Oma Maria dient als einfallsreicher Lockvogel

Frankfurt. Oma Maria betritt mit ihrem voll beladenen Einkaufswägelchen einen Zebrastreifen an der Hauptwache. Plötzlich rutscht ihr der Trolly aus der Hand, kippt um, und die Apfelsinen kullern über die Straße. Einige Passanten gehen achtlos vorbei, andere helfen der alten Frau, ihre Lebensmittel einzusammeln. »So Leute wie Sie brauchen wir«, sagt die Seniorin und drückt den Helfern einen Flyer in die Hand.

Frankfurt. Oma Maria betritt mit ihrem voll beladenen Einkaufswägelchen einen Zebrastreifen an der Hauptwache. Plötzlich rutscht ihr der Trolly aus der Hand, kippt um, und die Apfelsinen kullern über die Straße. Einige Passanten gehen achtlos vorbei, andere helfen der alten Frau, ihre Lebensmittel einzusammeln. »So Leute wie Sie brauchen wir«, sagt die Seniorin und drückt den Helfern einen Flyer in die Hand. Oma Maria ist ein Lockvogel. Sie unterstützt die Diakonie Frankfurt dabei, für das Ehrenamt zu werben.

»Help the Oma« lautet der Titel der Kampagne mit ihren vier Lockvogel-Filmchen, die sich die Werbeagentur Saatchi & Saatchi ausgedacht hat. Ehrenamtlich, wie die Diakonie versichert. Dafür könnten die Werber die Filme für internationale Auszeichnungen einreichen. Die Diakonie will mit der Aktion auf das Ehrenamt aufmerksam machen und Ehrenamtliche gewinnen. Die Filmchen und den Hintergrund dazu zeigt sie seit Mitte dieser Woche im Internet. Ausschnitte waren auch in der »Hessenschau« des HR-Fernsehens am Dienstagabend zu sehen.

»Schon am ersten Tag haben sich etliche Menschen gemeldet und für das Ehrenamt interessiert«, sagt der Leiter des Diakonischen Werks in Frankfurt, Michael Frase. Unter denen, die ein Kontaktformular im Internet ausgefüllt haben, seien auch Bürger aus Berlin und anderen Städten außerhalb Hessens gewesen. »Die versuchen wir zu vermitteln.«

»Wir wollen auch auf die Lebenssituation älterer Menschen hinweisen, die den Alltag oft mit viel Weisheit betrachten«, sagt der Frankfurter Diakonie-Sprecher, Jörn Dietze. Seine Organisation beschäftige rund 300 haupt- und 400 ehrenamtliche Mitarbeiter in mehr als 50 Einrichtungen der Stadt.

»Die Telefon-Seelsorge, die Bahnhofsmission und die Notfall-Seelsorge funktionieren nur 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, weil sie von Ehrenamtlichen getragen werden«, sagt Frase. Bei der Werbung für diese müsse man behutsam vorgehen. Die Ehrenamtlichen der Diakonie engagierten sich beispielsweise auch in der Obdachlosenarbeit, im Hospiz, für Frauen in schwierigen Lebenslagen und als Vorleser für ältere Menschen.

Manche, die den Omas geholfen haben, Obst einzusammeln, einen Fahrschein zu ziehen und den Rollator eine Treppe hoch zu schleppen, reagierten verwundert, als sie den Werbe-Flyer der Diakonie in die Hand gedrückt bekamen. Unmut oder gar Kritik an der Aktion gebe es aber nicht, sagt Frase erleichtert. »Die drei alten Damen haben einfach eine sehr positive Ausstrahlung«, nennt er einen Grund. »Bei aller Werbung ist es außerdem einfach schön, dass sich Leute spontan ansprechen und anrühren lassen.«

Ira Schaible, dpa

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