedeutet durchaus Handarbeit. Das gilt für die Betonsanierung ebenso wie für den Ausbau der alten und den Einbau der neuen, aber nach historischem Vorbild rekonstruierten Fenster. Letztere kommen übrigens aus China und sind nach Aussage bereits per Schiff unterwegs nach Frankfurt. Das Glas wird natürlich erst eingesetzt, wenn die diffizilen anderen Arbeiten in diesem Bereich abgeschlossen sind.

Auch der Backstein an der Außenfassade der Halle wird in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz so saniert, dass der optische Eindruck des Architekten von 1928, Martin Elsaesser, mit gestreiftem Muster wiederhergestellt wird. Auch dort ist Handarbeit gefragt: Die Fugen werden ausgekratzt und neu verfüllt.

Die Verantwortlichen denken unterdessen auch schon an das leibliche Wohl der Zentralbanker: In dieser Woche wurde der Grundstein für das Café auf dem EZB-Grundstück gelegt. Gerhard Kneier, dapd

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